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Titel1212

19. Mai 2012, Frankfurt a. M.  (Carsten Schmitt)
Fünfundzwanzigtausend. Sie sind hierhergekommen, ein Buchstabe, der erste im Alphabet, reicht zu ihrer Kennzeichnung: Arbeiter, Attac, Arbeitslose, Abiturienten, Anrainer, Antifa. Und Argwöhnende, auch Angewiderte (ihre Plakate verraten es), angereist aus Worms oder Paderborn oder Stuttgart, BürgerInnen, die es auf die Straße drängt, auf diese Straße in Mainhattan, an diesem Tag, zu dieser Stunde, weil ihnen immer klarer bewußt wird: So kann es nicht weitergehen. Mit dem Wirtschaftssystem, mit dem Finanzsystem, mit dem Demokratieabbau, mit der fortgesetzten Sozialdemontage.

Ein Fremdwort, das schnell Karriere gemacht hat, ist auf der Abschlußdemonstration von »Blockupy Frankfurt« überall zu lesen: Austerität. Und alle verstehen: Europa wird mit tödlicher Logik in den Ruin »gespart«, in dem einen Land früher, im anderen später. »Schuldenbremse«, »Fiskalpakt« sind die verschleiernden Begriffe für den systematisch betriebenen Sozialklau zugunsten der Herren des großen Geldes; die Folge ist immer: Armut der Vielen.

Ja, und wer den Blick jetzt wegwendet vom Übertragungswagen, vom Schilderwald, von dem bunten Fahnenmeer, den überall hindrapierten »weißen Rosen aus Athen« wird gewahr: Ein größerer Kontrast als der zu den Glaspalästen der Großbanken ist kaum vorstellbar.

Es gibt viele Kontraste, etwa den akustischen: Im Vordergrund ein Stimmengewirr, Lachen, fast gleichklingend wie das A-Anti-Anticapitalista, skandiert von einer der Anarchogruppen, übergehend in Musik (hochauthentisch vorgetragen von einer Pseudo-Nana Mouskouri, die sich heute als antikapitalistische Kämpferin outet) – und im Hintergrund die stählernen Werkstätten des lautlos agierenden Großkapitals, apersönlich, unkreativ, unmenschlich. So unfaßbar wie die anrückenden, hochgerüsteten Polizeikohorten.

Welcher Gegensatz zu den Versammelten, die sich immer näher kommen und in wenigen Minuten in Bewegung setzen. Fünfundzwanzigtausend.