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Titel417

Bemerkungen

Der Zwölfte

Elf Präsidenten hatte das Land.

Ich hab’ jeden von ihnen gekannt.

Über jeden konnte man streiten.

Jeder davon hatte zwei Seiten.

Da kann der zwölfte nun ganz allein

doch nicht die große Ausnahme sein.

C. T.

 

 

 

Ja, es geht um Werte!

Die Bundeskanzlerin beschwört Erdoğan, Trump und manch anderen Politiker, die gemeinsamen Werte zu pflegen. Bei der Aufzählung bleibt sie meist bei der Demokratie und der Freiheit hängen. Die Gleichheit und die Brüderlichkeit sind schon seit vielen Jahren in den großen bürgerlichen Ländern verloren gegangen. Das ist ihr wohl bewusst.

 

Die Freiheit ist auf die Eliten aus Wirtschaft und Politik beschränkt und die hochgelobte Gewaltenteilung in Formalien der Gesetzgebung erstarrt. Die jeweils im Wahlrummel erzielte Parteienmehrheit übt ihre Macht dreifach, in den Parlamenten, in den Regierungen und über Proporzregelungen in der Justitia, aus. Das Volk als die bestimmende Macht bleibt für die Mandatszeit außen vor. Eine Alternative wäre die Gewaltenteilung per Verfassung mit einer echten Gewaltentrennung zu verbinden. Wahlprogramme als Richtungsweiser für die kommenden Jahre sehen eine solche Aufgabe in Deutschland nicht vor. Die Gesundung der Demokratie scheint für die politischen Eliten kein erstrebenswertes Ziel zu sein. Der Absolutismus des Geldes bleibt für weitere vier Jahre in der Werteskala an vorderer Stelle.

 

2019 begeht Deutschland den 100. Geburtstag der ersten deutschen bürgerlichen Verfassung. Das wäre ein sinnvoller Anlass, um über den Zustand unserer Werte öffentlich zu debattieren.

 

Im Übrigen teilen wir wohl kaum mit Uncle Sam, mit dem Big Stick, der Nationalallegorie der USA alle Werte.

 

Günter Buhlke

 

 

Aus-Wahl

Der Kunde schreitet hoffnungsvoll zur Wahl.

Im Supermarkt zum Eierregal.

In dem Regale aber steht

kein Ei der besten Qualität.

Will der Kunde nun mitnichten

auf ein Frühstücksei verzichten,

muss er, weil die besten fehlen,

was gerade da ist, wählen.

Stört den Kunden diese Wahl,

ist das dem Supermarkt egal,

weil er das nicht zur Kenntnis nimmt,

sofern nur seine Kasse stimmt.

Günter Krone

 

 

Eine Wölfin für die Schulen

Weder echte Wölfe noch Wölfe im Schafspelz sind als Schafshirten geeignet. Die Metapher passt erschreckend zum neuen Kabinett von Donald Trump, einem Rudel zähnebleckender Raubtiere. Manche mordeten als Generäle mit Raketen und Uranmunition, mancher Wirtschaftskapitän erbeutete Millionen durch Ausbeutung, Betrug oder beides.

 

Als Bildungsministerin hätte man etwas Zarteres erwartet. Doch nein, wenn ihr Ministerium nicht gerade das kleinste wäre und wenig mit Gewalt zu tun hätte (neuerdings jedoch leider häufiger), könnte man Betsy DeVos die Alpha-Wölfin nennen.

 

Was zeichnet sie aus? Sie ist Erb-Milliardärin. Weder sie noch ihre vier Kinder besuchten je eine öffentliche Schule, nur finanziell gut ausgestattete kirchliche. Zweitens, ihre Mission, das einst stolze Schulsystem des Landes weiter zu demontieren und zu privatisieren. Drittens, von Bildungsproblemen und Bildungsgesetzen kaum Ahnung zu haben.

 

Weil das US-Schulsystem seit Jahrzehnten immer maroder wird, setzt eine Reihe reicher Leute darauf, Eltern mit besseren privaten, kirchlichen Schul-angeboten für ihre Kinder zu locken oder mit Charter Schools (Vertragsschulen), die zwar staatlich finanziert werden, aber vom Schulsystem getrennt sind – und Besseres bieten sollen. Manche tun das, manche nicht. Die Schulen haben es leichter, weil sie nur selektiv Kinder annehmen. Sie bieten schöne Namen, etwa »Akademie«, dafür schlechter bezahlte Lehrer, keine Gewerkschaften, keine Elternmitsprache, aber reichlich Profit auf Kosten der nun noch schlechter finanzierten öffentlichen Schulen. Dafür begeistert sich seit Jahren Betsy DeVos. Wenig Interesse zeigt sie hingegen für Hochschulstudenten, die beim Studienabschluss eine Schuldenlast drückt; US-weit haben die Kreditschulden jetziger und ehemaliger Studenten eine Höhe von einer Billion Dollar erreicht. Von Versuchen, unter anderem die Studiengebühren abzuschaffen, hält DeVos nichts, von einer von Gott inspirierten Bildung hingegen viel.

 

Wie konnten US-Senatoren der Ernennung so einer Bildungsministerin zustimmen? Die von der Demokratischen Partei taten es nicht, aber sie verfügen nur über 48 von 100 Stimmen. Und die Republikaner überhörten das Knurren der Wölfin, das durch reichliches Dollarknistern übertönt wurde. Also hielten sie ihre mehrheitlichen Hände bereit, um mit Ja zu stimmen.

 

Doch einen Moment lang gab es Hoffnung. Wohl unter dem Druck der Lehrer- und Elternverbände, der Bürgerrechtsgruppen und vieler, die sich seit Jahren für ein modernes, kinderfreundliches Bildungssystem für alle einsetzen, beschlossen zwei Senatorinnen der Republikanischen Partei, gegen Betsy DeVos zu stimmen. Gäbe es noch einen einzigen Abweichler unter den Republikanern, dann hätte DeVos verloren. Doch den gab es nicht; das Resultat der Abstimmung lautete also 50 : 50.

 

Nun hat die Verfassung der USA dafür eine Lösung. Beim Patt im Senat, und nur dann, darf der Vizepräsident mitstimmen, und das ist Mike Pence, der noch reaktionärer ist als Donald Trump. Es gab keinen Zweifel, wie er entscheiden würde. Mit 51 Ja-Stimmen gegen 50 Nein-Stimmen bekamen die US-Amerikaner zur Aufsicht über ihr wertvollstes Gut eine reiche, bibeltreue, geldstrotzende Wölfin.        

 

V. G.

 

 

 

Frauen-Power in Galicien

Alle spanischen Tageszeitungen, auch das Blatt der Monarchisten, ABC, berichten auf ihren Regionalseiten über eine Initiative von Frauen im ländlichen Raum der Provinz Galicien. Weltweit bekannt ist die Provinz durch den Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Die Stadt ist auch Sitz der Provinzregierung. Die autonome Provinz hat eine eigene Sprache, das Galicische, das verwandt ist mit der portugiesischen Sprache. Wie in Nordportugal spielt hier der Dudelsack in der Musik eine zentrale Rolle.

 

Weniger bekannt ist, dass mittlerweile 8500 Milchviehbetriebe der Region von Frauen geleitet werden, weil deren Männer wegen der niedrigen Milchpreise nach Abschaffung der Milchquote eine andere Tätigkeit aufnehmen mussten, um die Familien zu ernähren. Um auf diese Situation aufmerksam und um die Leistungen der Frauen sichtbar zu machen, hat der Verband der Frauen in den ländlichen Gebieten von Galicien (FADEMUR) jetzt die Rohmilchmarke »Rural Muller« kreiert. Die Marke steht für »100 Prozent galicisch und feministisch«. Die Milch wird ab Frühjahr für 1,20 Euro pro Liter angeboten. Wer die Milch kauft, stärkt nicht nur die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen, sondern auch ihr Konzept des regionalen Wirtschaftens.

 

Karl-H. Walloch

 

 

Finanzsplitter

Der heutige Zinsfuß hat für den Sparer einen Pferdefuß.

*

Der einflussreichste Chor in Deutschland singt nicht nach Noten, sondern nach Banknoten.

*

Der Spitzensteuersatz ist ein schlechter Springer; er kann eine bestimmte Höhe nicht überspringen.

*

Schüler werden in der Schule mit der Ethik vertraut gemacht und im Leben mit der Monetik.

 

Dietrich Lade

 

 

Integration und Leistung

Auf ins Kino! Verschiedene Filmkritiken versprachen gute Unterhaltung. Außerdem galt es einen Gutschein einzulösen. »Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen« war unser Ziel. Worum es geht, kann man gerade überall nachlesen: Eine Gruppe schwarzer Frauen mit ausgezeichneten mathematischen oder technischen Fähigkeiten arbeitet in den 1960er Jahren bei der NASA, die gewaltig unter Druck steht, weil »die Russen« schneller im Weltraum sind. Der Film zeigt nun, wie diese Frauen im Beruf und außerhalb diskriminiert werden und sich erst mühsam die Anerkennung ihrer Vorgesetzten und KollegInnen erobern müssen. Parallel gibt es noch einige wenige Bilder, die den allgemeinen Rassismus und den Kampf dagegen in den USA zu dieser Zeit zeigen. Die hochintelligenten drei Frauen erreichen durch Leistung und Beharrlichkeit ihre Ziel, die relative Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen. Soweit ein schöner Film, der uns mal wieder in Erinnerung ruft, dass sich Leistung lohnt. Seltsam ist, dass der Film nun im Jahre 2017 läuft, wo diese Botschaft weder in den USA noch bei uns ganz große Massen zu ködern vermag.

 

Kürzlich sah ich einen »Tatort«, der spielte in Wien, darin wurde in der Handlung scharfe Kritik an der Leistungsgesellschaft artikuliert, sogar von Gudrun Ensslins letzter Lektüre war die Rede, und was Gewalt heute sei. Ich war ob der vehementen bürgerlichen Kritik an den heutigen Verhältnissen überrascht. Besonders gut gelungen die Szene, in der sich der Kommissar über den möglichen Drogenkonsum der Tochter und ihres Freundes aufregt. Die Tochter erwidert, dass es bei diesen Drogen im Gegensatz zu denen, die vielleicht ihr Vater in seiner Jugendzeit konsumierte, nicht um Spaß et cetera geht, sondern um Leistungssteigerung; bunte Pillen, die helfen, in einer mörderischen Leistungsspirale mitzuhalten, in der, wie es heißt, der Gewinner alles nimmt, das heißt, die anderen gehen leer aus. Das ist der (Un-)Geist unserer Zeit.

 

Und nun obiger Film, der alte Mythen des Aufstiegs und der Integration durch Leistung wiederbelebt. Und wir fragen uns: Wer soll das noch glauben, wenn selbst in bürgerlichen Zeitungen, die ins Unvorstellbare angewachsenen Vermögensunterschiede thematisiert werden.

 

Eigentlich entwickelt sich alles in großen Schritten rückwärts. Ich lese gerade: »Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal« von Christoph Bartmann, ein Buch, von dem ich annehme, dass es auch Frau Merkel gelesen hat oder es schon kannte, als sie unsere Grenzen kurzzeitig geöffnet hat. Denn dort steht: »In Zeiten der Beinahevollbeschäftigung wird der heimische Arbeitsmarkt nicht ausreichen, den Bedarf zu decken. Werden genug hoffnungsvolle junge Menschen den Beruf der Hauswirtschafterin ergreifen wollen? Und werden genug Migrantinnen bereitstehen, um weiter mäßig bezahlte, hochflexible und befristete Aufgaben in unseren Haushalten wahrzunehmen.« Von Beinahevollbeschäftigung weiß ich nichts, aber immerhin. Waren wir die falsche Zielgruppe des Films?

 

Sicher ist, dass sich die Konkurrenz vor allem bei jungen Menschen in der Schule und Universität dramatisch verschärft hat. Welchen Weg werden sie gehen, den der »hidden figures« oder entdecken sie Karl Marx und sein unvollendetes Werk?           

         

Wolfgang Haible

 

 

Was Deutschen nicht gelang

Günter Pappenheim, ehemaliger Häftling im KZ Buchenwald, ist heute Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos sowie Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora. Der 91-jährige sagt von sich, dass der Schwur, den er am 19. April 1945 in Buchenwald leistete, ihm in seinem weiteren Leben Kompass war. Den Nazismus mit seinen Wurzeln auszurotten und sich für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit einzusetzen, sei nun eine Aufgabe, die folgenden Generationen übertragen werden müsse, mahnte er am 27. Januar 2017 in Erfurt. Dort wurden ihm vom Botschafter der Französischen Republik in Deutschland, Philippe Étienne, die Insignien eines »Kommandeurs der Ehrenlegion« überreicht. Durch Erlass des Präsidenten der Französischen Republik wurde mit der ranghöchsten staatlichen Auszeichnung Frankreichs ein aufrechter deutscher Antifaschist geehrt. Günter Pappenheim hatte als 18-jähriger auf seiner Ziehharmonika in einer Arbeitspause für französische kriegsgefangene Zwangsarbeiter anlässlich ihres Nationalfeiertages 1943 die »Marseillaise« gespielt. Denunziert, verhaftete ihn die Gestapo, misshandelte ihn im Suhler Gefängnis und wies ihn schließlich mit Schutzhaftbefehl in das KZ Buchenwald ein. Er überlebte Dank solidarischen Verhaltens deutscher Sozialdemokraten und Kommunisten, die sich seines Vaters erinnerten, der schon im Januar 1934 im KZ Neusustrum bestialisch ermordet worden war.

 

Der Präsident der Französischen Republik hielt das Lebenswerk des Mitglieds im Ehrenpräsidium der internationalen Föderation ehemaliger Widerstandskämpfer (FIR) für auszeichnungswürdig. In der deutschen Bundesrepublik hieß es lapidar, dass »[...] die nach den verbindlichen Ausführungsbestimmungen zum Statut des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geforderten Voraussetzungen für eine Verleihung des Verdienstordens nicht erfüllt sind […].«

 

Gerhard Hoffmann

 

 

Kinder sollen nicht weinen

Eigentlich heißt es ja in Brechts Gedicht »Bitten der Kinder«: »Mütter sollen nicht weinen«. Als ich den überfüllten Raum im Kulturhaus Berlin-Karlshorst betrat und die wunderbaren Kinderzeichnungen sah, konzentrierte sich meine Erinnerung auf die Kinder. Am 3. Februar wurde hier die Ausstellung »Syrien: Reflexionen 1978 – Zeichnungen und Gouachen von Ronald Paris und Bilder von Flüchtlingskindern« eröffnet (vgl. Ossietzky 21/2016). Der VVN/BdA hat die Bilderschau ermöglicht. Der Eindruck ist überwältigend. Da hängen die farbstarken Syrien-Gemälde von Ronald Paris aus dem Jahr 1978 und – im Mittelpunkt – sein großformatiges Bild »Charons Boote im Mittelmeer«. Im Ausstellungsraum sind den professionellen Arbeiten die Zeichnungen und farbigen Blätter syrischer Flüchtlingskinder gegenübergestellt.

 

Ich lernte die neunjährige Darya kennen, ein selbstbewusstes, fröhliches Mädchen, das mit dem elfjährigen Bruder und dem Vater gekommen ist. Stolz zeigt sie mir ihre Bilder. Oft ist die Sonne zu sehen, blühende Bäume, Häuser, eine Katze auf dem Dach, aber auch Hubschrauber und Raketen, die auf ein friedliches Haus zielen. Ein Junge namens Hossein malte beinahe zeichenhaft ein Fußballspiel. Auch ein Boot auf dem Meer ist zu sehen, Charons Todesboot? In einer Vitrine sind aus Papier gefaltete Schiffe ausgestellt mit kindlich hingekritzelten arabischen Schriftzeichen, die niemand übersetzen konnte. Sind es Boote mit Wünschen, die man aufs Wasser setzt, oder Erinnerungen an die Todesfahrt über das Meer? Ergänzt ist das mit kleinen verspielten Keramiken. Ein Junge namens Schuruk hat ein Bild gemalt, das schwere Traumata erkennen lässt. Auf einer anderen Zeichnung hält ein Killer einem Kind das Messer an den Hals. Alter und Namen all der kleinen Künstler sind nicht mehr feststellbar; sie sind umgezogen in eine andere Unterkunft.

 

Syrien gehörte bis zum Beginn des Krieges zu den hoch entwickelten, modernen arabischen Ländern. Städte wie Homs, Palmyra und Aleppo sind jetzt zerstört. Ronald Paris kannte sie noch in ihrer Pracht und Schönheit. Sind die Flüchtlinge von heute die Kinder oder Enkel seiner syrischen Freunde vor fast 40 Jahren? Syrien nahm früher viele Flüchtlinge auf, das erwähnte der Kunstwissenschaftler Jörg-Heiko Bruns in seiner Laudatio. Nun sind die Syrer selbst auf der Flucht aus einem »Reich der Angst«. Zu einer Zeichnung schrieb ein Kind: »Gott, ich bin ein kleines Kind. Und das ist der Schrei eines kleinen Kindes«. Michael Landmann, der die Entstehung der Kinderzeichnungen betreute, notierte im Katalog: »Berichtet wird über die zwölfjährige Saja, eines der vielen Millionen Kinder in Syrien, die in Ruinen leben müssen. Nach dem Ausbruch des Krieges sei nichts mehr wie früher: ›Vor dem Krieg konnten wir einfach nach draußen gehen und wussten, dass es sicher ist. Das Leben war wirklich schön‹. Was Saja dann sagt, sollte aus keinem Kindermund zu hören sein: ›Meine Freundinnen Fatima, Zahra, Cera und Walaá wurden getötet, als wir bombardiert wurden. Ich habe mein Bein verloren. Aber nicht die Hoffnung.‹« Die Syrer lieben ihr Land. Kinder haben ein Recht auf Hoffnung, auf Frieden, sie brauchen die Heimat, nach der sie sich in ihren Bildern sehnen. Wir sind in der Pflicht zu helfen, auch dabei, das geschundene Land wieder aufzubauen.

 

Am 23. März wird Michael Landmann in den Ausstellungsräumen ab 18 Uhr einen Abend mit syrischen Flüchtlingen leiten, und am 2. April findet um 17 Uhr die öffentliche Finissage statt. Wer tätige Solidarität üben will, ist herzlich eingeladen.                           

 

Maria Michel

 

Kulturhaus Berlin-Karlshorst, Galerie, Treskowallee 82, Mo. bis Sa. 11 bis 19 Uhr, So. 14 bis 18 Uhr, Eintritt frei

 

 

 

Kaputtes Leben, großes Werk

Als sie sich in Carwitz an der Grenze zwischen Mecklenburg und Brandenburg eingerichtet hatten, schien sich alles zum Guten gewendet haben. Am politischen Himmel waren zwar dunkle Wolken aufgezogen, aber privat sah es gut aus: ein idyllisches Anwesen, eine intakte Familie mit einer Hausfrau, die ein großes Herz hatte, Helfer im Haus,( ..)ein Welterfolg mit dem Roman »Kleiner Mann, was nun?«. Überwunden schienen Alkohol-, Tabletten- und Morphiumsucht, Geldnöte und daraus resultierende Versuchungen zum Unterschlagen und Schuldenmachen. Dazu gab es Pläne, mit Landwirtschaft und Schreiben einen großen Lebenstraum zu verwirklichen, zur Ruhe zu kommen. All das gelang nicht. Die Gespenster der Vergangenheit kamen wieder. Abgründe, Katastrophen, Ängste. Die Frau, die ihn immer gerettet hatte, ließ sich, nachdem er sie im Streit angeschossen hatte, scheiden. Schreiben war Flucht vor sich selber.

 

Das Leben und Werk Hans Falladas (1893–1947) lässt sich in der gebotenen Kürze nicht erzählen. Peter Walther tut es auf über 500 Seiten, und er verfolgt das Auf und Ab detailliert. Im Vergleich mit vorangegangenen Biografien stützt er sich auf neue Quellen, beleuchtet unter anderem ausführlich die Anpassungsversuche Falladas in der Nazizeit, während er sich nach 1945 als Opfer darstellte. So bestimmen große Widersprüche das Leben dieses kranken Mannes, der doch so faszinierend vom gewöhnlichen Leben in seiner Zeit schreiben konnte.

 

Christel Berger

 

Peter Walther: »Hans Fallada. Die Biografie«, Aufbau Verlag, 527 Seiten, 25 €

 

 

 

Zuschrift an die Lokalpresse

In den USA und im Rest der Welt gibt es zurzeit eine große Aufregung wegen des vom US-Präsidenten verhängten Einreiseverbots für Menschen aus sieben muslimischen Ländern. Die Aufregung leuchtet mir ebenso wenig ein wie die Haltung der Richter, die das Verbot erst einmal stoppten. Der gewählte Präsident will doch nur alles sicherer machen und Uncle Sams Staaten wieder an die firste Stelle bringen, und nun sowas! Ich hoffe nur, dass sich Trump nicht aus der Offensive bringen lässt und die nächsten Maßnahmen festlegt, zum Beispiel: Ausweisung aller Nachkommen derjenigen, die in den letzten 200 Jahren aus diesen Ländern eingewandert sind, einschließlich aller Chinesen, Afrikaner, Russen, Polen und Inder. Das Bleiberecht sollten dagegen nur diejenigen erhalten, die in direkter Linie von Indianern oder im Ausnahmefall von deutschen Vorfahren abstammen, aber das müsste durch Familien-Stammbäume, Führungsgutachten und Zeugen aus mindestens drei aufeinanderfolgenden Generationen lückenlos nachgewiesen werden. – Mark Shatterhand (78), Bürgerrechtler, Leavenworth/Washington                 

 

Wolfgang Helfritsch