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Titel2514

Bemerkungen

Schwejk trifft Candide
»Gut, daß Du kommst, Josef«, rief Candide dem braven Soldaten Schwejk entgegen, nachdem er wieder einmal versonnen von Wolke Sieben auf die beste aller Welten hinabgeblickt hatte. Dann erzählte er ihm die Geschichte von Bodo Ramelow, der nicht in der SED war, aber als Ministerpräsident nicht geeignet sei, und die von Kurt Georg Kiesinger, der in der NSDAP war und trotzdem Bundeskanzler wurde. »Das ist normal«, antwortete Schwejk, »weil, was man so hört, Ramelow heimlich ein Kommunist ist. Meine Bedienerin, Frau Müller, hat mich mal gefragt: Herr Schwejk, wenn Sie zwei Menschen haben, von denen der eine Ihnen ihr Hunderl wegnehmen will und der andere nicht, wen mögen Sie dann lieber? No, habe ich gesagt, was für eine dumme Frage, der was mir was nehmen will, ist bestimmt ein Kommunist, den mag ich dann nicht, und der andere ist ein gottgefälliger Mensch. So einen mag jeder.« Worauf Candide seinen Hauslehrer Pangloß aufsuchte, um ihn zu fragen, ob in der Welt wirklich alles zum besten bestellt ist.

C. T.

Gedenksport
Ein erhellendes Beispiel für experimentelle Erinnerungskultur, jetzt vorweihnachtlich auf dem Truppenübungsplatz Sennelager, veranstaltet vom dort stationierten britischen und deutschen Militär: Mit einem Fußballspiel in Anwesenheit von »Ehrengästen« und »ranghohen Vertretern der beiden Armeen« wollen Soldaten an den »Weihnachtsfrieden« 1914 erinnern. Auf dieses kurze, von der Befehlsebene nicht autorisierte Intermezzo folgte historisch eine fast vierjährige Materialschlacht mit Millionen Toten. – Und was folgt auf die autorisierte Sportveranstaltung auf einer Kampfbahn im Sennelager, bei der ausnahmsweise nur auf Tore geschossen wird? Wir wissen es: Geübt wird dann weiterhin für weltweite Kriegseinsätze. Und beim Üben wird es nicht bleiben. Laufzeit: unbefristet.

C. S.


»Deutscher Osten« anno 2014
Zu Besuch bei Schweizer Freunden. Ein Ausflug führt uns nach Norden über den Rhein, mit Zwischenhalt in einer bei Franken-Besitzern beliebten »Einkaufsstadt«. Unweit des Bahnhofs fällt unser Blick auf einen gut mannshohen Gedenkstein und den grünen Kranz davor mit der Schleifenaufschrift: »In stillem Gedenken – Stadt Lörrach«. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches, denn im November wird traditionell der Toten gedacht.


Nicht so in diesem Fall. »Gedenkt des deutschen Ostens« lautet die in den Stein gemeißelte Aufforderung. Zehn Wappen und deren Beschriftung verdeutlichen, was gemeint ist: Baltenland, Brandenburg, Danzig, West- und Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Siebenbürgen, Sudetenland, Wartheland.


Brandenburg ist dort wohl nur aufgeführt, weil es zum Zeitpunkt der Errichtung des Gedenksteins zum »falschen« Deutschland gehörte. Aber wenn die übrigen neun Regionen – von denen manche allein in der Nazizeit von Deutschland besetzt oder annektiert waren – heute durch eine deutsche Stadt en bloc und offiziell als gedenkenswerter »deutscher Osten« eingestuft werden, wirkt das als politische Kampfansage. Die neun sind fester Bestandteil anderer Staaten, und Angaben wie »Baltenland« (Estland, Lettland und ein Teil Litauens) oder »Wartheland« (Nazi-Reichsgau in Polen) wecken in deutschem Zusammenhang Erinnerungen an Untaten von Wehrmachts-, SS- oder Polizeiverbänden (und deren »Hiwis«).


2014: Alle reden von Aussöhnung, Völkerverständigung und einem geeinten Europa – Lörrach gedenkt eines »deutschen Ostens«. Sollten in diesem Nachbarort der weltoffenen Stadt Basel tatsächlich mehrheitlich rückständige Menschen wohnen, die von einem nach Osten ausgreifenden »Großdeutschland« träumen? Oder legen die von ihnen gewählten städtischen Repräsentanten mit dem Gedenkkranz »nur« eine geschichtsvergessene Ignoranz an den Tag?

I. D.


Wahre Europäer
Auch wenn mir so mancher derzeitige Rückblick auf den Ersten Weltkrieg wie eine Flucht vor den Problemen der Gegenwart vorkommt, das Projekt des Aufbau-Verlags, in diesem Gedenkjahr die Briefe (leider nur bis 1918 und sehr spärlich kommentiert) zwischen Romain Rolland und Stefan Zweig neu aufzulegen, ist äußerst verdienstvoll. Diese beiden Jahrhundert-Briefschreiber stehen für die absolute Minderheit damaliger Haltungen. Rollands konsequente Haltung gegen den Krieg hat wesentlich dazu beigetragen, daß Stefan Zweig die anfängliche Position, die eine kriegführende Seite – wenn auch nur ein wenig – der anderen vorzuziehen, überwand. Und gemeinsam taten sie in diesen aufgeheizten Zeiten viel, um weltweit Verbündete zu gewinnen, damit die europäische, die internationalistische Idee nicht untergeht. Und gerade hier wird der bittere Bezug zur Gegenwart deutlich: Was ist aus diesen Ideen, auch wenn es nun offizielle Bündnisse und Strukturen gibt, geworden? Rolland und Zweig ging es um größtmögliche Mitmenschlichkeit, um die Freiheit jeden Individuums, um Solidarität und einen europäischen Geist, der Krieg ausschließt.

Christel Berger

Romain Rolland/Stefan Zweig: »Von Welt zu Welt. Briefe einer Freundschaft 1914 – 1918«, aus dem Französischen übersetzt von Eva und Gerhard Schewe sowie Christel Gersch, Aufbau-Verlag, 461 Seiten, 24,95 €


Rätselhafte Militarisierung

Selbst harmlose Gemüter, die sich am Rätselsport erfreuen, sind zunehmend mit der Militarisierung der Gesellschaft (vgl. Ossietzky 22/14) konfrontiert. Rätselfreunde treffen auf Beispiele wie: »Waffe scharf machen« für »laden«, »verteidigungsunfähig« für »wehrlos«, »umgangssprachlich Gewehr« für »Knarre«, »umgangssprachlich Militär« für »Barras« oder »militärisch aufstellen« für »antreten«. Auch Bismarcks Vorname Otto ist wieder häufig gefragt und wird so in Erinnerung gerufen. Und der Vizeadmiral Maximilian von Spee geistert schon seit Jahren durch alle Rätselformationen. Dabei könnte man »Spee« auch mit »bewährtes Ostprodukt« umschreiben. Aber vielleicht wäre das ein Affront: Tausche toten Vizeadmiral gegen Waschmittel aus dem Osten.

Christel Dürlich


Feinsprech
In der Sprache steckt Zauberkraft. Wie man mit Farbe einer Sache ein freundliches Aussehen geben kann, so kann man mit der Sprache einer sozialen Mißhelligkeit zu Glanz verhelfen. Das Verhältnis von Herr und Knecht wird geadelt, wenn man es Wertegemeinschaft nennt. Eine Torheit wird zur Weisheit, wenn sie als alternativlos bezeichnet wird. Mit Phrasen angereichertes Geschwätz erhält hoheitlichen Glanz durch die Bezeichnung als Neujahrsansprache. Geistige Enthaltsamkeit wird wertvoll in der Formulierung Fraktionsdisziplin. Eine gewisse Vollendung wird mit dem Begriff »negative Zinsen« erreicht, mit dem die Banken jene Geldbeträge bezeichnen, die sie von den Konten der Sparer wegnehmen und eigener Verwendung zuführen. Vollendung deshalb, weil damit nicht nur eine Verletzung der Geschäftsgrundlage einhergeht, sondern auch noch der Eindruck vermittelt wird, daß der Sparer Schuld trägt an wirtschaftlichen Verwerfungen.

Günter Krone


Nicht verwertbar

»Es existiert eine Bedrohung durch Terroristen – und ebenso eine durch Staatsterrorismus, der vorgibt, sich gegen Terroristen zu richten. Die Konsequenz ist Gewalt.« Diesen Hinweis gab Papst Franziskus bei seiner Rückreise von Straßburg nach Rom neugierigen Journalisten. In den Medien hierzulande, die sonst gern aus der Welt des Katholizismus berichten, wurde der Satz kaum erwähnt, obwohl er doch gedanklich anregend sein könnte. Irgendwie erschien er wohl als unpassend.

P. S.


Vorsicht, Faschist!

Immerzu werden Antifaschisten und Antimilitaristen hierzulande mit der Forderung bedrängt, sich von anderen zu distanzieren. Als eine besonders wirksame Methode des Auseinanderdividierens erweist sich die Anschuldigung, diese oder jene Gruppe und jeder, der mit ihnen Umgang habe, seien Faschisten.


Kürzlich schrieb mir ein führendes Mitglied der Partei Die Linke, Antifaschismus bedeute für ihn, »gegen antiemanzipatorische, antihumanistische, diskriminierende, rassistische, sexistische, antisemitische und nationalistische Tendenzen vorzugehen, denn diese führen in letzter Konsequenz zum Faschismus, den es zu bekämpfen gilt«. Ja gut, aber sollen wir nun etwa anhand eines solchen Kriterienkatalogs entscheiden, wer mit wem gemeinsam gegen die NPD oder gegen Rüstungsexporte oder gegen die Schnüffelei der Geheimdienste demonstrieren darf? Nicht jedes Vorurteil macht einen Faschisten aus, und je mehr Ausgrenzungsgründe wir auflisten, desto weniger Mitdemonstranten bleiben übrig – was mir auch der Zweck vieler Distanzierungsforderungen zu sein scheint.


Mir fällt auf, daß unter den Faschismus-Kriterien gewöhnlich die beiden glatt vergessen werden, die ich für die entscheidenden halte: Gewerkschaftsfeindlichkeit und Antikommunismus. Was alle Faschismen der Welt miteinander verbindet – auch den ausdrücklich nicht antisemitischen im Italien Mussolinis oder im Chile Pinochets und besonders deutlich den prosemitischen des norwegischen Massenmörders Breivik –, ist doch gerade die Tendenz zur Zerschlagung der Arbeiterbewegung und ihrer Organisationen.


Mein Vater hat mir eine Erfahrung aus dem Jahre 1971 vermacht, als in der Chemie-Industrie erstmals nach Jahrzehnten gestreikt wurde. Da schwatzten zunächst sogar Betriebsratskollegen von »Itakern« und »Spaghettifressern«, mit denen sie nur ungern streiken wollten. Als sie dann aber beim gemeinsamen Postenstehen am Werkstor zwei Wochen lang Streikbrecher gestoppt hatten, war am Arbeitsplatz wie auch im Betriebsrat von Xenophobie nichts mehr zu spüren.


Es ist einfach töricht, die Überwindung von Vorurteilen zur Vorbedingung gemeinsamer Aktionen zu machen. Vielmehr lassen sich Vorurteile gerade in der gemeinsamen Aktion überwinden.


Als die Nazis 1932 bei der November-Wahl 1,2 Millionen Stimmen verloren – teilweise nach links –, sagte kein Ossietzky und kein Brecht: Wir wollen diese Stimmen nicht, sie kommen ja von rechts; sie waren froh darüber, hatten darauf hingearbeitet. Brecht hatte sogar eine Art Werbelied für SA-Leute geschrieben.
Ich kann auch meine Partei Die Linke nur davor warnen, sich im Streit über den Umgang mit angeblichen »Verschwörungstheoretikern«, »strukturellen Antisemiten«, »autoritären Charakteren«, »Antieuropäern, »Antiamerikanern«, »Populisten mit verkürzter Kapitalismuskritik«, »Chauvis«, »Machos«, »latenten Sexisten« und »homophoben Heimatfetischisten« zu zerreiben. Medienkonzerne, vielleicht auch geheimdienstliche Sprachlabore liefern dafür nur allzu gern die Verwirrwörter, und sogenannte Antideutsche oder Gemäßigte in der Partei greifen sie nur allzu gern auf.


Weil wir als Linke schon für alles mögliche beschimpft, verboten oder berufsverboten worden sind, sollten wir besonders in Zeiten von Facebook und Twitter niemandem leichthin gestatten, ohne belastbare Beweise mit rufmordenden Begriffen wie »Faschist«, »Nazi«, »Rassist« »Antisemit« die berufliche und politische Existenzen zu zerstören.

Diether Dehm

Unser Autor unterstützt den von vielen verschiedenen Friedensinitiativen, darunter auch Vertretern der »Montagsmahnwachen«, gemeinsam vorgeschlagenen Aufruf zu »Friedenswinter«-Aktionen, die am 13. Dezember vor Schloß Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, beginnen und auf Kundgebungen am 8. Mai 2015 orientieren sollen.

Red.


Vorsorge – für wen?
Der jüngste Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung hat die Unternehmen in dieser Branche zu eindringlichen Botschaften an ihre potentiellen Kunden ermuntert: Wenn die Altersvorsorge aus der Gesetzlichen Rentenversicherung – wie von den Regierenden angekündigt – immer weniger das Armutsrisiko vermindere (2030 soll ihre Leistung nur noch bei 43 Prozent des Durchschnittseinkommens liegen), dann sei es doch nun wirklich an der Zeit, sich zusätzlich privat zu versichern. Die Politiker machen dazu Begleitmusik: Dafür sei doch die staatlich geförderte Riester-Rente ein schönes Angebot, es werde nur zu wenig genutzt. Gerade die jüngeren Arbeitnehmer mit bescheidenem Einkommen seien viel zu riestermuffelig, zeigten überhaupt wenig Lust, einen privaten Vorsorgevertrag abzuschließen.


Wie mag das zu erklären sein? Gutdotierten Politikjobbern wird der Gedanke fremd sein, daß man die nötigen Penunzen für die privaten Altersvorsorgebeiträge erst einmal haben muß.


Außerdem ist es nicht so, daß Geringverdiener des Rechnens unkundig seien. Ihnen bringt im Alter das vorhergehende jahrelange Riestern nicht mehr als die staatliche Grundsicherung, auf die eine Riesterrente angerechnet wird. Armut also. Den Versicherungsunternehmen allerdings schafft es zuvor Geld in die Kassen. Um Vorsorge handelt es sich zwar – aber um eine Version derselben, die den Profit der »Assekuranz«-Branche sichern soll.

A. K.


Keuschheitstest
Burkhard Lischka MdB, sozialdemokratischer Innenexperte, gibt über die taz Einblick in Pläne der Großen Koalition, V-Leute des Verfassungsschutzes vor Strafverfolgung zu schützen, die ja deren Aktivitäten hinderlich sein kann. »Szenetypische Straftaten« dieser fleißigen Mitarbeiter sollen zukünftig nur noch in krassen Fällen geahndet werden. Der Hitlergruß sei dann erlaubt, notfalls dürfe ein V-Mann sogar die Scheiben eines SPD-Büros einschlagen; man müsse dafür sorgen, daß die unbesoldeten Extremisten nicht per »Keuschheitstest« den staatlich bezahlten Kumpanen auf die Schliche kommen, sie »enttarnen«.


Möglicherweise führt eine solche juristische Neuerung aber zu einem Problem im VS-Etat: Besonders eifrige Hakenkreuzpinsler und Holocaustleugner könnten eine Prämie verlangen, wegen Überstunden in »szenetypischer« Arbeit. Und an wen sollen sich SPD-Büromenschen wegen Fensterschaden halten? Linke Einrichtungen müssen freilich nicht entschädigt werden, da hausen ja selbst Extremisten.

M. W.


Walter Kaufmanns Lektüre

Man schlage das Buch (wie die Engländer sagen) at random auf, also irgendwo, und stets stößt man auf Sätze, die aufmerken lassen: »… natürlich fielen sie gleich wieder über uns her, schreibt Richard Burton am 11.9.1971 in Nis in sein Tagebuch, »aber wir sind in unserem Wagen verschwunden und sahen dann verwundert das beinahe lächerliche altmodische Gepose des deutschen Schauspielers Hardy Krüger mit an …, er blickte tatsächlich gen Himmel und zeigte dabei sein Profil mal von der einen, mal von der anderen Seite. Ich traute meinen Augen nicht …« Scharf beobachtet und bissig auch, ganz der Arbeiterjunge aus dem Kohlerevier in Wales, Sproß einer allzu großen Familie, der jung in fremde Pflege gegeben wurde, nachdem der Vater umkam. Burton kann schreiben, und das mit Wucht, und wie er es auf der Höhe seines Ruhms in knapp sieben Jahren schaffte eine derartige Menge aufzuzeichnen, bleibt ein Wunder – der Mann ging mit dem berühmten Old Vic auf Tournee, stand in ungezählten Shakespeare-Rollen auf den Bühnen der Welt, reiste zu Drehorten auf etlichen Kontinenten, wirkte in mehr als 70 Spielfilmen mit, lebte unbändig, trank unbändig, liebte die Frauen, vergötterte Elizabeth Taylor, die er verwöhnte und mit der er sich stritt, und er schleppte Packen von Büchern wohin immer es ihn verschlug: Er las und las und las ...


Die Tagebücher offenbaren einen leidenschaftlichen und zugleich introspektiven Mann, der höher und höher hinaus wollte und stets mit dem von ihm Erreichten haderte, und sie zeigen einen gefeierten Schauspieler, der zu Recht stolz auf seine Leistungen ist, den Weltstar und Superreichen mit Privatflugzeug und Luxusjacht, doch auch den Familienmenschen Burton, den Vater und Ehemann, der eifersüchtig über seine Elizabeth wacht, die er stets geheimnisvoll wie eine Fremde empfindet, einen nie verblühenden One-Night-Stand.


Die Tagebücher – man sollte sie nicht hintereinanderweg lesen, sondern in Abständen – sind schonungslos nicht bloß gegen andere, sondern auch gegen den, der sie schrieb, indiskret sind sie, streitlustig und nicht selten durchzogen von tiefster Melancholie.


Sie lassen einen nicht los.

Walter Kaufmann

»Richard Burton – Die Tagebücher«, hg. von Chris Williams, aus dem Englischen von einem Kollektiv, Haffmans & Tolkemitt, 688 Seiten, 34,99 €

 

Zuschrift an die Lokalpresse
Wie die Berliner Morgenpost und andere Zeitungen Anfang November berichteten, haben Rechtsextreme Ende Oktober auf dem Kölner Hauptbahnhof eine Hetzjagd auf ausländische Fahrgäste veranstaltet. In einem Zug von Köln nach Münster hat der Schaffner beherzt reagiert und die Bedrohten in einem verschlossenen Waggon untergebracht. Da erfahrungsgemäß mit weiteren Attacken gegen Personen zu rechnen ist, die nicht auf den ersten Blick als Arier zu erkennen sind, sollte dieses Beispiel Schule machen. Soviel ich weiß, hat es ja in Deutschland schon mal Abteile für nichtdeutsche Minderheiten gegeben, und in den USA war es üblich, daß Bürger, die ein ehemaliger Bundespräsident als Neger bezeichnen würde, nur für sie bestimmte Straßenbahnabteile benutzen durften. Sollten wir nicht generell auf die damit gemachten Erfahrungen zurückgreifen? Dann wären volksfremde Elemente unter sich und könnten keinen Schaden anrichten!


Das wirft allerdings auch einige Fragen auf:
Wo können unbelehrbare nichtdeutsche Reisewillige bis zum Eintreffen der Züge verwahrt werden?


Was geschieht mit den Personen, wenn wegen der Streiks der Lokführer zeitweilig keine Züge fahren?


Sollte man die Züge, Busse oder Straßenbahnen außer mit Schildern wie »Benutzung nur mit gültigen Fahrausweisen« auch mit der Warnung »Benutzung nur auf eigene Gefahr« ausstatten? Dann wäre die Bahn aus dem Schneider, wenn doch mal was passiert! – Gunnar Schuricke (80), Rentner, 15711 Deutsch Wusterhausen

Wolfgang Helfritsch