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Titel1208

Bemerkungen

Automatismus
Diesmal war’s ein 50-Cent-Stück, das streikte. Es weigerte sich entschieden, vom Automaten geschluckt zu werden. Oder weigerte er sich, die Münze aufzunehmen? Fünfmal spuckte er den Fünfziger aus. Ebenso erging es dem Fünf-Euro-Schein. Ärger am Fahrscheinautomaten, nicht zum ersten Mal! Es war einmal ein Fünfzig-Mark-Schein, den der Reisende in den Automaten schob, um ein Wochenendticket für 15 Mark zu erwerben. Erwartungsgemäß erhielt der Kunde das gewünschte Ticket. Dann vergaß der Automat jedoch den Rest, also 35 Mark, zurückzuzahlen. Das wollte keine Etage der Bahnbehörde glauben.

Wie da den auf Provision versessenen heutigen Kontrolleuren glaubwürdig versichern, daß ein Automat ein Geldverächter sein kann? Kontrolleure glauben den Automaten, Menschen sind für sie automatisch gerissene Lügner, egal was sie schwören. Nützt nichts! Nicht nur der Papst ist unfehlbar, nicht nur die Partei hatte immer recht, auch der Automat! Was also tun, wenn sich der Automat verweigert? Tagesplan aufgeben? Termine platzen lasen? In die fast schon abfahrende S-Bahn springen, das unnütze Geld in verschwitzten Händen? Da hilft nur noch Beten! Möge Gott ein Einsehen haben und seine Kontrolleure auf eine andere Strecke schicken.

B. H.


Populismus
»Linke Abstauber« überschrieb Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau seinen Leitartikel, der »Die Linke« als »Neinsager-Partei« abfertigt, vor allem deshalb, weil sie »populistische Euroskepsis« verbreite. In derselben Ausgabe der FR, in der so Meinung gemacht wird, konnte man im Wirtschaftsteil, in einem Interview mit dem Politikforscher Martin Hüpner, folgendes lesen: »Mit ... dem Europarecht werden die Gewichte zwischen marktschaffenden und marktkorrigierenden Regeln zugunsten des Marktes verschoben, ein atemberaubender Wandel ..., der das nationale Arbeits- und Sozialrecht aushebelt ... eine europäische Wirtschaftsintegration, die nationale Sozialstaaten einem europäischen Wettbewerbsstaat unterzuordnen beginnt ... Binnenmarktrecht schlägt Streikrecht – obwohl letzteres in Deutschland Verfassungsrang besitzt.«

Merke: Populist ist, wer Fakten benennt, die Zweifel an der Gültigkeit neoliberaler Glaubenssätze aufkommen lassen könnten.
A. K.


Ein Retter aus dem Lipperland?
Der SPD geht es schlecht und schlechter, auf 20 Prozent ist sie in den Umfragen abgesackt. Wo wächst Rettendes? Die Presse weiß es, auch Alexandra Jacobson, Berliner Korrespondentin der Neuen Westfälischen mitsamt der Lippischen Landeszeitung. Dem Verbreitungsgebiet der letztgenannten Heimatzeitung entstammt der Hoffnungsträger, der ob seiner nunmehrigen Weltläufigkeit große Publikumsgunst genießt und, anders als ein prominenter Pfälzer, stets korrekt gekleidet die Worte wohl zu setzen weiß. Vor allem: Frank Walter Steinmeier ist überzeugter Verfechter jener Agenda-Politik, die sein lippischer Landsmann Gerhard Schröder eingeleitet hat. Also empfiehlt Jacobson der SPD dringlich, ihn umgehend zum Kanzlerkandidaten auszurufen und damit ihren derzeitigen Parteivorsitzenden im Hintergrund verschwinden zu lassen. Der nämlich hat zusammen mit der hessischen SPD-Landesvorsitzenden, jeder Zeitungsleser weiß das, durch Annäherung an »Die Linke« die eigene Partei in Mißkredit gebracht. Und deshalb laufen der SPD jetzt bisherige Anhänger in Scharen weg, sie wollen nicht, daß Sozialdemokraten mit »Lafontainisten« und »Linksradikalen« liebäugeln. Logisch.
Zu gleicher Zeit ist, selbst in der Lippischen Landeszeitung, zu lesen, daß die Umfragewerte für die Linkspartei weiter ansteigen, hauptsächlich zu Lasten der Sozialdemokratie. Wie das? Bisherige SPD-Anhänger sind sauer auf diese Partei, weil sie sich von der Linkspartei nicht hinreichend abgrenze, und eben deshalb wenden sie sich derselben zu? Logisch?
Marja Winken


Einladung nach Krickenbeck
Ich habe keine Lust. Möchten Sie vielleicht teilnehmen? Die Bertelsmann-Stiftung – die dank besonderer Freundlichkeit der nordrhein-westfälischen Finanzbehörden immer noch als gemeinnützig anerkannt ist – lädt zur »Sommerakademie« im niederrheinischen Schloß Krickenbeck ein (sehr repräsentativ, sehr ruhig, sehr schön am See gelegen). Die »Akademie« beginnt am 23. Juni ab 12.30 Uhr mit einem Imbiß im Foyer des Schlosses. Es folgen kurze Begrüßungen, Einführungen und ein Fototermin sowie ein Workshop über »Kommunikation, Teamwork und Kreativität«. Bis die »Akademie« am 28. Juni um 13 Uhr mit der Ausgabe der Lunchpakete für die Rückfahrt endet, begegnen Sie diversen Mitgliedern des Europäischen Parlaments (zum Beispiel Cem Özdemir, der jetzt Vorsitzender der Grünen werden soll, nachdem seine Karriere mal einen Knick bekommen hatte, weil er bei der Annahme von Vergünstigungen nicht vorsichtig genug gewesen war) und des Deutschen Bundestages, auch Staatssekretären und ehemaligen Staatssekretären, einem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Professoren aus Moskau und Washington D.C., dem Projektmanager Nahost der Bertelsmann-Stiftung, leitenden Herren großer Banken, dem ehemaligen Kanzler der Republik Österreich sowie dem ehemaligen Vizekanzler (proporzgerecht einer von der ÖVP, der andere von der SPÖ), dem ehemaligen belgischen Premierminister und dem ehemaligen polnischen Staatspräsidenten, der jetzt die »Amicus Europae Foundation« leitet, und sogar dem Vorsitzenden des Vorstands der Bertelsmann-Stiftung. Sollten Sie vielleicht in die Politik einsteigen wollen – oder was man heute so nennt –, werden Sie in Krickenbeck bestimmt reizende Menschen finden, die Ihnen helfen können. Melden Sie sich nur rasch in Gütersloh an.
Karla Koriander


Kein Seitenwechsel
Im März dieses Jahres gab es kurzzeitig Aufregung: Der Bundesrechnungshof hatte moniert, daß zahlreiche »Leihbeamte« in den Bundesministerien tätig sind, »externe Experten«, die von Konzernen oder Wirtschaftsverbänden und zumeist in deren Sold in Behörden abgeordnet werden, um dort beim Entwerfen von Gesetzen und Verordnungen mitzuwirken. Etwa so: BASF stellt einen Fachmann zur Verfügung, der im zuständigen Ministerium bei der Formulierung von chemiewirtschaftlichen Richtlinien behilflich ist. Die Annahme liegt nahe, daß seine Ratschläge nicht nur dem Ministerium nützen, sondern auch den Profitinteressen seines Unternehmens jedenfalls nicht schaden. Der Bundesrechnungshof warnte: Auf diese Weise würden »Neutralität, Glaubwürdigkeit und Transparenz« des ministeriellen Handelns gefährdet. Lobby-Control und Campact vertieften diese Kritik, und einige Bundestagsabgeordnete zeigten sich verblüfft; »vordemokratische Zustände« nannte SPD-MdB Karl Lauterbach diese Praktiken, beeindruckt auch von dem Buch »Der gekaufte Staat« von Sascha Adamek und Kim Otto (Verlag Kiepenheuer & Witsch).

Aber nun kommt alles in die gewohnte Ordnung: Die Bundesregierung, federführend das Bundesinnenministerium, hat dem Haushaltsausschuß des Bundestages einen Entwurf vorgelegt, wie mit »Leihbeamten« verfahren werden soll: Sie werden nicht etwa abgeschafft, aber sie sollen zeitlich begrenzt eingesetzt werden und für die Entwürfe von Gesetzen und Verordnungen nicht »verantwortlich« sein – eine Regelung, die gewiß auch im Sinne der entsendenden Konzerne oder Verbände ist.

Das »Leihbeamten«-Programm wurde von der Schröder-Regierung eingeführt, und zwar unter dem Begriff »Seitenwechsel«. Der Behördenmensch, der auf diesen Namen kam, dürfte ein Zyniker sein. Wie sollten denn Wirtschaftslobbyisten die Seite wechseln? Und die Minister, Staatssekretäre et cetera mußten und müssen auch nicht die Seite wechseln, sie bekamen und bekommen lediglich sachkundigen Beistand, damit sie wissen, was auf der Seite, die ihnen vertraut ist, erwartet wird.
Arno Klönne


Empörung allerseits
Die Bild-Zeitung war empört. Fakt, die auflagenstärkste polnische Zeitung, hatte dazu aufgerufen, bei der Fußball-Europameisterschaft die »Schlacht von Grunwald« (in deutschen Geschichtsbüchern die »Schlacht von Tannenberg«) zu wiederholen, die im Jahre 1410 mit einem polnischen Sieg geendet hatte. Empört zeigte sich in Bild auch der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Danckert: »Ich hoffe, daß die polnische Regierung angemessen darauf reagiert.« Und die Beauftragte der Bundesregierung für deutsch-polnische Beziehungen, Gesine Schwan, verkündete in Bild: »Fußball ohne Stil und Respekt – das geht gar nicht.« Eifrig informierte Bild seine Leser über die »Giftpfeile« der »durchballernden« Polen und ließ nur unerwähnt, daß Fakt wie Bild dem deutschen Springer-Konzern gehört. Nachdem sich das aber herumgesprochen hatte, ließ sich der stellvertretende Bild-Chefredakteur Alfred Draxler in Spiegel Online so vernehmen: Fakt sei eine »journalistisch völlig unabhängige Zeitung, wie Bild auch«; im Springer-Konzern gebe es einen »gesunden Binnenpluralismus«.

So ähnlich wie im Ersten Weltkrieg im Krupp-Konzern: Der belieferte gern sowohl das deutsche wie das französische Militär mit Waffen, damit die beiden Völker einander ganz patriotisch bekriegen konnten.
Rita Rosmarin


Heinrich Bölls Wunsch erfüllt

»Ich denke mir, daß eines Tages, vielleicht schon bald, Historiker sich daran begeben werden, alles, was vor und nach dem 2. Juni 1967 bis auf den heutigen Tag geschehen ist, chronologisch zu ordnen – nicht nur generationspsychologisch, auch politisch und geistesgeschichtlich zu interpretieren.« Diesen Wunsch äußerte Heinrich Böll anläßlich der Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille an Heinrich Albertz, den einstigen Westberliner Bürgermeister, der die politische Verantwortung für das Verhalten der Polizei übernommen hatte und zurückgetreten war.

Uwe Soukup, 1956 geboren, hat sich als Journalist und Verleger an diese Arbeit gemacht: Er hat recherchiert, analysiert, politisch und geistesgeschichtlich interpretiert, und er hat nachgewiesen, daß seit jenem 2. Juni in der Berliner Politik nichts so geblieben ist, wie es war.

Soukup hatte in dem von ihm gegründeten »Verlag 1900« vergessene Bücher von Sebastian Haffner wieder herausgebracht: »Der Verrat«, »Germany: Jekyll & Hyde« und »Zwischen den Kriegen« Später schrieb er auch eine Haffner-Biographie, die im Aufbau-Verlag erschien. Haffner war es, der ihn anregte, der Frage nachzugehen: Wie starb Benno Ohnesorg? Mit geradezu kriminalistischen Ermittlungen bewies Soukup, was Haffner in einem damals als skandalös empfundenen Kommentar im stern unter dem Titel »Die Nacht der langen Knüppel« über den Tod von Benno Ohnesorg geschrieben hatte: »Es war ein systematischer, kaltblütig geplanter Progrom, begangen von der Berliner Polizei an Berliner Studenten.« Soukup rekonstruierte minutiös den Ablauf jenes Tages, wertete die Protokolle des parlamentarischen Untersuchungsausschusses und die der studentischen Untersuchungsausschüsse aus, verglich sie und fand Belege für Haffners These.

Eindrucksvoll beschreibt er, wie aufgrund der Falschmeldung, ein Polizist sei von einem Demonstranten erstochen worden, das Verhalten der Polizisten eskalierte. Die Nachricht wurde per Lautsprecher bekanntgegeben, und genau darin sieht Soukup den Schlüssel zum Verständnis des radikalisierten Polizeieinsatzes: Die Polizei sei von diesem Moment an ungewöhnlich brutal geworden und habe blind in die Menge der Demonstranten geschlagen. Soukup spricht von einer gewollten Eskalation der Einsatzleitung.

Faszinierend ist auch das seltene Fotomaterial, mit dem der Autor zeigen kann, wie Polizisten auf Benno Ohnesorg einprügelten, bevor die tödlichen Schüsse fielen. Der Sterbende wurde quer durch Berlin gefahren, bis er endlich ins Krankenhaus Moabit kam. Unaufgeklärt bleibt für Soukup, weshalb (offenbar nach Eintreten des Todes) noch ein Knochenstück aus dem Schädel heraus operiert und die Wunde anschließend vernäht wurde.

Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras wurde von drei Gerichten freigesprochen, weil er aus Notwehr geschossen habe. So die Begründung der Gerichte. Auf allen Fotodokumenten ist eindeutig zu erkennen, daß Kurras inmitten von Polizisten, die sich am Tatort aufhielten, geschossen hat. Keiner der Anwesenden konnte Kurras’ Notwehr-Behauptung bestätigen. Dennoch durfte er bei der Berliner Polizei weiterarbeiten.

Dieses Buch ist auch eine Geschichte der Berliner Studentenbewegung, die so noch nicht geschrieben wurde. Und es dokumentiert die damalige Skandalgeschichte der Berliner SPD in ihrer Auseinandersetzung mit Willy Brandt und Heinrich Albertz. Ich habe dieses Buch als einer gelesen, der die Ereignisse des Auftaktes der 68er Bewegung als Ostberliner Universitätsassistent wahrgenommen hat. Bisher habe ich noch keine so gute Information und anschauliche Darstellung der politisch-historischen Zusammenhänge gefunden. Neben der gründlichen Recherche ist es auch der literarisch glänzende Stil, der das Buch lesenswert macht.
Heinrich Fink

Uwe Soukup »Wie starb Benno Ohnesorg? – Der 2. Juni 1967«, Verlag 1900 Berlin, 272 Seiten, 19.90 €


Peter Rühmkorf
Über die Schwierigkeit der Redaktionen, Nachrufe zu schreiben, wußte er: »aber statt Lebendiges zu lieben – (werden Nekrologe geschrieben).« Peter Rühmkorf schrieb ein ganzes Buch als Selbst-Nekrolog, »Paradiesvogelschiß«, erschienen bei Rowohlt, sehr intim, am besten die kleinen, unprätentiösen Verse, wie ein Klacks eingesetzt. Er beschwor den Tod: »Fort – fort, / dies kann die Welt noch nicht gewesen / und bumms zu Ende sein. / All diese Bücher wolln ja noch gelesen / und diese Hosen aufgetragen sein.« Er starb am 8. Juni mit 78 Jahren. »Die Augen ganz von innen aufgeschlagen, / die Seele (selbst), die sich eröffnen will.« Was hat er vor, im Himmel? »Dort erst mal auszumisten.«
Monika Köhler


Walter Kaufmanns Lektüre
Allein der Gäste wegen, die Wolfgang Schreyer im Laufe von fünfzig Jahren unter seinem Ahrenshooper Dach begrüßen konnte und die er in diesem Buch anschaulich vorstellt, wird es viele Leser finden, aber auch weil Neues über den Autor zu erfahren ist, dessen Autobiographie etliche Jahre zurückliegt. Wieder wird ihnen ein sympathischer, empfindsamer, toleranter Chronist begegnen, der sich beim Vorstellen anderer zurückzunehmen weiß, ohne seinen Standpunkt zu verleugnen. Stilistisch, wie könnte es anders sein, folgt »Ahrenshooper Begegnungen« dem autobiographischen »Zweiten Mann«, es liest sich ebenso flüssig von der frühen Begegnung mit Brigitte Reimann an bis hin zu der mit dem Kölner Schriftsteller Dieter Wellershoff. Ich kannte Reiner Kunze nicht persönlich, durch Wolfgang Schreyer wird er mir nahegebracht, das gilt auch für Erich Loest und Peter Bender, den Autor von »Weltmacht Amerika – das Neue Rom«. Ralph Giordanos Lebensleistung erkennt er weiterhin unvermindert an, selbst nachdem er sich mit ihm wegen dessen Zustimmung zum Irak-Krieg entzweit hat. Durch die Gegenüberstellung von Wolfgang Schreyer und Peter O. Chotjewitz bekommt der Leser einen Einblick in die Haltung zweier Schriftsteller zu ihrem Beruf: Während der eine freimütig bekennt, »fesselnd schreiben zu wollen, um gemocht zu werden und etwas von der Wirkung zu spüren«, behauptet der andere, stoisch in sich ruhend, daß es ihm nicht darum gehe, »Geld zu verdienen oder berühmt zu werden«. Was Schreyer veranlaßt, auf Anna Seghers’ Worte über bedeutsame Wahrheiten plus Faszination hinzuweisen und so die eigene Haltung noch einmal zu unterstreichen.

Beeindruckend Schreyers Einsatzwille nach der Wende und sein Entschluß, ein Buch zu den Hintergründen der Attentate des 11. September im Selbstverlag herauszugeben, wodurch er schließlich den Berliner Eulenspiegel Verlag dazu ermutigt, es zu übernehmen – mit dem Resultat, daß sich das Buch durchsetzt und zum Bestseller wird. Wie viele Ostautoren, muß man sich fragen, hätten ähnliches gewagt, und wie viele von ihnen blieben nicht zuletzt auch deswegen auf der Strecke, weil ihnen Beherzigungen wie »Wer zögert, hat verloren« allzu fremd waren und ihnen gegen den Strich gingen. Auch Wolfgang Schreyer wird im Leben oft genug gezögert haben – im entscheidenden Augenblick jedoch nicht. Was auch die unverstellte Darstellung seiner zwei Ehen beweist, die so nur aus einer gewissen Alterssouveränität gelingen konnte.
W. K.

Wolfgang Schreyer: »Ahrenshooper Begegnungen – Ein Haus am Meer und seine Gäste«, BS-Verlag, 189 Seiten, 9.90 €


»Überleberin« vor »Überlebnis«
Sicher ist es Zufall, daß gleich nach Erscheinen der »Überleberin« von Hanna Behrend, dieses schwergewichtigen Buches, das im Jüdischen Kulturverein Berlin vorgestellt wurde, das weitaus weniger gewichtige, doch intensiv erzählte Buch über das Sterben des Suhrkamp-Verlegers Unseld von Ulla Berkéwitz unter dem Titel »Überlebnis« erschienen ist. Eigensinnige Wortschöpfungen. Die fast 86jähige Hanna Behrend beschreibt ein langes jüdisches Leben, Todesgefährdung, rechtzeitige Flucht aus Deutschland, schwere Mühseligkeiten der Existenz; Ulla Berkéwitz spricht vom Überlebenswillen im langen Sterben.

Behrends Buch hat fünf Kapitel und einen »Epilog«, der am Anfang steht. Sie schildert ihre Wiener Jugendjahre und – hochinteressant – das englische Exil. Die Kapitel 2 bis 4 handeln von den frühen und späteren Versuchen eines Sozialismus, eines neuen Entwurfs für Deutschland, beschränkt auf dessen kleineren Teil. Ein gutes Bekenntnis mit Berücksichtigung der vielen ungünstigen Konstellationen (sprich Kalter Krieg) und herber Kritik an handgemachten Fehlern. Kapitel 5 unter dem Titel »Die Suche nach der verlorenen Zukunft« reicht über die 89er Wendung und den »Anschluß« (sehr richtige Bezeichnung für die sogenannte Vereinigung) und erzählt von Auslandsreisen und feministischen Konzepten und Modellen.

Die Autorin benennt ihre Grundsätze des autobiographischen Schreibens: Authentizität und Ganzheitlichkeit. Daran ist viel Lobenswertes, auch Problematisches. Es ist Hanna Behrend gelungen, außerordentlich viele Dokumente von Quellenwert zu retten: Briefe aus dem Exil, Tagebücher über lange Jahrzehnte, ja Taschenkalender seit 1938. Das gelang weder meinen Eltern noch mir selbst – alle Achtung! Doch diese Überfülle des Materials führt zu Längen und teilweise schwerer Lesbarkeit. Authentizität ist wichtig, doch man muß nicht alle Quellen auch veröffentlichen, sondern sammeln, auswerten, deuten, zusammenfassend vortragen oder beschreiben. Quellen gehören ins Archiv!
Noch ein paar Sätze zur beschworenen »Ganzheitlichkeit«. Sicher sind Familiäres und überaus Persönliches bis zu Liebesbeziehungen verschiedener Art, Studien, Arbeitsprojekte, Reisen neben den großen historisch-politischen Begebnissen und Entscheidungen von Belang. So entstehen Persönlichkeitsbilder. Aber wozu so viele private Einzelheiten? Müssen jeder Lieblingshund und jede Katze solchen Platz einnehmen?

Schreiben heißt auswählen, komprimieren, wenn es Literatur werden will; das gilt auch für dokumentarische Literatur, besonders, wenn sie wirken soll. Und das soll sie.

Im Ganzen: ein wichtiges Buch gegen das Vergessen, ein Buch, das gebraucht wird.
Jochanan Trilse-Finkelstein

Hanna Behrend: »Die Überleberin – Jahrzehnte in Atlantis«, Guthmann-Peterson Verlag, 850 Seiten, 29.80 €


Letztes Jahr
Unser Freund K., den ich in einer Tagungspause mit einem Kollegen bekannt mache, wobei ich sein hohes Alter erwähne, das man ihm kaum anmerkt, sagt: »Dies ist mein letztes Jahr.« Ich sehe ihn erschrocken und besorgt an. Aber nein, kein Arzt habe ihm diese Prognose gestellt, erklärt er, sondern seinem eigenen Verstand, der ihn bisher nicht verlassen habe, verdanke er die Einsicht, daß er lange genug gelebt habe, länger wolle er nicht mehr.

Aber, wende ich ein, ebenso wie ich freuten sich doch auch seine anderen Freunde immer, auch auf dieser Tagung, ihn wiederzusehen und mit ihm zu reden, nicht nur über alte Zeiten. K. drückt mir die Hand und kündigt an, im Herbst werde ein Fest gefeiert; er bereite schon die Rede vor, die er dort halten werde.

Der Kollege hat sich diskret entfernt.

Einen Moment lang meldet sich bei mir die Frage, wie K. sein Leben beenden will. Ich stelle sie ihm nicht. Wenn er es bekanntgäbe, würden andere wahrscheinlich versuchen, ihn zu hindern. Ich spüre, wie zufrieden er mit seinem Entschluß ist. Ich habe ihn gern, und darum wünsche ich ihm, daß ihm alles glückt, was er sich vorgenommen hat. Aber mir wird unwohl bei dem Gedanken, sein Beispiel könnte Schule machen. Der Tod könnte zum Verführer werden.

Sollte ich über diese Begegnung besser schweigen?

Auch W., Überlebender der Shoa, ist zu der Tagung gekommen. Geschickt steuert er den elektrischen Rollstuhl, auf den er neuerdings angewiesen ist. Die Krankheit und die Medikamente haben ihn entstellt. Aber ihn freut das Zusammensein, auch wenn manche einen Bogen um ihn machen. Jeder Morgen freut ihn, an dem es für ihn noch einmal hell wird. Er hängt am Leben. Aber ob er sich der neuen Therapie unterziehen wird, die ihm die Ärzte jetzt empfohlen haben, hat er noch nicht entschieden. Nächste Woche fährt er erst einmal mit seiner Frau in Urlaub.
Eckart Spoo


Sie lassen lachen
So beginnt das Buch: »Bevor er seinen Slip auszog, löschte er das Licht.« Ist der Satz kein guter Grund, sofort von dem Buch zu lassen? Das Buch endet: »Dann begann er den Boden zu scheuern.« Wieso ist der erste Satz nicht genug Warnung gewesen? Stunden hätte man sich sparen können. Dann aber nicht gewußt, was »eine passive Romanze« ist. Die hat der Pole Bartosz Zurawiecki mit »Drei Herren im Bett, die Katze nicht zu vergessen« geschrieben. Offenbar ein Mann mit Sinn fürs Satirische!

Der Titel hat was von Kintopp. Nicht nur der Titel. Die geschilderten Szenen des polnischen Kleinstadt-Schwulen-Milieus sind filmgemäß. Szenen, die dem Autor wichtiger sind als eine fesselnde Geschichte. Was für eine Geschichte kann sich schon zwischen Slipausziehen und Bodenscheuern entwickeln? Zurawiecki gibt sich damit zufrieden, der Biederkeit und Banalität keine höhere Bedeutung beizumessen. Damit ist er weit zurückhaltender als sein Kollege Michal Witkowski, der mit dem Roman »Lubiewo« der Außergewöhnlichkeit des Gewöhnlichen sinnbildhafte Bedeutung verlieh. Literatur! Die verschämten, verdrucksten, schwülstigen Schwulenschriften vergangener Zeiten sind passé. Realitätssinn, Authentisches hat sich durchgesetzt und gestalterische wie sprachliche Qualität. Obwohl als »eine passive Romanze« ausgewiesen, an der die drei Herren Pawel, Michal und Adam, der liebenswerte, verläßliche Dritte im Bett, beteiligt sind, ist »Drei Herren im Bett, die Katze nicht zu vergessen« eher ein trauriges, tristes Abbild gegenwärtiger polnischer Verhältnisse. Adam der Nette und Ehrgeizlose, das Opfer der rigiden Realität, erlebt seine schnelle, soziale Demontage. Das Drama ist nicht die Demontage. Das Drama ist, daß Adam die Degradierung klaglos hinnimmt. Wehrlos entwürdigt. Zurawiecki ist das Schicksal des Adam kein Anlaß, für eine harsche, polemische Anklage. Ohne das Beklagenswerte auszuklammern, haben die Schilderungen von Leidenschaft und Lust jene schöne Leichtigkeit, die Leser gern goutieren. Die Dialoge des Buches sind Sauerstoff fürs Gehirn. Sie lassen lachen. Selbst dann, wenn nichts lachhaft ist.
B. H.

Bartosz Zurawiecki: »Drei Herren im Bett, die Katze nicht zu vergessen. Eine passive Romanze«, Deutsch von Barbara Samborska, Deutscher Taschenbuch Verlag, 160 Seiten, 13.90 €


Junger Autor aus der Ukraine
Was für ein schönes, unschuldiges, fast möchte man sagen unbedarftes Gesicht! Das Gesicht des 1984 geborenen Ukrainers Ljubko Deresch. Und dann diese Buch »Intent! oder Die Spiegel des Todes«. Das will so gar nicht zueinander passen. Mal abgesehen von dem allzu prätentiösen Titel. Der paßt zu dem milchgesichtigen Jungspund!

»Intent! oder Die Spiegel des Todes« ist bereits das dritte Buch des Erzählers bei Suhrkamp. Das bisher bedeutendste. Die Welt des Romans ist die eines Schülers, der seine sterbende Großmutter pflegt und der als Kellner jobbt. Eine Welt, die Jugendlichen bekannt genug ist und für die der Autor das globale Jugendvokabular hat. Diese alltägliche, simple Welt, die so lax-schnoddrig, doch gekonnt geschildert wird, ist nur die eine, in der der zwanzigjährige Petro, der Ich-Erzähler des Romans, existiert. Ein phänomenales Gedächtnis öffnet ihm Möglichkeiten der unmöglichen Art. Mit der Gewißheit »Ich weiß nicht, wer ich bin«, nimmt er wahr, wer er sein könnte. Und was noch nicht geschehen ist.

Dem schlaksigen Jugend-Stil des Schreibers folgt unmittelbar – und manchmal fließend ineinander übergehend – die Prosa eines philosophierenden Pamphletisten, der seine Idee von der möglichen, erweiterten, entgrenzten Welt verficht. Dichte Dialoge werden abgelöst – oder korrespondieren – mit witzreichen erzählerischen Episoden. Die Leser müssen sich ständig um- und einstellen. Auf immer neue Stichworte, die auftauchen wie per Klick im Computer. Sprunghaftigkeit ist die Disziplin des Romans. Offensichtlich hat der Denker Deresch Spaß daran, seine Welt-An-Schauungs-Modelle am Computer durchzuspielen, um sie dann in der massiven Form des Buches vorzusetzen. Daran hat man zu kauen. Langsam kauen fördert das Vergnügen und Verdauen. Den Milchgesichtern mehr zutrauen heißt, sich mehr zuzumuten!
Bernd Heimberger

Ljubko Deresch: »Intent! oder Die Spiegel des Todes«, aus dem Ukrainischen übersetzt von Maria Weissenböck, Suhrkamp Verlag, 320 Seiten, 12 €


Die Weltbühne – ein Lesebuch
»Die Weltbühne ist kein akademisches Organ, kein weltfremdes Poesiealbum, sie hat keine Schlafmütze auf dem Kopf und kein Jäckchen aus Gesundheitswolle am Leib.« Was, bitteschön, bringt einen gescheiten Publizisten wie Heribert Prantl dazu, solche Dementis – eins überflüssiger als das andere – zu Papier zu bringen? Es ist die vermeintliche Notwendigkeit, Sozialdemokraten wie den Historiker Heinrich August Winkler zu beschwichtigen, die immer noch beleidigt sind, weil Kurt Tucholsky der Weimarer SPD einige Wahrheiten entgegengehalten hat. Wenn die Beleidigten – deren Parteiführung immer recht gehabt haben muß, auch und gerade bei der Bekämpfung der Linken (s. Noske) – schimpfen, Tucholsky und seine Freunde hätten einen Kampf »gegen die parlamentarische Demokratie« geführt (Winkler), schlimmer noch: ein »Zerstörungswerk an der Republik« begangen (Kurt Sontheimer), dann sollte man so kühl wie möglich klarstellen, wie schamlos sich dieser Traditionsverband gegenüber denjenigen verhält, die frühzeitig die Entwicklung der Weimarer Republik und die aufkommenden Gefahren erkannten und darstellten und die ersten Opfer wurden.

Hat es Jacobsohns, Tucholsky, Ossietzkys Weltbühne im Jahre 2008 immer noch nötig, verteidigt zu werden? Prantl erkennt, nachdem er sich leider schon allzu betulich aufs Verteidigen eingelassen hat: »Im Übrigen verteidigt sich die Weltbühne selbst.« Das ist wahr, und gerade deswegen ist es erfreulich und dankenswert, daß Friedhelm Greis und Stefanie Oswalt eine Auswahl von Texten der Jahre 1905 bis 1933 mit kurzen Kommentaren, Biographien der Autoren und bibliographischen Hinweisen vorgelegt haben, zu der Prantl dieses Vorwort geschrieben hat. Die Rudolf-Augstein-Stiftung hat das Werk gefördert; die beiden Herausgeber bedanken sich besonders bei Jakob Augstein (dem neuen Freitag-Verleger).

Und wie ist die Auswahl gelungen?

Greis und Oswalt haben sich auf »Politik, Wirtschaft und Gesellschaft« konzentriert und in neun Kapiteln wie »Wirtschaft zwischen Kapitalismus und Sozialismus« oder »Judenheit, Zionismus, Antisemitismus« jeweils rund 20 Texte in zeitlicher Reihenfolge zusammengestellt. So erklärt es sich, daß einige wichtige Autoren wie Rudolf Arnheim oder Theodor Lessing, die sich mehr mit Literatur und Kunst beschäftigten, nicht vorkommen. Nicht erklärlich ist mir, daß sich auch für die fleißige Milly Zirker kein Plätzchen gefunden hat und nicht mal ihr Name fällt. Und dringend hätte ich Ossietzkys Texte über »Monopolkapitalismus« und »Ein runder Tisch wartet« empfohlen; gerade von CvO sind nicht die klarsichtigsten Beiträge aufgenommen worden – so als hätte bewiesen werden müssen, daß auch er mal schwächere Momente hatte.

Gleichwohl: Dies ist ein sehr gutes, durchdachtes, kluges, nützliches, informatives und dabei auch unterhaltsames Buch, in dem sich so scharfsinnige Beiträge finden wie Ernst Tollers »Reichskanzler Hitler« vom Oktober 1930 oder Hellmut von Gerlachs »Hitlers sehr lange Nacht« vom Oktober 1932. Und die Aktualität mancher Artikel wie Gerlachs »Raubstaat Liechtenstein« vom Februar 1933 kann heutige Leser schmunzeln oder frieren machen.

Nachdem dieses Werk gelungen ist, möchte ich die Herausgeber, die sich beide schon seit Jahren mit dem Gegenstand befassen (wovon zum Beispiel Stefanie Oswalts Jacobsohn-Biographie zeugt) zu neuen Werken ermutigen. Wünschenswert erscheint mir unter anderem eine vergleichende Darstellung der Weltbühne und anderer Blätter jener Zeit, weil dann erst ihr besonderer Wert zu ermessen wäre. Und es fehlt eine Präsentation der im Exil erschienenen Neuen Weltbühne. An den zahlreich von den Nazis vertriebenen Autoren ist noch vieles gut zu machen – kein »Bund der Vertriebenen« nimmt uns das ab –, und wir haben noch viel von ihnen zu lernen.
Eckart Spoo

Friedhelm Greis und Stefanie Oswalt (Hg.): »Aus Teutschland Deutschland machen«, Ein politisches Lesebuch zur Weltbühne, Lukas Verlag, 540 Seiten, 29.80 €


Preis-Verwirrung
Das Buch als dringliche Metapher ist allgegenwärtig im Werk des Malers und Objektkünstlers Anselm Kiefer. Nicht selten sind Schriftzüge, auch Dichterzitate in seine Kompositionen eingebunden. Als Schriftsteller aber ist er nie hervorgetreten. Trotzdem erhält er jetzt einen der begehrtesten Literaturpreise: den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Denn er hat, so befand der Stiftungsrat, eine Bildsprache entwickelt, die »den Betrachter zum Leser macht«.

Eine Kühnheit? Nein, ein Offenbarungseid. Wenn das Beispiel Schule macht, geht der hochdotierte Siemens-Musikpreis demnächst an einen Lyriker, der mit dem Rhythmus und den Klangvaleurs der Wörter zu spielen versteht. Dichterische Texte können viel »Musik« enthalten und sind doch niemals wirklich Musik; ihr Zauber liegt ja gerade darin, daß ihre musikalische Wirkung mit nichtmusikalischen Mitteln erzielt wird, also keine musikalische Leistung ist. Und das Entschlüsseln der inhaltlichen Botschaft eines Bildes, das Verstehen seiner symbolischen Bezüge hat mit dem Lesen eines Buches nicht mehr gemein als der »Strom« aus der Steckdose mit dem Rhein: Von »Lesen« wie von »Bildsprache« kann nur metaphorisch die Rede sein.

Und der Frieden? Kiefer konfrontiert, so befindet der Stiftungsrat, mit der »moralischen Botschaft vom Ruinösen und Vergänglichen«. Geht vom »Ruinösen« eine Botschaft aus, oder ist das »Ruinöse« Inhalt der Botschaft? Und was daran ist moralisch? Das hört sich an, als hätten die guten Leute in einer Art »Stiller Post« von Ohr zu Ohr sich etwas zugeraunt und das zufällige Endergebnis als Begründung genommen. Und auf dieser Schwundstufe der Artikulationsfähigkeit äußert sich ein Gremium, das eine der höchsten literarischen Auszeichnungen zu vergeben hat.

Gab es keine preiswürdigen Autoren? Ich könnte einige nennen. Vor kurzem ist der Psychoanalytiker, Schriftsteller und Friedensforscher Horst-Eberhard Richter 85 geworden. In vielen glänzend geschriebenen Büchern (zuletzt 2006 »Die Krise der Männlichkeit«) hat er, tiefenpsychologische Sondierung mit kulturgeschichtlicher Analyse und ethischer Reflexion verbindend, die psychischen Voraussetzungen der Friedensfähigkeit ergründet. Und zugleich hat er – nicht bloß schreibend – unermüdlich an der Entmilitarisierung des Bewußtseins und dem Abbau von Feindbildprojektionen gearbeitet. Der Friedenspreis könnte eigens für diesen Mann geschaffen scheinen; erhalten hat Richter ihn nie.

Vielleicht aber haben wir uns schon wieder zu gründlich daran gewöhnt, internationale Verantwortung mit Kriegsbereitschaft zu verwechseln, um echte Friedensarbeit noch würdigen zu können.
Hans Krieger


Press-Kohl
Ein »Überfall auf Juwelier mit Bombenattrappe« soll sich laut Berliner Zeitung so zugetragen haben:

»Ein rund 25-jähriger Mann hatte am Nachmittag in der Pankower Garibaldistraße einen Juwelier betreten und so getan, als trage er eine Waffe unter der Jacke.« Dann ließ er (wie ich vermute) den betretenen Juwelier auf dem Fußboden oder auf dem Teppich liegen, »nahm Schmuck an sich und stellte eine Tüte ab, in der sich eine Bombe befinde, wie er behauptete. Nachdem er verschwunden war« – ohne die Tüte, die er stehen ließ –, »wurde die Polizei alarmiert«, die auch tatsächlich kam »Ein Beamter machte mit einem Wassergewehr die vermeintliche Bombe – eine Attrappe, wie sich herausstellte – unschädlich.« Freund Joachim, der mir die Räuberpistole ausschnitt, fragt sich, wie der Beamte eine Attrappe unschädlich machen konnte.

Natürlich mit einem Wassergewehr.
Felix Mantel