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Titel1211

Antworten
Gerhard Schröder, Altsozialist. – Ob Sie in der Politik noch zwischen links und rechts unterscheiden möchten, wollte die christlich-weltliche Beilage der Zeit von Ihnen wissen. Sie gaben eine indirekte Antwort: »Als jemand, der mal Vorsitzender der Jungsozialisten war, würde ich sagen: Als Bundeskanzler habe ich mitgeholfen, jene Revolution zu verhindern, die ich seinerzeit geplant habe.« Ein kleiner Scherz, allerdings auf Kosten der vielen naiven Jusos, die damals nicht auf die Revolution, aber doch auf die von Ihnen ausgerufenen »system-transzendierenden Reformen« hofften, auf linke, nicht auf rechte.

Katrin Göring-Eckardt, politisch fromm. Als grüne Bundestagsvizepräsidentin haben Sie den Dresdner Evangelischen Kirchentag präsidial ins Volksparteiliche geführt, »fromm« sollte er sein und »zugleich politisch«, dieses so: »Wir wolle keine Von-Oben-Politik, sondern die Dafür-Republik.« Für den Frieden in Afghanistan und für den Einsatz der Bundeswehr dort, das eine fromm und das andere politisch.

Tom Koenigs, in bester Gesellschaft. – Beim Kirchentag haben auch Sie mitgewirkt, als grüner Menschenrechtsexperte und ehemaliger UN-Sonderbotschafter für Afghanistan. Wie die FAZ berichtete, erhielten Sie viel Applaus für Ihr Bekenntnis, Sie möchten »lieber für eine mißglückte Hilfeleistung kritisiert werden als für eine unterlassene«. Zur Debatte stand, ob die NATO-»Mission« in Libyen das Richtige sei. Kämpferisch gesonnen waren Sie , wie wir uns erinnern, schon in Ihrer Jugend, als es um die Revolution in Frankfurt am Main ging. Dann aber eröffnete sich ein weltweiter Horizont: »Wir 68’er, die Blairs, die Schröders, die Clintons, wir haben noch nicht fertig«, erklärten Sie voriges Jahr der Süddeutschen Zeitung. Da ahnten die Menschen in Tripolis noch nicht, welche Hilfeleistung ihnen bevorstand.

Thomas de Maizière, lutherfest. –
Ob die Bundeswehr »Kanonenbootpolitik in neuer Form« betreiben dürfe, wurde beim Kirchentag gefragt. Ihre Antwort, ganz theologisch: »In unserer vorläufigen Welt ist es nötig, Mittel anzuwenden, die selbst noch Mittel dieser vorläufigen Welt sind.« Zwei Reiche also gibt es, wie Martin Luther schon dargelegt hat, und die Opfer der Kriege werden sich damit trösten müssen, daß sie eben in dieser Welt sterben, ganz vorläufig.