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Titel2309

Antworten

Andrea Nahles, vielseitig geübt. – Als neue Generalsekretärin der SPD sind Sie, wie offiziell mitgeteilt wurde, »designiert«. Das heißt: Der Parteitag hat Sie zu wählen, ob er nun will oder nicht. Im Parteiblatt vorwärts beschreiben Sie Ihre Qualifikation für die schon lange angestrebte Funktion: »Ich bin geübt im Renovieren. Ich habe 1999 in der Eifel das Haus meiner Urgroßeltern gekauft und es zehn Jahre lang mit Hilfe meiner Eltern renoviert. Damals war es ein altes Gemäuer. Heute ist es ein Schmuckkästchen. Renovieren braucht Zeit.« Da können sich die Mitglieder Ihrer Partei freuen – sofern sie Geduld genug haben: Über die Jahre erwartet sie eine heimelige Organisation, klein aber fein.

Angela Merkel, lebenspraktisch. – Zum Jahrestag der Schabowski-Revolution wurden auch Sie gefragt, wie Sie das jetzt so viel gefeierte Ereignis erlebt hätten. Sie erinnerten sich: »Am Tag arbeitete ich in der Akademie der Wissenschaften in Adlershof. Als ich nach Hause kam, lief im Fernsehen die Pressekonferenz. Ich habe aufgehorcht, als Schabowski seinen berühmten Zettel verlas, und sofort meine Mutter angerufen. Wir hatten eine Redewendung: ›Wir gehen Austern essen zu Kempinski, wenn die Mauer fällt.‹ Ich sagte meiner Mutter, sie solle ihr West-Geld zusammensuchen, es könne bald soweit sein. Dann bin ich wie jeden Donnerstag erst einmal in die Sauna gegangen.« Wir danken Ihnen für diese Beschreibung, sie ist historisch aufschlußreich.

Rainer Eppelmann, anregend. – Zum 9. November haben Sie in der Springer-Zeitung Welt am Sonntag die Partei Die Linke aufgefordert, sich für die Zustände in der ehemaligen DDR »zu entschuldigen«, zum Beispiel »für die tägliche Volksverdummung in der Presse der DDR«. Diese Idee ließe sich aktualisieren: eine öffentliche Entschuldigung für die volksverdummenden Tätigkeiten von Medien in der Bundesrepublik heute. Es müßte nur noch herausgefunden werden, wer diesen Akt der Reue übernimmt.

Gesine Lötzsch, beherrscht. –
Nicht von anderen Teilnehmern der Sendung Anne Will am 8. November über die DDR (notorischen Antikommunisten wie Joachim Gauck und Klaus von Dohnanyi), aber von Ihnen, der stellvertretenden Vorsitzenden der Links-Fraktion im Bundestag, hätten wir erwartet, daß Sie nicht stumm bleiben würden, als der Regisseur Leander Haußmann gegen die DDR pöbelte: »Friedensstaat und Antifaschismus und die ganze Scheiße.« Vielleicht dachten Sie: Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht. Aber solche gefährlichen Parolen setzen sich im Millionenpublikum fest, wenn Widerspruch unterbleibt.
Rainer Brüderle, gemütvoll. – Das Verhalten der Herren bei General Motors hat auch Sie in öffentliche Empörung versetzt: »Ein solcher Umgang mit den Arbeitnehmern acht Wochen vor Weihnachten ist in keiner Weise hinnehmbar.« Offenbar hatten die US-»Turbokapitalisten« (wie sie der CDU-Arbeiterführer Jürgen Rüttgers genannt hat) keine Kalender mit deutschen Sentimentaldaten zur Hand. Aber was soll’s, die wirkliche Bescherung kommt ja erst nach dem Fest.

Hannelore Kraft, nachdenklich. –
Bis zur Landtagswahl im nächsten Mai müssen Sie die nordrhein-westfälische SPD bei Laune halten, und so versuchen Sie, es allen recht zu machen: »Die Agenda 2010 enthält auch viel Richtiges, auch in den Hartz-Gesetzen sind Dinge drin, die durchaus positiv sind; allerdings sind auch Entwicklungen entstanden, die wir nicht gewollt haben. Manche Reformen haben sich in der Wirkung verkehrt.« So ein Pech aber auch. Wir wissen Hilfe: Die SPD sollte »Negatives« zum Gesetz machen, schon wissend, daß es sich auf wunderbare Weise ins »Positive« verkehrt.

Michael Vassiliadis, frisch- fröhlich. – Eben zum neuen Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie gewählt, äußerten Sie sich hocherfreut, über die politischen Verhältnisse unter der schwarz-gelben Regierung: »Unsere Gewerkschaft genießt Ansehen im Land, wir sind präsent, schlagkräftig und gestaltungsfähig ... Die neue Bundesregierung respektiert die wichtige Rolle von Gewerkschaften und Betriebsräten in der sozialen Marktwirtschaft. Unser Anspruch auf Mitgestaltung und Teilhabe wird anerkannt.« Wenn das so ist, war der lautstarke Applaus für Angela Merkel, die dem BCE-Bundeskongreß ihre Aufwartung machte, sicher berechtigt Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff erklärte die BCE gar zur »Zukunftsgewerkschaft«. Was will da der Gewerkschafter noch mehr – die BCE jedenfalls ist als staatstragend wohlgelitten. Da haben Sie eine Kündigung nicht zu befürchten.