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Titel814

Antworten

Redaktion F.A.Z. am Sonntag. – Der Russe ist schuld. An allem. LeserInnen der Werktagsausgaben der Frankfurter Allgemeinen wissen das. Für den Sonntag aber wollten Sie mit Ihrer Zeitung noch mal eins draufsetzen, illustrativ, und wurden fündig im Archiv der CDU. Und so haben Sie aufs Titelblatt ein Bild gesetzt, das aus einem christdemokratischen Wahlplakat des Jahres 1953 stammt: Böse moskowitische Augen starren uns da an, schreckenerregend, auf der Mütze darüber Hammer und Sichel. Darunter Ihre Titelzeile: »Moskau nimmt Ukraine in die Zange.« Putin als Foltermeister also. Im Jahre 1953 stand auf dem Plakat: »Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau.« Das richtete sich gegen die SPD, vor der Wahl dieser Partei sollte gewarnt werden. Das Bildmotiv war schon damals nicht originell, es war dem hitlerdeutschen Propagandafundus entnommen. Er hat offenbar von 1941 bis 2014 weitergelebt, der visualisierte russische Untermensch. Im Kopf einer Redaktion, die sich auf Klugheit gerade ihres Publikums beruft.

Volker Rühe, bewährter Militärpolitiker. –
Die bundesregierende Koalition hat Ihnen eine wichtige Aufgabe zugedacht: Sie sollen eine Kommission leiten, die sich mit den Parlamentsrechten bei der Mandatierung von Einsätzen der Bundeswehr out of area beschäftigt, diese »überprüft und sichert«. Sichern bedeutet hier: Der Bundestag, dessen große Mehrheit ja keineswegs aus Verweigerern besteht, wenn deutsche Soldaten ins ausländische Feld zu schicken sind, darf weiter absegnen, aber das soll reibungslos geschehen, ohne Verzögerung. Am besten nachträglich. Als Bundesverteidigungsminister haben Sie seinerzeit dafür gesorgt, daß es verfassungsjuristisch als »Verteidigung« gedeutet wird, sich militärisch den »Zugang zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt« zu verschaffen – diese Formulierung stand erstmals in Ihren »Verteidigungspolitischen Richtlinien« von 1992. Und eifrig haben Sie sich für die Expansion der NATO gen Osten eingesetzt. Für die Überprüfung noch bestehender parlamentarischer Funktionen sind Sie der richtige Mann.

Joachim Gauck, notorischer Heuchler. – Als Sie jüngst Griechenland besuchten, um den dortigen Politikern gut zuzureden, damit sie weiter still und brav Gesundheits- und andere Sozialetats kürzen und das so eingesparte Geld an deutsche Rüstungskonzerne und Kreditinstitute überweisen, mußten Sie auch – wie zuvor in Frankreich und Italien – zu einer Gedenkstätte pilgern, die an einen Massenmord deutscher Truppen erinnert. Und wieder ließen Sie sich mit Ihrem beträchtlichen Gewicht auf die Schultern eines alten Mannes sacken – in diesem Fall war es kein direkter Überlebender des Massakers, sondern der griechische Staatspräsident –, als wäre der verpflichtet, Sie zu stützen und zu trösten. Vermutlich meinten Sie, ihm den Atem rauben zu können, so daß er nicht mehr fähig wäre, die Milliarden Euro zur Sprache zu bringen, die Deutschland seit 60 Jahren dem ausgeplünderten griechischen Staat und den Hinterbliebenen der Ermordeten schuldet. Uns tat allein schon das Zusehen weh. Unterlassen Sie künftig solche abscheulichen Gesten!