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Titel122013

Bravo, Kriegsminister (1. Fortsetzung)  (Otto Köhler)

»Wir werden die weitere Entwicklung von Thomas de Maizière im Auge behalten«, schrieb ich an dieser Stelle vor drei Monaten (s. Ossietzky 6/13). Ich sprach ihm Mut zu: »Weiter so! Vielleicht erleben wir noch die Menschwerdung eines Kriegsministers.«

Ich habe recht behalten. Damals lobte ich ihn, weil er seinen Soldatinnen und Soldaten den Kopf wusch, als sie uns alle um Lob für ihr unnützes und – auch für uns – gefährliches Tun anbettelten. Sie seien »geradezu süchtig«, so schimpfte er sie aus, im »Wunsch nach Wertschätzung«.

Das fand meinen Beifall. Doch dann zweifelte ich an dem Minister wegen seiner Liebe zu den Drohnen. Diese Mordinstrumente, so predigte er, seien ethisch neutral. Er hat es also künftig nicht mehr nötig – so muß seine Überlegung gewesen sein – Massakeroberste zu Generalen und Personalmanagern im Verteidigungsministerium zu machen. Er könnte das Morden den Drohnen überlassen. Mir gefiel das nicht: andere – es traf auch schon mal eine Hochzeitsgesellschaft – umbringen und sich dabei die Hände nicht blutig machen.

Doch ich habe de Maizières listige Vernunft unterschätzt, ja nicht einmal wahrgenommen. Als er die Drohne lobte, weil sie Gesundheit und Leben seiner Soldatinnen und Soldaten beim Liquidieren jeglichen Feindes schone, da wußte er schon: Das Ding funktioniert nicht. 680 Millionen Euro hat er (mit freundlicher Mitarbeit seiner allerdings ahnungslosen Vorgänger) in den Sand gesetzt – die fehlen jetzt seinen Soldatinnen und Soldaten. Und er zahlt weiter 3,3 Millionen Euro pro Monat, obwohl er mit seiner Drohne nicht einmal hierzulande Bundesbürger umbringen kann, weil sie gegen unser Luftverkehrsgesetz verstößt.

Das, in der Tat, ist die Bundeswehrreform, die er sofort bei Amtsantritt ankündigte. Der Minister hat umsichtig gehandelt, flankierende Maßnahmen nicht vergessen. Er ließ von unserer Rüstungsindustrie – die muß auch sehen, wo sie bleibt – den zweckmäßigen Nachschub liefern. Der Minister hat für seine Soldatinnen und Soldaten Gewehre beschafft, die für die Menschen auf jedem Platz dieser Welt von unschätzbarem Vorteil sind. Ein Prüfbericht konstatierte bei diesen Waffen zu hohen Verschleiß und ungenügende Treffsicherheit.

Das beste aber: Die Kanzlerin, der er nun bald – so oder so – nachfolgen wird, merkt nichts, sie läßt ihm ihr »volles Vertrauen« aussprechen. Er hat auch das »volle Vertrauen« der Unionsfraktion, erklärte deren Vorsitzender, der tumbe Volker Kauder.

Und mein übervolles Vertrauen hat Thomas de Maizière jetzt auch. Unser aller Hoffnungen ruhen auf ihm. Es muß ihm gelingen, seine Bundeswehr zugrunde zu richten. Bravo, Kriegsminister. Immer weiter so.

Fortsetzung folgt, hoffentlich.