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Titel419

Zu wenige  (Heinrich Peuckmann)

Ich war der einzige im dunklen

Kinosaal, der einzige

der kam zu Kamens Tag

des anspruchsvollen Films

 

 

Ich war ein paar Minuten früher

dort, doch keiner folgte mir

Willst du ihn wirklich zeigen

den Film, allein für mich

 

 

fragte ich den Vorführer, den

ich kannte vom Fußballspielen

und dessen Namen ich vergaß

Na klar, allein für dich

 

 

such dir den besten Platz. So

lief dann »Wem die Stunde schlägt«

For Whom The Bell Tolls

von Hemingway, allein für

 

 

mich. Und ich sah Marias

Liebe zu Robert, sah Ingrid

Bergman und ihren Abschied

für immer und litt mit ihnen

 

 

Habe ich geweint? Ach Ingrid

Bergman, ach Kamens Tag

des anspruchsvollen Films und

ich, allein auf meinem Logenplatz

 

 

Wo es stand, das Kino

regelt jetzt eine Kreuzung

den Verkehr, Auffahrt zur

Hochstraße, die die Stadt

 

 

zerschneidet. Asphaltschlange

tiefe Wunde, Beleidigung des

Auges, gegen die niemand

wirklich niemand protestierte

 

 

beim Bau. Keine Ästhetik, nicht

wieder gut zu machen, niemals

Zerstörung meiner kleinen

Stadt. Nein, wir waren immer

schon zu wenige, schon damals

in dem dunklen Kinosaal

ich auf dem Logenplatz

und nur noch Hemingway

 

 

die Ingrid Bergman und jener

Vorführer, der den Film laufen

ließ allein für mich und

dessen Namen ich vergaß