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Titel2118

Kurt Tucholsky zum November 1918 ff  (Susanna Böhme-Kuby)

»Wir können genau kontrollieren, wie wir auf die Nachwelt kommen; die ersten Ansätze zur Geschichtsschreibung der Jahre 1914–1920 sind vorhanden. Man lese nun einmal diese verlogenen Schilderungen, diese parteilichen Fälschungen, die ganze würdige Statistik und Archivwissenschaft, die sechzig Jahre später unbesehen und fast ungeprüft übernommen werden wird. Wer hat von den Forschern Zeit, Gelegenheit, Möglichkeit und Geld, sich darum zu kümmern, wie solche offiziellen Berichte zustande gekommen sind? Wer Philologie und Geschichte studiert hat, weiss, wie da immer einer auf den anderen aufgebaut hat, wie dieselbe Lüge, derselbe Fehler sich durch zehn Werke hindurchziehen – unabsetzbar, unverbesserbar, als ›Material‹. Wir kommen würdig auf die Nachwelt, durch Retouchen derart zugerichtet, dass wir uns schon heute nicht mehr erkennen und dem bärtigen Geschichts- und Geschichtenschreiber dauernd zurufen mögen: ›Nein! So war es ja gar nicht! Schwindel!‹ Schon heute ist das schwer.« (GW4, 146)

 

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg liegt eine Fülle von Literatur über diesen Krieg und sein Ende vor.

 

Manfred Weißbecker berichtete in Ossietzky (11/2018) über jüngste Einschätzungen zum November 1918, dem »verpassten Frühling des 20. Jahrhunderts«, wie Klaus Gietinger formulierte.

 

Da die Novemberrevolution ein komplexes und in sich widersprüchliches Ereignis mit langfristigen, gegenläufigen Folgen war und – gerade von der Sozialdemokratie – als grundlegend auch für unsere heutige Demokratie angesehen wird, so lohnt es, noch einmal genauer zurückzuschauen und einen Zeitgenossen zu Wort kommen zu lassen, der sich keinen Illusionen hingab.

 

Revolution und Gegenrevolution, ausgehend von der Oktoberrevolution in Russland, führten in Deutschland zu einem latenten Bürgerkrieg von Ende Oktober 1918 (vom Matrosenaufstand am 28. in Kiel über den 9. November in Berlin und München) bis zum März 1923, der seinerzeit von einem der hellsichtigsten Zeitgenossen, Kurt Tucholsky, kritisch wahrgenommen und kommentiert wurde:

 

»Wenn Revolution nur Zusammenbruch bedeutet, dann war es eine; aber man darf nicht erwarten, dass die Trümmer anders aussehen, als das alte Gebäude. Wir haben Mißerfolg gehabt und Hunger, und die Verantwortlichen sind davongelaufen. Und da stand das Volk: Die alten Fahnen hatten sie ihm heruntergerissen, aber es hatte keine neue.« (GW2, 52)

 

Tucholsky war im November nicht in Berlin, sondern noch an der Ostfront, aber seine Einschätzung deckt sich fast wörtlich mit der von Rosa Luxemburg, die sie am 31. Dezember 1918 auf dem Gründungsparteitag der KPD aussprach:

 

»Was wir am 9. November erlebt haben, war zu drei Vierteln mehr Zusammenbruch des bestehenden Imperialismus als Sieg eines neuen Prinzips. [...] Was folgte war eine mehr oder weniger chaotische, planlose, sehr wenig bewußte Bewegung. Man dachte, es sei nur nötig, die alte Regierung zu stürzen, eine sozialistische an die Spitze zu stellen, [...] um Dekrete zu erlassen, die den Sozialismus einführen. Das war nichts als eine Illusion.«

 

Und sie führte im weiteren aus, wie der Sozialismus eben nur durch die Massen der Proletarier erkämpft und aufgebaut werden könne, die das erst lernen müssten – ein langer Weg!

 

Auch Carl von Ossietzky monierte den Mangel an notwendigen Ideen, Mut und Glauben für den Neuaufbau einer demokratischen Republik und konstatierte im Juni 1919, übereinstimmend mit Tucholsky, wie sich gleich nach dem November 1918 die Militaristen und die Anhänger eines starken Staates gegen die Kriegsmüden und Pazifisten in der schwachen neuen Republik formiert hatten, so wie die strengen Verfechter des Finanzkapitals gegen die eines sozial gemäßigten Kapitalismus. Die links von der SPD stehenden Unabhängigen und Rätesozialisten stellten ja nur eine kleine Minderheit, und die sogenannten Vernunftrepublikaner unterschätzten die reale Stärke der alten Eliten. Somit war die Weimarer Republik de facto eine » Republik ohne Republikaner«, und als diese gut zehn Jahre später zu einer Präsidialrepublik als Vorstufe zum Führerstaat verkam, sah Tucholsky sich schließlich als »Republikaner ohne Republik« und verließ letztere – schon 1930 – auf immer.

 

Dabei war längst nicht alles beim Alten geblieben. Es hatte in der Tat auch ein Übergang von alten zu neuen Machtstrukturen stattgefunden, aber eben nicht im demokratischen Geiste der Weimarer Verfassung, sondern durch die Rationalisierung der durch das Kapital gestärkten traditionellen autoritären Kräfte und Strukturen. Der historisch in Deutschland eher suspekte Begriff der Demokratie hatte noch keinen positiv gelebten Inhalt, und Tucholsky sah ihn, ähnlich wie den der Politik überhaupt, hier reduziert auf eine Art frühen Lobbyismus: »Politik kann man in diesem Lande definieren als die Durchsetzung wirtschaftlicher Zwecke mit Hilfe der Gesetzgebung. Die Politik war bei uns immer eine Sache des Sitzfleisches, nicht des Geistes. Sie wurde in Bezirksvereinen abgehaspelt und durchgehechelt und gegen die Arbeiter standen alle Anderen zusammen. […] Eine wilde Überschätzung des Wirtschaftlichen hob an. Feudale und Händler raufen sich um den Einfluss im Staat ...« (GA3, 75)

 

Tucholsky setzte sich intensiv mit dem historischen Charakter und der daraus resultierenden Problematik des deutschen Bürgertums auseinander und kam 1919 zu dem Schluss: »Dieses deutsche Bürgertum ist ganz und gar antidemokratisch, […] und das ist der Kernpunkt allen Elends. Es ist ja nicht wahr, dass sie in der Zeit vor dem Kriege unterdrückt worden sind, es war ihnen tiefstes Bedürfnis emporzublicken, mit treuen Hundeaugen, sich zurechtstoßen zu lassen und die starke Hand des göttlichen Vormunds zu fühlen! Heute ist er nicht mehr da und fröstelnd vermissen sie etwas. Die Zensur ist in Fortfall gekommen, brav beten sie die alten Sprüchlein weiter, ängstlich plappernd, als ob nichts geschehen sei. Sie kennen zwischen patriarchalischer Herrschaft und einem ins Räuberhafte entarteten Bolschewismus keine Mitte. Sie nehmen alles hin, wenn man sie nur verdienen läßt.« (GA3, 74)

 

Viele von Tucholskys Artikeln lassen sich bündeln zu knappen Resümees wie: »Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt« (GW8, 346) oder: »Wir haben in Deutschland keine Revolution gehabt – aber wir haben eine Gegenrevolution.« (GA3, 142).

Doch immer und immer wieder unterstrich er die mangelnden politischen Konsequenzen von Seiten der in der Republik verantwortlichen Sozialdemokratie: »Ringsum demokratisierte sich eine Welt. Alt-Preußen blieb. [...] Die Revolution vom 9. November war keine. Dem unerhörten Mißbrauch einer absolutistischen Kommandogewalt folgte keinerlei Abrechnung. [...] Die Regierung, die keinen Augenblick den Versuch gemacht hatte, den Eintritt einer neuen Geistesrichtung auch nur anzukündigen, versank den Militärs gegenüber in Lethargie, sie wurde gewarnt, hörte nicht und am 13. März 1920 traf sie ihr wohlverdientes Schicksal.« (GW2, 307 f)

 

Damit war der Kapp-Lüttwitz-Putsch gemeint, der hochgefährliche Angriff auf die junge Republik, der nicht etwa von der zuständigen Reichswehr, sondern nur durch einen großen Generalstreik der Arbeiter abgewendet wurde. Tucholsky hoffte: »Wenn die Republik Deutschland, erweckt durch den Militärputsch, nachholt, was sie im November 1918 versäumt hat: dann ist er nicht umsonst gewesen.« Und er wandte sich nach dieser Gefahr direkt an die zuständigen SPD-Minister Gessner und Noske: »Es liegt an euch: Gebt den Offizierstypen, die immer noch nicht abgewirtschaftet haben, keine Untergebenen mehr her – Ihr müssts heute nicht – dann gehen sie ein. Keiner von ihnen ist möglich ohne jene Horde der Unterwürfigen. Es liegt an euch. Eine deutsche Kultur kann nicht neben diesem und nicht trotz diesem, wie Thomas Mann glaubt, bestehen. Sie kann nur bestehen ohne das. Ohne dieses Militär und ohne diesen Kasernenhof. Alles andere ist Literatur und Tünche. [...] Es liegt an euch. Tötet das deutsche Militär –: und ihr habt eine deutsche Kultur.« (GA4, 40 f)

 

Zum achten Jahrestag des Kriegsbeginns, Ende Juli 1922, hielt Tucholsky fest: »Dem geschulten Arbeiter ist heute klar, was dieser Krieg gewesen ist. Er war nicht etwa eine Naturnotwendigkeit, nicht das Aufeinanderprallen zweier Geistesrichtungen, nicht das ›Stahlbad‹ für die Seele eines Volkes. Es war etwas ganz anderes. Dieser Krieg war die natürliche Folge des kapitalistischen Weltsystems. [...] Und wenn noch einmal ein größenwahnsinnig gewordenes Beamtentum und eine Clique geldgieriger Kanonenfabrikanten, Brotwucherer, reklamierter Redakteure [...] zum Kriege hetzen, dann möge der anständigere Teil der deutschen Nation, dann möge die gesamte Arbeiterschaft wie ein Mann aufstehen, ihnen Helm und Fahne aus der Hand schlagen und, und belehrt durch Blut, gehärtet durch Leid in den Ruf ausbrechen: Nie wieder Krieg!« (GA5, 457 f)

 

Doch es sollte anders kommen. Tucholskys früh geäußerte Sorge, der Nachkrieg bereite in sich schon einen weiteren neuen Krieg vor, verdichtete sich im Laufe der Weimarer Jahre immer mehr zur Gewissheit, vor allem nach der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten 1925. Anlässlich der Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich schrieb Tucholsky 1926 in einem Brief an Maximilian Harden: »Was die ›Annäherung‹ anbetrifft, so habe ich mir angewöhnt, hinter jeden Satz still für mich zu sprechen: ›bis zum nächsten Krieg‹«. (GA18, 100)

 

Er traute eben jenem »Geist von Locarno« nicht, der ja schon eine übernationale paneuropäische Struktur postulierte, aber die Kleinstaaterei und die Staaten-Souveränität nicht in Frage stellte.

 

Und er zweifelte am Friedenswillen der deutschen Imperialisten, deren Interessen er auch in den Verträgen von Rapallo und Locarno ausmachte: »Wir gehen nicht den Weg des Friedens. Es ist nicht wahr, dass freundliche Gespräche am Genfer See den Urgrund künftiger Kriege aus dem Wege räumen werden: die freie Wirtschaft, die Zollgrenzen und die absolute Souveränität des Staates. [...] Deutschland hat es nicht nötig, sich in eine Monarchie zu verwandeln – diese Republik tut es auch. [...] Wir stehen da, wo wir im Jahre 1900 gestanden haben. Zwischen zwei Kriegen.« (GW4, 40 f) Das schrieb er im Jahre 1925.

 

Denn Tucholsky war sich sicher: »Die wirkliche Gefahr in Deutschland ist der interfraktionelle Stresemann-Typus, den man von den Deutschnationalen bis zur demokratischen Partei in allen Schattierungen vorfindet. Es ist der lebenstüchtige, verschlagene, grundsatzlose, großfressige und kleinmütige Kaufmann, der Organisationshuber, der ›Mann des realen Lebens‹, der gebildete Kaffer, dem es bei aller Liebe zur Republik ein bißchen mulmig um die Brust wird, wenn einer gar zu sehr gegen die Ideale des alten Regimes vorgeht. Sie sehen immer noch das leere Katheder, der Lehrer ist schon eine ganze Weile hinausgegangen – aber man kann nie wissen ... Die Diktatur dieser Bourgeoisie ist vollständig. [...] Aber es ist nicht wahr, dass der normale Typus der Deutschen Volkspartei und der Indifferenten auf die ekelhaften Grundsätze des Imperialismus verzichtet hat; es ist nicht wahr, dass diese Typen, die heute die deutschen Geschicke lenken, andere Ideale als die eines schwachsinnigen Wettlaufs, einer rücksichtslosen Machtpolitik, einer kindlich antieuropäischen Wirtschaftsauffassung haben.«

 

Und als er 1927 unter seinem Fenster in Berlin einen Aufmarsch des Stahlhelm gesehen hatte, notierte er: »Ich gehöre seit dem Jahr 1913 zu denen, die den deutschen Geist für fast unwandelbar vergiftet halten, die nicht an eine Besserung glauben, die die verfassungsmässige Demokratie für eine Fassade und für eine Lüge halten, und die auch heute noch, entgegen allen Zusicherungen und optimistischen Anwandlungen, einen hohlen Stahlhelm für lange nicht so gefährlich halten, wie einen seidigen Zylinder.« (GA9, 357 f)

Deutlich ist, dass die Klassenverhältnisse damals auch von nicht marxistisch orientierten Beobachtern wie Tucholsky klar erkannt wurden – der seidige Zylinder, Symbol des Kapitalisten, überstülpte auch die Pickelhaube auf der berühmten Collage von John Heartfield, die 1929 Tucholskys Bilanz der Republik: »Deutschland, Deutschland über alles« als Titelbild zierte. Das Buch löste im Inland Protest und Polemik aus; die internationalen Presse lobte es damals aber vielfach als brillante Analyse des deutschen Nationalismus (Weltwoche, Times et cetera). Die 15.000 Exemplare der ersten Auflage waren in Kürze ausverkauft. Das Börsenblatt des deutschen Buchhandels weigerte sich im September 1929, eine zweite Auflage auch nur anzukündigen mit der Begründung, schon das Titelblatt beleidige die Nationalhymne. Tucholsky hatte in dem Pamphlet mit der Republik für seinen Teil abgeschlossen, forderte am Schluss aber doch ein Heimatrecht in Deutschland für »Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitsliebende aller Grade: man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird. [...] Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.«

 

Die Lese- und Vortragsreisen, die er mit dem Deutschland-Buch 1929 noch einmal kreuz und quer durchs Land unternahm, wurden mehrfach von SA-Schlägern unterbrochen, und selbst Veranstalter wie der Literarische Verein in Wiesbaden nahmen Abstand von ihm. Am Ende berichtet er in einem Brief aus Hamburg: »Na - so schlimm war es gar nicht. Wirklich übel war es nur in Wiesbaden; (da haben sie Steine auf den [sic!]) Auto geschmissen und einen Mann verhauen, der so aussah wie ich und die Polizei hat die Leute verhauen). Im übrigen: für wen ich das eigentlich mache ... das weiß ich nach dieser Reise weniger denn je. Es ist trostlos.« (GA19, 175 f)

 

Tucholsky, der expressis verbis in seiner Zeit leben und für sie schreiben wollte, hat sich dennoch schon früh auch an die Welt der Nachgeborenen gewandt. Aber er teilte nicht Brechts Zukunftsoptimismus, die Menschen möchten nach dem (zweiten) Weltkrieg doch in einer Welt leben, in der sie einander als »Helfer« mit »Freundlichkeit« begegnen könnten. Schon Anfang 1920 gab er zu bedenken:

 

»Sehen Sie, lieber Herr, das ist ja das Traurige, wer da heraufgekommen ist. [...] Bei uns ist ein schwacher und verbrauchter Großstadttyp heraufgekommen – Leute, die zwar viel Skrupellosigkeit, aber doch verhältnismäßig wenig Kraft aufzuweisen haben. Was sind denn das für Menschen, diese neuen Reichen? [...] Die Mehrzahl, das sind doch kleine Krämer, denen eine richtige Konjunktur die richtigen Waren in die Hände gespielt hat [...] Schlechtes Blut, keine Rasse. Und vor allem keine Kraft. Und das bestimmt nun hier den Ton, das hat Geld und gibt es mit vollen Händen aus. [...] Schließlich ist Geld ja eine Waffe, der die Gesellschaft auf die Dauer der Jahre nicht widerstehen kann – und dann? Dann haben wir die Verpöbelung Deutschlands, nicht nur in Berlin, in vollem Maße. Denn dieses neue verbrauchte, nicht gute Blut wird natürlich in der zweiten Generation noch übler werden. [...] Und es ist nicht einmal das schöne Schauspiel einer Dekadenz: es ist einfach Schwäche, die sich hinter Frechheit verbirgt. [...] Aber dass wir in dreißig Jahren eine nette Gesellschaft an der Spitze haben werden – wo sitzt heute Geld! –: das weiß ich gewiß.« (GA4, 21 f)

 

Die hier genannte Zeitspanne weist über den Zweiten Weltkrieg hinaus, den Tucholskys Weitsicht früh erahnt hatte, bis in die fünfziger Jahre der neuen Bundesrepublik, in der dann das Geld tatsächlich weiterhin saß. Ohne Illusionen bezüglich des menschlichen Fortschritts beziehungsweise einer wachsenden Einsicht in die Verhältnisse prognostizierte er: »Der Mommsen des Jahres 1984 wirds schwer haben. [...] Klios Griffel kratzt. Objektiv ist sie auch nicht, weil niemand hienieden objektiv ist und es hängt von tausenderlei Faktoren ab, was sie da auf ihre Schiefertafel malen wird. [...] Und heute schreibt Klio mit Schreibmaschine, es geht ganz schnell – was gestern geschehen ist, hat morgen bereits seinen authentischen, unumstößlichen Geschichtsschreiber: aber wahrer ists dadurch auch nicht geworden.« (GW2, 384)

 

Bewahrheitet har sich allerdings während fast hundert Jahren der politische Niedergang der SPD bis heute aufgrund ihrer nachhaltigen Unterordnung unter die jeweils herrschende Form des Kapitalismus. Schon 1927 hatte Tucholsky dazu diese »Rechenaufgabe mit imaginären Größen« formuliert: »Eine SPD hat in acht Jahren null Erfolge. In wievielen Jahren merkt sie, dass ihre Taktik verfehlt ist?« Die Lösung der Aufgabe steht noch aus, denn längst ist nicht nur die Taktik, sondern die ganze Richtung verfehlt.

 

 

Zitiert nach den Ausgaben Kurt Tucholskys: »Gesammelte Werke in 10 Bänden« (GW), Rowohlt 1975 und »Gesamtausgabe Texte und Briefe in 22 Bänden« (GA) Rowohlt 1997 ff.