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Titel2510

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Joachim Gauck, gefühlter Bundespräsident. – Die Stadt München und der bayerische Börsenverein des Buchhandels haben Ihnen den diesjährigen Geschwister-Scholl-Preis verliehen und Sie damit laut FAZ net als »unabhängigen und mutigen Freiheitskämpfer geehrt«, der »klare Antwort« auf die Frage gebe, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei oder nicht. Ihr mutiger Freiheitskampf gegen einen Staat fand demnach statt, als dieser nicht mehr bestand. An diese Möglichkeit hatten die Geschwister Scholl nicht gedacht. Um Sie aus Ihrem Preisträgerhimmel ein Stück herunterzuholen, befaßt sich Hans Krieger in diesem Heft noch etwas näher mit Ihnen.

Philip Murphy, zu einem Scherz bereit. –
Von Ihnen als dem US-Chefdiplomaten in Berlin erwarteten die deutschen Medien eine Entschuldigung dafür, daß Sie in nun nicht mehr geheimen Depeschen deutsche Politiker nicht sehr diplomatisch beschrieben haben. Der Welt am Sonntag sagten Sie daraufhin: »Ich entschuldige mich überall« – aber nicht wegen solcher Persönlichkeitsbeschreibungen, sondern wegen des »Lecks«, durch das sie an die Öffentlichkeit gelangten. Zu Recht machten Sie sich damit über die Ehrpusseligkeit der Berliner Prominenz lustig. Gar nicht so spaßig sind andere nun durch Wikileaks bekannt gewordene Tätigkeiten der US-Diplomatie: Die Botschafter Washingtons, von der Außenministerin ausdrücklich dazu angehalten, verschaffen sich illegal Zugriff zu den Daten von Politikern anderer Staaten und bei den Vereinten Nationen, offenbar um Angriffsziele zu bestimmen. Aber darüber scheint sich hierzulande niemand aufzuregen. Also können Sie Hillary Clinton berichten: Deutschland steht treu zur diplomatischen CIA.

Angela Merkel, Beurteilungsobjekt. –
Die US-Regierung hält Sie für »wenig kreativ«, für stur und risikoscheu. An Ihnen gleite Vieles ab – eine Eigenschaft, vergleichbar der von beschichteten Bratpfannen, weshalb Sie in Washington den Beinamen »Teflon-Merkel« führen. Die Antihaftschicht-Wirkung in Bratpfannen ist allerdings zeitlich begrenzt. Mal sehen, wie lange von Ihnen noch abperlt, was die Mehrheit des deutschen Volkes über Sie und die Charakterensammlung in Ihrem Berliner Kabinett inzwischen denkt.

Karl-Josef Laumann, Münsters Retter.
– Das Wort des Fraktionsvorsitzenden der CDU im nordrhein-westfälischen Landtag hat Gewicht, und so sind Sie nun hochzufrieden mit Ihrem Erfolg »beim Rausschmiß der Kommunisten aus der Uni unserer altehrwürdigen Bischofsstadt Münster«. Die Linksparteiler wollten dort einen kleinen Parteitag veranstalten, die Uni-Verwaltung hatte ihnen einen Raum dafür zugesagt, aber Sie intervenierten, und die Sozialisten mußten sich ins Ruhrgebiet verziehen. Da konnte die Bischofsstadt aufatmen. Schon einmal war sie Andersgläubigen in die Hände gefallen, in den 1530er Jahren, doch gelang es damals dem Fürstbischof, die Wiedertäufer niederzuringen und einen Kopf kürzer zu machen; die Überreste ihrer Anführer waren in Käfigen am Turm der Lambertikirche zu besichtigen. So roh sind heutzutage die Sitten nicht mehr, auch können die Linksparteiler, was Wildheit angeht, mit den Wiedertäufern nicht konkurrieren. Dennoch: Rausschmiß muß sein. Bedenken Sie aber: Jener Fürstbischof wurde später dem römisch-katholischen Glauben untreu. Eine Frau war dabei im Spiel und auch der schnöde Mammon. So ist das Ehrwürdige immer in Gefahr.

Redaktion Junge Freiheit, Anarchie riechend. –
Ihr Wochenblatt genießt seit langem die Gunst von Prominenten aus Politik und Wirtschaft, Hans Olaf Henkel sei hier exemplarisch genannt, und Gerichte haben Ihnen bestätigt, daß die Junge Freiheit der Rubrik »Rechtsextremismus« in den Verfassungsschutz-Berichten nicht zuzuordnen sei. Nun mußten Sie Grausiges über Deutschland berichten: »Der Geruch der Anarchie liegt über dem Land. Bomben im Kanzleramt, brennende Autos auf nächtlichen Großstadtstraßen, Bürgerkriegsszenen bei Großdemonstrationen, gewaltbereite Linksextremisten greifen öffentliche Infrastruktur und staatliche Hoheitsträger mit herausfordernder Brutalität an ...« Das kann doch nicht so weitergehen, da sind starke Männer gefragt. Das Schlimmste wußte einer Ihrer Leser, aufgeschreckt durch Ihren Alarmruf, noch zu ergänzen: »Eine bekennende Lesbierin wurde zur Richterin am Bundesverfassungsgericht gewählt!« Sie können Ihr Blatt drangeben, Deutschland ist verloren.

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