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Titel2514

Anruf bei Köhlers  (Eckart Spoo)

Wenn man bei Monika und Otto Köhler anruft, meldet sich »Köhler«. Ist es Monika, ist es Otto? Die beiden Silben verraten es nicht immer. Ich kann die Stimmen meistens daran unterscheiden, daß Monika den Namen kürzer ausspricht, Otto dehnt ihn eher. Gebe ich mich dann zu erkennen, habe ich es sofort mit beiden Köhlers zu tun. Gleichviel welches Thema, welches Vorhaben zu erörtern ist, beteiligen sich beide hochmotiviert am Gespräch und ziehen es bald ganz an sich. Nicht selten entwickelt sich daraus eine erregte Debatte zwischen ihnen. Monika und Otto fetzen sich mit immer schärferen Wörtern. Werde ich etwa unfreiwilliger Zeuge eines Ehestreits? Soll ich vorsichtshalber versuchen, das Thema zu ändern? Plötzlich brechen die Köhlers in schallendes Gelächter aus, wechseln ihrerseits das Thema, erzählen vom Teich, den sie in ihrem Garten angelegt haben, von der Amsel an der Terrassentür, von dem Theaterabend, den sie erlebt haben. Monika hat unzählige Merkwürdigkeiten wahrgenommen. Otto ergänzt. Ich höre interessiert zu, werfe vielleicht mal eine kurze Frage ein. Werden wir bald zum Thema kommen können? Nein, eben ist ein Wort gefallen, dem Otto widersprechen muß. Die Stimmen heben sich wieder, schrillen durchs Telefon. Gibt es überhaupt einen Begriff, den Otto akzeptiert? Muß sich alles an der faschistischen Vergangenheit messen lassen?


Ja, alles muß sich an der faschistischen Vergangenheit messen lassen. Da gibt es keinen Dissens. Da kennen sich beide Köhlers aus. Es ist ihr Metier, das sie seit Jahrzehnten gemeinsam betreiben. Welche Institution in Deutschland wäre zu dem Aufklärungswerk fähig, wie Monika und Otto Köhler es in ihrem Bungalow in den Schwarzen Bergen bei Hamburg tagtäglich leisten? Zwei hochsensible Künstler. Eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft, wie sie mir in solcher Intensität selten begegnet ist.