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Titel172013

Die neue Sprachrevolution  (Winfried Wolk)

Aufgeklärte und phantasiebegabte Menschen bemühen sich derzeit darum, die Emanzipation der Frau ein Stück voranzubringen, indem männliche Wortformen abgeschafft und generell verweiblicht werden. Die Idee wurde mit einem profunden Beispiel unterfüttert. Die Vordenker dieses neuen Schrittes der Emanzipationsbewegung waren der Meinung, daß auf Grund des hohen Intelligenzstandes, den man irgendwie zwangsläufig mit einem akademischen Grad verbindet, dieser hervorragend geeignet wäre, die Veränderungen zu demonstrieren. Bei den Betroffenen wäre nicht nur Begeisterung und großes Einverständnis zu erwarten, sondern darüber hinaus auch eine massive Unterstützung. So wird ab jetzt der Professor nicht mehr der Professor heißen, weil alle weiblichen Titelträger damit diskriminiert sind. Die neue, emanzipatorisch korrekte Form, die alle diffamierenden Rück- und Trugschlüsse beseitigt, lautet: »der Professorin«. Es ist leicht zu sehen, eine große, intelligente Sprachreform ist auf dem Vormarsch. Zwar würde ich im Moment sofort an eine vollzogene Geschlechtsumwandlung denken, wenn ein männlicher Kollege mir erzählen würde: »Ich bin Professorin geworden«, aber das wäre nur eine kurzzeitige Verwirrung, bis sich die Sprachreform durchgesetzt hätte.

Ich meine, daß konsequenterweise der männliche Artikel »der« generell abgeschafft gehört, denn er bedeutet männliche Diskriminierung an sich. Vielleicht sollte man ihn durch das geschlechtsneutrale, im Pfälzischen bereits gebräuchliche »de« ersetzen. Dann würde es korrekt heißen: »de Sonne«, »de Mond«, »de Doktorin«, »de Professorin« und keine Verbaldiskriminierung würde mehr die fortschreitende Emanzipation der Frau behindern. Es bleibt also noch viel zu tun auf diesem Gebiet. Das Kardinalproblem sehe ich aber im leider nach wie vor bestehenden krassen anatomischen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Das ist im Sinne einer wirklichen Gleichberechtigung nicht mehr länger hinzunehmen. Diese diskriminierenden Geschlechtsunterschiede müssen abgeschafft werden, sozusagen operativ entfernt. Das wäre eine gründliche Maßnahme und eine klare Sache und würde uns dann tatsächlich weiteren Ärger ersparen.

Aber erst einmal müssen wir die radikale, emanzipatorisch korrekte Sprachreform angehen. Vielleicht wird es einige Zeit brauchen, bis sich auch einfache Menschen an die Sprachumstellung gewöhnt haben werden. Bei dem abgeschafften und längst vergessenen Begriff »Neger« hat es auch in relativ kurzer Zeit geklappt, die verbale Rassendiskriminierung wurde aus der Welt geschafft. Das Lied von den zehn kleinen Negerlein singt niemand mehr mit diesem diskriminierenden Text. Der ist nun wegen der korrekten Ansprache etwas länger geworden. Die Melodie dieses Liedes von den »zehn kleinen, stark pigmentierten, in afrikanischen Ländern wohnenden oder aus solchen Ländern im Zuge freiwilliger oder erzwungener Migration ausgewanderten, trotz Pigmentierung völlig gleichwertigen Menschen beiderlei Geschlechts« muß nun etwas gedehnt werden. Aber der Text ist jetzt absolut korrekt, und man könnte dieses Lied auch in Afrika singen, ohne daß da jemand Anstoß daran nehmen könnte. Und so werden wir mit der neuen Sprachregelung auch die Gleichberechtigung der Frau ein gewaltiges Stück nach vorn bringen.