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Titel2219

Antworten

Lady Catherine Ashton, britische Landadelige, geschäftstüchtig. – Als Außenbeauftragte der Europäischen Union haben Sie seinerzeit so wenige Punkte gesammelt, dass Sie nach Ihrem glanzlosen Abgang aus der Politik nicht nahtlos einen lukrativen Job in der Privatwirtschaft übernehmen konnten. Erst jetzt, nach vierjähriger Zwangspause, sehen Sie Licht am Ende des Tunnels: Die kanadische »GardaWorld«, Marktführerin in der Branche Inkasso, Geld- und Sicherheitstransporte, Personenschutz, zivile und militärische Wachdienste, holt Sie als Lobbyistin in ihr Management. Der Konzern verdient seit Jahren saftig an EU-Aufträgen. Eine Hand wäscht die andere, besser spät als nie, nicht wahr?

 

Tagesschau-Redakteure, dicht daneben. – Über die »Unruhen« in Chile berichten Sie, Präsident Sebastián Piñera habe sich deretwegen genötigt gesehen, die Ausrichtung der Weltklimakonferenz in San Sebastian de Chile abzusagen. Schuld sei der »wütende Mob«, der den Andenstaat mit Gewalt auf der Straße überziehe. Sie berichten damit von etwas, von dem Sie offenkundig genauso wenig verstehen wie vom eigenen Berufsethos: von bis zum Exzess ausgebeuteten und erniedrigten Menschen, denen ihr Staat zum Feind geworden ist. Überkorrekt berichten Sie hingegen von »Protestierenden«, die in Bolivien für »Unruhe« sorgen. Der dort amtierende Präsident ist freilich Sozialist, und seine Gegner sind die Vertreter der Großbourgeoisie, die gerne eine US-freundliche Farben-Revolution anzetteln würden. Vor Ihrem Millionenpublikum führen Sie mit dieser Kampagne mal wieder den Beweis: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

 

Annegret Kramp-Karrenbauer, gefährlich und bewaffnet. – Deutschland müsse den Mut haben, die »Rolle der Gestaltungsmacht anzunehmen«, erklärten Sie in einer Grundsatzrede in der Münchner Bundeswehr-Universität. Dazu gehöre auch »die Bereitschaft, gemeinsam mit unseren Verbündeten und Partnern das Spektrum militärischer Mittel wenn nötig auszuschöpfen«. Jawoll! Feuer frei für alle Mittel: Jagdbomber, U-Boote, Panzer, Haubitzen und selbstverständlich Atomwaffen. Soll also wieder einmal die Welt am deutschen Wesen genesen? Da seien UN-Charta und Völkerrecht vor! Als Verteidigungsministerin sind Sie eine glatte Fehlbesetzung: Unreif, unbedacht, gefallsüchtig und menschenverachtend, das ist Ihr Habitus als Friedensverräterin.

 

Hartz-IV-Befürworter, verfassungsgerichtlich bestätigt. – Ihr Dogma, man müsse die Arbeitslosen zwar fördern, dürfe aber sanktionsgestützt von ihnen auch fordern – nämlich bedingungslose Mitwirkung bei der »Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt« – ist verfassungsrechtlich bestätigt. Recht ist freilich nicht mit Gerechtigkeit zu verwechseln. Sonst hätten die Karlsruher Richter Ihr Dogma auch auf die Arbeitgeber ausgedehnt. Dann würden die erst mit Steuervergünstigungen und Subventionen gefördert, wenn sie die zu fordernden zumutbaren Arbeitsplätze in ausreichender Zahl anbieten. Im Sinne von »Mitwirkung«, wie oben, Sie verstehen?

 

Felix von Leitner, als Blogger »Fefe« äußerst aktiv. – Jüngst merkten Sie an: »Die SPD, müsst ihr wissen, sind nicht die, die weite Teile der deutschen Bevölkerung in die unentrinnbare Armut gezwungen haben, nein nein, die SPD, das sind die, die Hartz IV ›überwinden‹ wollen! Aber die SPD kritisieren fühlt sich an wie Leichenfledderei ... Hoffentlich hören die bald zu zucken auf, das ist ja abstoßend.« (https://blog.fefe.de/) Untote zucken allerdings nicht nur, die geistern herum und bleiben fortwährend lästig. Daran müssen Sie sich schon gewöhnen.

 

Peter Altmaier, CDU-Wirtschaftsminister, reformwillig. – Mit Blick auf die Thüringen-Wahl hätten Sie sich für eine Reform des Politikbetriebes ausgesprochen, meldete die Tagesschau. Ihre Idee, wie die »staatstragenden« Parteien Vertrauen zurückgewinnen sollen: Verkleinerung des Bundestags, weniger Minister und Staatssekretäre, Verlängerung der Bundestags-Wahlperiode auf fünf Jahre. Warum nicht gleich ein Wahlgesetz, das nur »staatstragende« Parteien nach Ihrem Gusto zulässt, und Wahlen bloß alle zwölf Jahre? Wie wäre es denn damit: einfach mal bessere Politik machen. Kürzlich sind Sie beim Abgang von einer Rednerbühne auf den Kopf gefallen und haben sich Blessuren zugezogen. Das tut uns leid. Ihr reaktionäres Denken wurde erkennbar nicht eingeschränkt. Das tut uns wahrhaftig leid.