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Titel119

Paradoxer Wirrwar  (Hans-Jürgen Nagel)

Die Landmasse samt Inseln zwischen Atlantik, Ural, Nordkap und Sizilien wird gemeinhin als Europa tituliert. Im Grunde genommen ein paradoxer Wirrwarr. Besonders politisch.

 

Allgemein soll es hier circa 50 Staaten geben. Circa ist gut. Nach oben und unten offen = unverbindlich. Zwei UNO-Organisationen rechnen mal diese, mal jene Länder nicht zu den europäischen Staaten. Die Türkei, Armenien, Aserbaidschan, Liechtenstein, Monaco, Zypern sowie einige andere dürften sich darob die Augen reiben. Das Statistische Bundesamt wiederum zählt die Türkei und Zypern zu Europa, lässt aber Vatikanstadt außen vor. Der Papst wird es sich überlegen, ob er seinen Segen urbi et orbi fortan wie bisher erteilt.

 

Die Europäische Union zählt zurzeit noch 28 Staaten. Sie meint den ganzen Kontinent zu repräsentieren. Wenn‘s mit dem Brexit klappt, bleiben 27, die diesen Eigenmythos pflegen. Außerhalb dieses exorbitanten Klubs existiert das größte Land der Erde – die Russische Föderation. Meist nur als Russland bezeichnet. Die Schweiz, Belarus, Norwegen, Island, die Republik Moldau und weitere sind gleichfalls nicht mit von der Partie.

Das zum Staatenwirrwarr.

 

Der Grundschulstoff Klasse 4 wird geografisch neu geschrieben werden müssen. Stichwort: North Atlantic Treaty Organization (kurz NATO). Die zählt 29 Staaten zu den ihren. Ganze Völkerschaften haben sich im Nordwesten Europas angesiedelt, die bis dato vom rauen Nordatlantik nur träumen konnten. So die Ungarn, die Slowaken, Slowenen, Polen, Albaner, Kroaten, Montenegriner und, und, und. Von der Türkei und Griechenland abgesehen. Sie hatten ihren Part von Anfang an im geostrategischen US-Ränkespiel. Die Türkei ist bis heute ein unsinkbarer Flugzeugträger an der Grenze der Russischen Föderation.

 

Und erst der Wirrwarr um das Wort Europa. Sagenhaft. Es soll der Name einer phönizischen Königstochter gewesen sein und aus einer semitischen Sprache stammen. Die Phönizier? Die verunsicherten überaus seetüchtig seinerzeit das Mittelmeer und dessen Küsten per Schiff! So war der Asyltourismus zwischen den orientalischen Gestaden, Afrika und dem Kaltland im Norden geboren. Die bajuwarischen Vorfahren hatten dem zu jener Zeit oder später mit ihrem alpinen Südwall nichts entgegenzusetzen. Lange zuvor bereits, so etwa um die 40.000 Jahre, startete die Familie Homo sapiens von irgendwo in Afrika ihre Expedition gen Polarlicht. Die Sippe machte sich nicht nur die Norderde untertan, sondern ebenso das abendländische Bayern. Von denen stammt etwa der Seehofer Horst auch? Schlimmer geht’s nimmer. Warum wettert er so gegen die heutigen Nachfahren? Der Urinstinkt bricht durch. Um seine Pfründe zu verteidigen.

 

Weiter im Wirrwarr. Im alten Jahr flog Mister Donald Trump in Old Germany ein. Falsch. Er besuchte Little America, die Ramstein Air Base der US Air Force. Ohne sie läuft im Rest der Welt nichts. Drohnenterror inklusive. Geografisch wäre der Ort in Rheinland-Pfalz zu verorten. Zweifel sind gerechtfertigt. Trump ist Präsident der USA. Ein wichtiges Staatsoberhaupt also. Im Ausland wird er staatsmännisch empfangen. Hier geschah das nicht. Ergo war er zu Hause im eigenen Land. Logo. Ramstein gehört nicht zu Germany. Falls die Krauts etwas anderes behaupten und auf Verträge verweisen sollten: Ramstein ist God‘s own country – America! Little oder big? Egal. America first!

 

Mathematisch sind unionierte (West-)Europäer samt USA und NATO genauso schwach auf der Brust. Die USA und die Bundesrepublik hatten 2017 zusammen einen Militärhaushalt von 642,2 Milliarden US-Dollar (602,8 Milliarden plus 39,3 Milliarden US-Dollar). Die Russische Föderation gab sage und schreibe »nur« 61,2 Milliarden US-Dollar aus. Knapp ein Zehntel dessen, was allein die US-German-Connection für Raketen, Drohnen, Artillerie, Flugzeugträger, Panzer, U-Boote und sonstiges Gerät sowie für den Sold von 1,35 Millionen GI´s und etwa 186.600 Bundeswehrlingen verpulvert. Womit durch paradoxen Wirrwarr klar wird: Der Russe ist allgemein und als geduldeter Europäer besonders schuld an allem Ungemach.

 

Könnte der bekannte Sender Jerewan bei der Frage, ob es ein Europa gibt, weiterhelfen? Die Antwort: »Im Prinzip ja, aber ...«

 

Die französischen Gelbwesten lassen Hoffnung aufkeimen, dass – wie zu Zeiten der Französischen Revolution – nicht immer alles in Europa beim Alten bleiben muss.