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Titel0611

Betonblöcke und Betonköpfe  (Sergej Guk)
»Welcher Ort der Erde ist am stärksten radioaktiv verseucht?« fragte Alexej Jablokow, ein berühmter russischer Wissenschaftler, und antwortete selbst: nicht Tschernobyl, sondern der See Karotschai in der Nähe der sibirischen Stadt Tscheljabinsk. Die Menge der radioaktiven Substanzen, die das berüchtigte Kombinat »Majak« (ein Unternehmen, das sich unter anderem mit der Lagerung und Aufarbeitung von Kernbrennstoffen, mit atomgetriebenen Unterseebooten und mit waffenfähigem Plutonium beschäftigt) in das Gewässer hineinpumpt, sei mit hundert Tschernobyls vergleichbar. Nach und nach habe man den See mit Betonblöcken zugedeckt. Erfolglos: Die Seuche breite sich unterirdisch aus. Erst würden die kleinen Flüsse vergiftet und nachher auch die großen – bis hin zum Eismeer. Und Plutonium habe eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren ...

Der angesehene Ökologe Jablokow, Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, nannte weitere Gefahrenherde zwischen Murmansk und Wladiwostok: die außer Betrieb gesetzten Atomreaktoren, die jahrelang nicht entsorgt worden seien. Auch das Problem der Aufarbeitung verbrauchter Reaktor-Brennstoffe sei nicht zufriedenstellend gelöst. Noch dazu – als reichte der eigene Dreck nicht aus – führe Rußland radioaktive Abfälle aus der Schweiz, Deutschland, Spanien, Japan und sonst woher ein. 1000 Dollar pro Kilo. Eine saftige Beute. Zugreifen. Was in 20 oder 30 Jahren daraus wird – wen interessiert das heute? Daß sich der heutige Gewinn in riesige Verluste verwandeln wird – was geht das die Unternehmer an, die heute schnellen Profit machen?

Alexej Jablokow schlägt vor, zwei Kilometer tief nach Erdwärme zu bohren. Aus einer Bohrung könne man so viel Energie gewinnen wie aus einem AKW, die Investition koste nur ein Viertel.

Betonköpfe rechnen anders.

Nach jüngsten Plänen sollen in Rußland 26 neue AKW-Blöcke gebaut werden.