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Titel1717

Bemerkungen

Luther und Marx

In der Befreiungsbewegung zur Überwindung des Kapitalismus stehen wir auf den Schultern von Karl Marx und Martin Luther, den Marx den »ersten deutschen Nationalökonomen« nannte. Die Reformbewegungen im Mittelalter, Luther und andere Reformatoren bis hin zur heutigen Ökumene und Papst Franziskus sagen aus theologischen und philosophischen Gründen Nein zum Geldfetischismus. Ulrich Duchrow schreibt dazu in micha.links Heft 2/2017: »Im Jahr des Gedenkens an 500 Jahre Reformation besteht vielleicht eine Chance, über die Wiederentdeckung des verdrängten Luther, der radikal und systematisch den Frühkapitalismus ablehnte, wieder einen Zugang zu der genannten durchgehenden kritischen Tradition zu gewinnen. Luther sah den Kapitalismus nicht allein als ethische Frage, sondern als die theologische Frage. In seinem Großen Katechismus bezeichnet er den Mammon als den ›allgemeinsten Abgott auf Erden‹. Darauf aufbauend erläutert er am 7. Gebot, ›Du sollst nicht stehlen‹, dass der Markt ein einziges Raubsystem geworden ist – und die Gesamtgesellschaft ein ›weiter Stall von großen Dieben‹. Er geht noch einen Schritt weiter und sagt, dass diese Diebe Mörder sind, weil sie Menschen die Nahrung rauben. […] Dabei nennt Luther die damaligen länderübergreifenden Bank- und Handelsgesellschaften wie die Fugger – die heutigen transnationalen Konzerne – die »Erzdiebe« und fordert die Obrigkeiten auf, diese Form von Wirtschaftsakteuren zu verbieten. Weil die politischen Institutionen aber bereits korrumpiert sind (›Sie haben Kopf und Teil dran‹), ruft er die Pfarrer auf, nicht nur hartnäckig dagegen zu predigen, dass aus Geld mehr Geld gemacht wird. Vielmehr sollen sie Kirchenzucht üben, Menschen, die notorisch Zinsen nehmen, von der Kommunion ausschließen und nicht beerdigen. Eine Kirche, die Zinsen nimmt, solle den Namen Kirche ablegen. Denn Kirche soll den weltlichen Ständen »ein gut Exempel geben«. Kurz: Luther lehnt den Frühkapitalismus als System ab.

 

Genau deshalb zitiert Karl Marx Martin Luther als ›ersten deutschen Nationalökonom‹ seitenlang und lobt ihn, dass er das Wesen des Kapitals im Unterschied zu Geld verstanden hat, dass nämlich der Schein erweckt wird, aus Geld könne mehr Geld entstehen, obwohl dies doch nur durch ausgebeutete Arbeit zustande kommt.« (Ulrich Duchrow: »Mit Luther, Marx und Papst Franziskus gegen Kapitalismus«).

 

Trotz Luthers Kritik an der frühkapitalistischen Geldwirtschaft, die mit der Münzers wohl übereinstimmt, ist Thomas Münzer für mich ein überzeugenderer Humanist. Ich lernte das vor über 40 Jahren von Dieter Forte in seinem Schauspiel »Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung«.     

   

Manfred Lotze

 

 

 

Sicht- und Schichtwechsel

Die Arbeitswelt war im Ruhrrevier vor vielen Jahren ein großes Literaturthema. Und heute? Das Erwerbsleben und die Arbeitsbedingungen haben sich verändert. Sie sind vielfältiger, aber auch diffiziler geworden. Schichtarbeit, Teilzeitarbeit, Mindestlohn, Scheinselbständigkeit, Lohn-Aufstockung, Frauenlohn sind aktuelle Stichworte. Und auch das Fehlen von Arbeit spielt eine nicht gerade unerhebliche Rolle. Aber all das ist nur in geringem Maße in der Gegenwartsliteratur anzutreffen. Eigentlich drängt sich die Frage, wie erwerbtätige Menschen ihren Arbeitsalltag erleben und davon geprägt werden, für eine literarische Bearbeitung auf. Deshalb ist es gut, dass sich nun der assoverlag, der eine lange sozialpolitische Tradition im Ruhrgebiet hat, dieser Thematik zuwendet.

 

Angestoßen wurde das Buchprojekt »Schichtwechsel« anlässlich der PEN-Tagung im April in Dortmund, und es fanden sich sofort Autoren bereit, Texte beizusteuern. Allen voran die PEN-Präsidentin Regula Venske mit einer wunderbar ironischen, geschickt gestalteten Studentengeschichte.

 

Die Autoren gehen die Thematik ganz unterschiedlich an. Hermann Schulz wirft einen anrührenden Rückblick auf die Nachkriegszeit im verrußten Ruhrrevier. Eine nur scheinbar naive Erzählung steuert Jan Decker über einen Verlags-Azubi bei, der sich auf seinem Berufsweg an einem erfahrenen Verlagshasen orientiert. Ganz im Hier und Heute ist der Text von Gerd Puls, in dem er die menschenverachtende globale Klamotten-Produktion nachvollzieht. Noch näher am Mitmenschen bewegt sich schließlich Heinrich Peuckmann mit seiner Erzählung, die den lakonisch klingenden Titel »Alles in Ordnung« trägt. Was wohl eher heißt, dass nichts in Ordnung ist bei der Kassiererin des Discounters. Der berufliche Stress wirbelt auch ihre Familie durcheinander.

 

Alfred Behrens bringt es in seiner eigenwilligen Art auf den Punkt, indem er auf die schwindende Wertschätzung des Menschen bei seiner Arbeit hinweist: »Wir brauchen einen neuen Gesellschafts-Vertrag, eine neue Gesellschafts-Ordnung für den Vergessenen Mann / für die Vergessene Frau.«

Ein Sicht- und Schichtwechsel ist angesagt. Den Herausgebern ist dazu eine vielschichtige, anregende Lektüre gelungen.                         

      

Volker W. Degener

 

»Schichtwechsel – Poetische Schlagwetter, Erzählungen über Arbeit«, hg. von Heinrich Peuckmann und Gerd Puls, assoverlag, 184 Seiten, 9,90 €

 

 

 

Wahlaballa

Die Bundeskanzlerin hat erklärt, die Union wolle die Vollbeschäftigung bis 2025 einführen. Das ist große Kunst: ein Wahlversprechen abzugeben, das erst der Nachfolger im Amt womöglich nicht einhalten kann.

                            Günter Krone

 

 

 

Psychosoziale Revolution

Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz PEGIDA, und die gegenaufklärerischen Entwicklungen weltweit spiegeln ein asoziales Menschenbild.

 

Das neue Buch »Rechtsruck im 21. Jahrhundert« von Andreas Peglau, Psychotherapeut und Psychoanalytiker, stellt die zentralen Fragen, um lebensfeindliche von lebensbejahenden Einstellungen zu unterscheiden, letztlich um im Bemühen für Frieden nicht zu scheitern. Wenn Freud dem von ihm beschriebenen Todestrieb verbunden mit angeborener Aggressivität nur den Ausweg der Sublimation durch den Lebenstrieb Eros lässt, bleibt dieser Weg wohl nur einer Minderheit bürgerlich-kulturell Gebildeter offen. Peglau erklärt gegen das asoziale aggressive Menschenbild das prosoziale menschliche Wesen unter anderem mit den Forschungsergebnissen von Wilhelm Reich, Erich Fromm, Gerald Hüther und indirekt auch mit Marx und Engels, für die Tiefenpsychologie noch unbekannt war. Überraschend klar weist er nach, dass neoliberale, marktradikale Lehren markante Übereinstimmungen mit »rechter« Ideologie zeigen. Die Pathogenese reaktionärer und imperialistischer Politiker zeigt eine kurze Biografie von Joseph Goebbels, der durch seine Lebensumstände von einem romantisch empfindenden und liebenden Idealisten zu einem hassenden Fanatiker wurde. Erklärungen individueller wie massenpsychologischer Phänomene werden mit Zitaten Wilhelm Reichs aus »Die Massenpsychologie des Faschismus«, einem zu Unrecht verdrängten epochalen Werk, gegeben. Es geht um aktuelle Fragen: Warum verhalten sich Menschen meist mehrheitlich im Gegensatz zu ihren eigenen Interessen? »Warum schweigen die Lämmer?« (Mausfeld) Warum lassen sich große Mehrheiten durch Propaganda belügen? Warum fallen Menschen reihenweise auf primitive Sündenbock-Konstrukte und rassistische Stereotype herein? Solche »irrationalen« Verhaltensweisen könnten nur »restlos erklärt« werden, indem zur sozialökonomischen die psychologische Betrachtungsweise hinzugenommen werde. Ich füge noch die Kognitionswissenschaft als unverzichtbare Aufklärungsquelle hinzu.

 

Politische und ökonomische Umwälzungen seien dringend nötig, um jeder Art von »Rechtsruck« die Grundlage zu entziehen, genügten aber nicht: eine psychosoziale Revolution müsse hinzukommen. Denn bereits Bertolt Brecht warnte: »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch« – aber was ist dieser Schoß? Das wurde deutlich gemacht auf dem zweitägigen »Gipfel für globale Solidarität« am 5. und 6. Juli und auf der Großdemo »Grenzenlose Solidarität statt G20« am 8. Juli in Hamburg.

 

Im einleitenden Teil macht Peglau mit dem Leben und wissenschaftlichen Arbeiten von Wilhelm Reich bekannt. Dessen Ächtung in Nazi-Deutschland und in den USA ist aus heutiger Sicht ein warnendes Lehrstück. Dem spannenden Buch mit nur 120 Seiten (plus 52 Seiten Anhang mit Quellen) sind zahlreiche Leser zu wünschen.

 

                  Manfred Lotze

 

Andreas Peglau: »Rechtsruck im 21. Jahrhundert«, Nora Verlagsgemeinschaft, 172 Seiten, 14,90 €. Kostenlos herunterladbar unter: http://andreas-peglau-psychoanalyse.de

Weiterführender Literaturhinweis: »›Rechtsruck‹ im 21. Jahrhundert. Zur Aktualität von Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus« von Andreas Peglau (erschienen in Sozialismus«, Juni-Heft 2017, S. 63-67)

 

 

Sprachkraft des Generalsekretärs

Der PEN ist eine Einrichtung, die nicht nur verfolgten Schriftstellern hilft, sondern ganz allgemein für die Freiheit des Wortes kämpft. Nun hat das deutsche PEN-Zentrum seit kurzem einen Generalsekretär, der auch gegen die deutsche Grammatik ficht. Folgender Langsatz über einen verfolgten Schriftsteller ist vermutlich gut gemeint, sagt aber Merkwürdiges aus:

»Das Auslieferungsbegehren ist unserer Überzeugung nach allein politisch motiviert aufgrund der kritischen Haltung Doğan Akhanlıs gegenüber dem gegenwärtigen türkischen Regime sowie seines Einsatzes für das Erinnern an den Völkermord gegen die Armenier im Jahr 1915, ein Verbrechen, das in der Türkei nicht als solches bezeichnet werden darf.«

 

Wieso gibt es einen Völkermord »gegen« die Armenier und nicht »an« den Armeniern? Und warum ist das Erinnern an einen Völkermord ein Verbrechen?

 

Wir können durchaus unterscheiden zwischen einem Verbrechen an der Grammatik und einem Verstoß gegen die Regeln der Grammatik.

Matthias Biskupek

 

 

 

Sieglos

Die Bundeskanzlerin hat zum Anschlag in Barcelona erklärt: »Terrorismus kann uns nie besiegen.« Und Oscar Wilde hat einmal gesagt: »Im heutigen Leben ist nichts so wirkungsvoll wie eine bewährte Plattitüde.« Manche Politiker/innen sehen das offenbar auch so.

 

Günter Krone

 

 

Prager Büstensturz

»Jetzt lacht Hitler in der Hölle«, vermerkt der amerikanische Außenminister George Shultz bissig in seinen Memoiren zum Besuch von Helmut Kohl und Ronald Reagan auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg, wo sich neben Gräbern von Wehrmachtsangehörigen auch Gräber von Soldaten der Waffen-SS befinden. Das war 1985. Inzwischen hatte ein anderer Höllenbewohner Grund zum Lachen – Roland Freisler, der Vorsitzende des berüchtigten Volksgerichtshofes in Berlin. Antikommunistische Eiferer entfernten nämlich die Büste des von ihm zum Tode verurteilten tschechischen Widerstandskämpfers Julius Fučík aus dem Panthéon des Prager Nationalmuseums.

 

Wie soll man sich diesen Vandalenakt erklären, und was hat es mit Julius Fučík auf sich? Ältere werden das noch wissen, Jüngere wohl kaum. Kurze Rückblende also: Wenige Monate vor Beginn des Zweiten Weltkriegs besetzte die deutsche Wehrmacht nach dem sogenannten Sudetenland auch die verbliebenen Teile Böhmens und Mährens und stellte sie unter deutsches Protektorat. Zu denen, die sich dagegen wehrten, gehörte auch Julius Fučík. Anders als zum Beispiel die beiden ehemaligen Unteroffiziere der tschechischen Armee, Jan Kubiš und Jozef Gabčik, die 1942 ein Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich verübten, kämpfte der kommunistische Schöngeist, ein Neffe des gleichnamigen berühmten Komponisten Julius Fučík, mit Worten gegen die Fremdherrschaft. Er verfasste Flugblätter und verbreitete unter anderem das Zentralorgan der verbotenen KPČ.

 

Bei einer Razzia fiel er 1942 der Gestapo in die Hände und kam ins Gefängnis Prag-Pankrác. Der Volksgerichtshof unter Leitung von Roland Freisler verurteilte ihn zum Tode. Am 8. September 1943 wurde Julius Fučík in Berlin-Plötzensee durch den Strang hingerichtet. Während der Haft in Pankrác verfasste er, vermutlich in einer Vorahnung, seine »Reportáž psaná na oprátce« (Reportage unter dem Strang geschrieben). Sie wurde in annähernd 90 Sprachen übersetzt und ist das am häufigsten in fremde Sprachen übertragene Werk eines tschechischen Autors. Der letzte Satz lautet in der deutschen Übersetzung von Felix Rausch: »Menschen, ich hatte euch lieb, seid wachsam.« Er steht heute auf vielen Gedenktafeln, so auch am Eingang des Ehrenhains Hamburger Widerstandskämpfer auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

 

Verantwortlich für die Entfernung der Büste Fučíks aus dem Panthéon des tschechischen Nationalmuseums sind Kulturminister Daniel Herman von der Christlich-Demokratischen Union und der von ihm berufene Generaldirektor des Museums, Michal Lukeš. Von ihm erfuhr die Öffentlichkeit im Juni dieses Jahres eher beiläufig, dass die Büste bereits 1991 »beseitigt« wurde. Angeblich geschah das wegen Fučíks ideeller Verbindung zum kommunistischen Regime. eine an den Haaren herbeigezogene Begründung, denn dieses Regime entstand erst 1948, fünf Jahre nach Fučíks Tod. Die Büste des tschechischen Kämpfers gegen den Faschismus stand seit 1964 im Panthéon.

 

In jenem Jahr ehrten auch die Franzosen unter Staatspräsident Charles de Gaulle einen ihrer Nationalhelden, den von den Nazis ermordeten Résistance-Kämpfer Jean Moulin. Seine Urne wurde vom Pariser Friedhof Père Lachaise in das Panthéon überführt. Kulturminister André Malraux würdigte während einer feierlichen Zeremonie die Verdienste des Widerstandskämpfers. Seine Rede ist noch heute Gegenstand des Unterrichts in vielen französischen Schulen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy bat 2007 am Tag seines Amtsantritts den französischen Bildungsminister Xavier Darcos darum, in allen Schulklassen des Landes jeweils am Todestag des von den Nazis ermordeten 17-jährigen kommunistischen Widerstandskämpfers Guy Môquet dessen letzten Brief an seine Eltern zu verlesen. 2015 wurden auf Anordnung des französischen Staatspräsidenten François Hollande am »Nationalen Tag der Résistance« die sterblichen Überreste von vier weiteren herausragenden Persönlichkeiten der französischen Résistance ins Panthéon überführt.

 

Offensichtlich haben die Franzosen anderen Nationen etwas voraus. Die Entfernung der Büste von Julius Fučík aus dem Panthéon des Prager Nationalmuseums blieb ohne nennenswerten Widerspruch, eine Folge vermutlich des allgemeinen Missvergnügens am politischen Betrieb und der missbräuchlichen Verwendung des Begriffs Antifaschismus zu parteipolitischen Zwecken. Nutznießer der Desorientierung sind die Akteure einer unheiligen Allianz von Geschichtsrevisionisten auf tschechischer wie auf deutscher Seite, hier verkörpert durch die Sudetendeutsche Landsmannschaft mit ihren Wurzeln im braunen Sumpf, und auf der anderen Seite durch den ehemaligen Sprecher der tschechischen katholischen Bischofskonferenz und jetzigen Kulturminister Daniel Herman, der 2016 auf dem Sudetendeutschen Tag in Nürnberg als erstes Mitglied einer tschechischen Regierung den »lieben Landsleuten« seine Aufwartung machte.      

 

Conrad Taler

 

 

Unsere Zustände

Wer sein Leben aus lauter Lügen aufbaut, glaubt am Ende, es ist die reine Wahrheit gewesen.

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Wenn die Familie die kleinste Zelle der Gesellschaft ist, so hat unsere Gesellschaft ein Zellenproblem.

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Trauerreden sind wie wirksame Kos-metikartikel: Die Leiche wird immer schöner.

Wolfgang Eckert

 

 

Keine Vergessene

Maria Leitner (1892–1942) war lange Zeit eine fast vergessene Schriftstellerin, und erst 2009 wurde entdeckt, dass diese interessante Frau in einem Marseiller Krankenhaus an Erschöpfung gestorben war. Doch vor allem dank Helga Schwarz ist ihr Werk auch heute noch präsent: die Bücher »Hotel Amerika« (1930), »Eine Frau reist durch die Welt« (1932), »Elisabeth, das Hitlermädchen« (1937). Nun erschien eine Dokumentation der Reportagen, die Maria Leitner in den zwanziger Jahren im Auftrag des Ullstein-Verlags über Amerika schrieb. Ihre Art, das Land kennenzulernen, ist eine besondere: Sie stellt sich in die Schlange der Arbeitssuchen und rackert dann als Kellnerin, in der Küche, in Webereien. Auch später, als sie in Südamerika reiste, galt ihr Interesse sozialen Aspekten. In einem bisher nicht bekannten Roman »Wehr dich, Akato!« finden sich viele Reportage-Elemente wieder.

 

Maria Leitner war eine Linke, sie erlebte und sah den Sklavenhalter-Kapitalismus ihrer Zeit, doch sie gab die Hoffnung nicht auf, dass die Unterdrückten sich wehren.  

                       

Christel Berger

 

Maria Leitner: »Amerikanische Abenteuer. Originaltexte von 1925 bis 1935. Episoden, Reportagen und der Urwald-Roman »Wehr dich, Akato!«, herausgegeben von Helga und Wilfried Schwarz. Nora-Verlagsgemeinschaft, 417 Seiten, 22 €

 

 

Monopolitik

Unter der Überschrift »Alles außer Politik« berichtete die Leipziger Volkszeitung, dass die Bundesregierung »zum Tag der offenen Tür in Berlin« einlädt, dessen Programm »nicht politisch ist«. Aber »Pop-Gigant Max Giesinger tritt auf, ein Massenmagnet«. Offenbar mangelt es an einem Polit-Giganten, der die Besucher begeistern könnte.

Günter Krone

 

 

Zuschrift an die Lokalpresse

Dass der Luther dieses Jahr besonders im Mittelpunkt steht, kann ich ja verstehen. In einer Zeit, wo Finanzbetrüger »fröhliche Urständ« feiern, sollte man schon daran erinnern, wie sich der Luther mit dem Tetzel auseinandergesetzt hat. Man darf aber auch nicht übertreiben. Zum Beispiel, als die DDR 1970 Lenins 100. Geburtstag feierte, gab es ein Meeting nach dem anderen, und alle Schaufenster waren voller Lenin-Bilder, egal, ob es sich um einen Bücherladen oder ein Fischgeschäft handelte. Ich erinnere mich, dass eine meiner Tanten damals scharf auf eine Kuckucksuhr war. Die waren ja sehr selten. Sie hat dann aber vom Uhrenkauf Abstand genommen, als ihr eine Bekannte erzählte, der Kuckuck würde im Leninjahr zur vollen Stunde nicht mehr »Kuckuck«, sondern »Lenin« rufen. – Engelbert Nadolny (63), Logistiker, 99631 Lutterborn                        

Wolfgang Helfritsch