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Titel816

Bemerkungen

Quod licet Iovi
Der ehemalige Präsident der Republika Srpska in Bosnien, Radovan Karadžić, wurde eben wegen der von ihm zu verantwortenden Massentötung von Muslimen und Kroaten vom Internationalen Strafgerichtshof zu einer Freiheitsstrafe von vierzig Jahren verurteilt. Ich empfehle ihm, in der Gefängnisbücherei nach Vincent Bugliosi zu fragen. Im Internet ist nachzulesen, dass dieser 2015 verstorbene US-Amerikaner ein erfolgreicher, mehrfach ausgezeichneter Buchautor und ein nicht minder erfolgreicher Staatsanwalt war, der die Anklage in spektakulären Prozessen bemerkenswert vertreten hat. Dieser Mann hat also vom Buchschreiben und vom Strafrecht gleichermaßen viel verstanden. Sein Können und Wissen hat ihn ein Buch schreiben lassen, das in deutscher Übersetzung im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist und den Titel trägt »Anklage wegen Mordes gegen George W. Bush«. Darin ist über Bush zu lesen: »Er hat fast die ganze zivilisierte Welt gegen uns aufgebracht, er hat unser Land über eine Billion Dollar gekostet, er hat den Staat Irak buchstäblich zerstört, und er ist direkt verantwortlich für den Tod von über 4000 amerikanischen Soldaten und da-rüber hinaus von mehr als 100.000 irakischen Opfern des Krieges …« Selbstverständlich hat kein amerikanischer Staatsanwalt tatsächlich Anklage gegen Bush erhoben. Ein Strafausschließungsgrund für Karadžić ist das auch nicht. Aber er kann daraus lernen, dass die biblische Geschichte von David und Goliath heutzutage anders ausgehen würde.

Günter Krone


Kurz notiert
Der erfolgreiche Opportunist preist seine Anpassungsbereitschaft als Prinzipientreue.

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Die geheimsten Wünsche verstecken wir in unseren Befürchtungen

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Aphorismen sind Grenzpfähle, die die Philosophie in den Bereich der Literatur vorgeschoben hat.

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Phrasen sind Tätowierungen des Denkens.

Norbert Büttner


Schicksal jüdischer Nachlässe
Wenn in diesen Monaten die vermutlich letzten Prozesse gegen ehemalige Naziaufseher vor verschiedenen bundesdeutschen Gerichten durchgeführt werden, tröstet dies wenig über die Tatsache hinweg, dass über viele Jahrzehnte diese Art der Strafverfolgung nur stiefmütterlich betrieben wurde. Es lässt sich jetzt nicht nachholen, was versäumt worden ist. Zumindest dienen diese Prozesse noch der Feststellung von Schuld und der Unrechtmäßigkeit der an vielen wehrlosen Menschen begangenen Tötungshandlungen. Zu Recht stehen die Opfer und die Nachkommen der Opfer gleichermaßen im Fokus der Berichterstattung, um ihnen zumindest das Gefühl zu vermitteln, dass es höchste Zeit ist, ihnen gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen.


Viel schlechter sieht die Situation bei der Klärung der Fragen um die Opfer der NS-Verfolgung aus, die ihr Vermögen während der Nazizeit verloren haben. Für deren Rechte setzt sich seit vielen Jahren der emeritierte Professor Fritz Enderlein in anwaltlicher Eigenschaft ein. Vielen Betroffenen konnte er helfen, wenngleich die rechtlichen Grundlagen bisher noch immer völlig unbefriedigend sind und zu Recht von ihm kritisiert werden. Wer immer Macht in diesem Lande ausübt oder in der Lage wäre, an Veränderungen mitzuwirken, wurde von ihm angeschrieben und mit Appellen bedacht, die nahezu ohne Ausnahme wirkungslos blieben. Im Mittelpunkt steht das Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen, das Enderlein für verfassungswidrig hält und das nach seiner Auffassung auch gegen das erste Zusatzprotokoll zur Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten verstößt.


Jetzt hat Fritz Enderlein seinem Herzen Luft gemacht und in einem Buch seine Beiträge zu dieser Thematik zusammengefasst. Es trägt den Titel »Erben und enteignet werden. Wie Nachlässe jüdischer NS-Verfolgter den legitimen Erben entzogen werden«. Der Leser findet hierin nicht nur Auseinandersetzungen mit der gegenwärtigen Rechtslage, sondern auch deutliche Kritik an staatlichem Fehlverhalten, besonders in Bezug auf die absolute Ausschlussfrist im Vermögensgesetz. Die Rechtspraxis der zurückliegenden Jahre zeigt, dass nach fast einem dreiviertel Jahrhundert der Zerschlagung des Hitlerfaschismus viele der einst ihres Eigentums beraubten jüdischen Menschen beziehungsweise deren Nachkommen noch immer nicht ihr Erbe antreten konnten, weil es ihnen vorenthalten wird und sie zu langwierigen Rechtsstreiten gezwungen werden, die oftmals erfolglos verlaufen und die betroffenen Anspruchsteller auf diese Weise ein zweites Mal zum Enteignungsopfer machen. Sie leben heute auf der ganzen Welt verteilt und müssen mit juristischen Mitteln um ihre Ansprüche kämpfen. Wie schwer das ist, beschreibt Enderlein in seinem Buch und weist dort auch nach, welche schwerwiegenden Konstruktionsfehler bei der Schaffung der Rechtsgrundlagen nach 1990 vom Gesetzgeber begangen wurden. So heißt es denn auch im Klappentext des Buches auf der Rückseite: »Dieses Buch erklärt, wie die zur Sicherung dieser Vermögenswerte eingesetzte Treuhandgesellschaft selbst zur Erbin wurde, welchen Anteil der Rechtsnachfolger des ›Dritten Reiches‹ an der zweiten Enteignung hat, nämlich der der jüdischen Erben, und wie die Bundesrepublik Deutschland mittelbar davon profitiert. Nicht zuletzt dokumentiert der Autor die zynische Arroganz, mit der die politischen Repräsentanten des Folgestaates die Nachfahren der Opfer zu Bittstellern degradieren.« Besser lässt sich der Inhalt der komprimierten Schrift, die nicht nur für den Juristen interessant sein dürfte, nicht zusammenfassen.


In der breiten Öffentlichkeit ist die von Enderlein aufgegriffene Thematik selten ein Thema, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es im Inland an einer entsprechenden Lobby fehlt, die das Anliegen zur Chefsache machen oder aber mindestens für eine umfassende Diskussion im Deutschen Bundestag sorgen würde. Stattdessen wird von dortiger Seite wohl offiziell weitgehend die Meinung vertreten, es sei doch alles getan worden, um frühere nazistische Ungerechtigkeit wieder gutzumachen. Fritz Enderlein beschreibt in seinem Buch, warum dies leider nicht zutreffend ist, wenn es um die Nachlässe jüdischer Verfolgter geht. Das im Privatdruck von Enderlein herausgegebene Buch kann nur nachhaltig allen zur Lektüre empfohlen werden, die Interesse an Recht und Gerechtigkeit in diesem Lande haben.

Ralph Dobrawa

Fritz Enderlein: »Erben und enteignet werden. Wie Nachlässe jüdischer NS-Verfolgter den legitimen Erben entzogen werden, ISBN 978-3-00-049445-1, 175 Seiten, 10 €


Unsere Zustände
Der Mensch hat zwei Augen, damit er auf dem einen blinzeln kann.

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Um glücklich zu sein, muss man wissen, dass die Stunde sechzig kostbare Minuten hat. Die meisten Menschen starren nur auf ihre Stoppuhr.

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Angesichts der um sich greifenden Sittenlosigkeit auf politischem Parkett möchte man hoffnungsvoll mit Schiller ausrufen und mit Beethoven singen: Alle Menschen werden prüder.

Wolfgang Eckert


Postalische Odyssee
Briefromane dürften im Zeitalter von E-Mail, Facebook und Internet wohl endgültig aus der Mode gekommen sein. Beim »Brief in die Auberginenrepublik« handelt es sich allerdings nicht um einen solchen, sondern um einen Roman über das Schicksal eines Briefes. Eine »Auberginenrepublik« dürfte man aber auf allen Atlanten der Welt vergeblich suchen – gemeint ist der Irak. In den 1990er Jahren ernährten sich die ärmeren Bevölkerungsgruppen des von westlichem Embargo geschüttelten Landes hauptsächlich von Auberginen. Das an sich recht wohlschmeckende Gemüse erfreute sich daher ähnlicher Beliebtheit wie zeitweise die Kohlrübe in Deutschland.


Der Autor des Briefes ist Salim, ein irakischer Student, der 1997 aus seiner Heimat flüchten muss. Mitglieder der illegalen Kommunistischen Partei statten ihn mit falschen Papieren aus und schleusen ihn über Syrien nach Libyen, wo er geduldet wird und sich als Bauarbeiter durchschlägt. Von Heimweh geschüttelt, schreibt er an seine in Bagdad zurückgelassene Freundin unzählige Briefe, die er aber nie abschickt, aus Angst, sie könnten von Geheimdienst abgefangen werden. Schließlich gerät er an einen windigen Geschäftsmann, der einen privaten Briefzustelldienst jenseits der offiziellen Post organisiert hat, für die Beförderung aber extrem hohe Honorare verlangt. Dem vertraut er einen Liebesbrief an.


Selbstverständlich kommt Salims Nachricht nie bei der Adressatin an. Der Leser verfolgt die einzelnen Stationen der ungewöhnlichen Postbeförderung über mehrere Staatsgrenzen hinweg jeweils aus der Sicht des jeweiligen Boten: ein Taxichauffeur, ein Reisebüroangestellter, ein LKW-Fahrer … Gegen Ende des Romans steht es um das Schicksal des Briefes eher schlecht, weil er nun doch auf dem Schreibtisch eines hochrangigen Geheimdienstoffiziers gelandet ist. Aber weil es sich um eine moderne Erzählung aus 1001 Nacht handelt, geht doch noch fast alles irgendwie gut aus.


Khider liefert mit seinem Episodenroman ein bizarres Panoptikum der arabischen Gesellschaft der 1990er Jahre, bestätigt dabei keine der massenhaft verbreiteten Klischeevorstellungen. Er schildert die Länder, die der Brief passiert, so, wie er sie selbst erlebt hat: Als in sich widersprüchliche Gesellschaften, in denen man solidarisches Miteinander, aber auch skrupellose Gaunereien und gemeinste Repression erleben kann. Mit bissigem Humor und in einer zum Teil deftigen Volkssprache, manchmal aber auch voll zarter Poesie schildert der Autor vorrangig das Leben und Überleben der einfachen Leute in den Vorstädten. Politiker, Militärs und korrupte Polizisten, aber auch skrupellose Geschäftemacher bekommen von ihm allerdings ihr wohlverdientes Fett. Wobei Khider sich selbst bei dem finstersten Bösewicht nicht auf eine Beschreibung seiner Untaten beschränkt, sondern stets ein in sich schlüssiges Psychogramm liefert, wie und warum er so geworden ist, wie der Leser ihn erlebt.


Abbas Khider, Jahrgang 1973, flüchte im Jahre 1996 aus dem Irak und landete nach einer mehrjährigen Odyssee in Deutschland. Für den autobiographisch gefärbten Roman »Brief in die Auberginenrepublik« wurde er mit dem »Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil« der Stadt Heidelberg ausgezeichnet.

Gerd Bedszent

Abbas Khider: »Brief in die Auberginenrepublik«, Edition Nautilus, 155 Seiten, 18 €

 

Zoologos
Warum der Löwe der König im Tierreich ist? Weil er gern Untertanen frisst.

Günter Krone

 


Wortschatzsuche
Schatzsuche klingt nach Abenteuer oder Spiel. Wer andere daran teilhaben lassen will, hat allerhand vorzubereiten. Frank-Rainer Schurich und Christian Stappenbeck haben keine Mühen gescheut, »Expeditionen in die deutsche Sprachlandschaft« zu unternehmen und breiten nun ihre Resultate aus: Zu 66 Wörtern unserer Umgangssprache finden sich in dem Buch die gehobenen Schätze zur Etymologie, Morphologie, zur Bedeutung und deren Wandel. Die Autoren kommen außerdem auf die politischen, ökonomischen, humanistischen, aber auch barbarischen Verhältnisse zu sprechen, die sich anhand ihrer Beispiele sowohl historisch als auch aktuell im Sprachgebrauch widerspiegeln. Sprachgeschichte erweist sich wie alle Geschichte als eine Geschichte der Klassenkämpfe.


Die Autoren gehen wie bei einer Sektion vor, heben zutreffendes von unzutreffendem Verständnis ab, zeigen historische Wandlungen auf, präsentieren aus der Alltagssprache verschwundene Wörter (zum Beispiel Tändelwochen, Maid). Ihre Beiträge sind lehrreich, nicht belehrend; spannend, nicht reißerisch geschrieben. Indem sie ihre Beispielwörter in zehn Gruppen zusammengefasst haben, animieren sie ihre Leserschaft zum Stöbern und Blättern: Wörter und Wendungen – Mundart und Sprache – Tiere und Pflanzen – Raum und Bewegung – Körperteile und Gebrechen – Finanzen und Reichtum – Polizeiliches und Juristisches – Kultur und Alltagsleben – Sitte, Sinnliches und Religion – Vermischtes. Gleichviel, wo man das Buch aufschlägt, die Entdeckerfreude der Autoren überträgt sich auf die Lesenden. Am Ende des Buches befindet sich – erfreulich auch dies – ein Literaturverzeichnis, das im fortlaufenden Text gemachte Literaturangaben vervollständigt. Außerdem gibt es ein Abkürzungsverzeichnis und ein Personen-/Sachregister.

Peter Bäß

Frank-Rainer Schurich/Christian Stappenbeck: »Kuriose Funde einer Wortschatzsuche. Expeditionen in die deutsche Sprachlandschaft«, Verlag Dr. Köster, 248 Seiten, 12,95 €

 

Fundgrube
Erst seit 2005 – seitdem es sie nicht mehr gibt – wird bitter spürbar, was wir Literaturfreunde und Leser an ihr, der Zeitschrift Neue deutsche Literatur (kurz NDL), hatten: Über fünfzig Jahre hinweg, seit 1952, erschien monatlich (ganz zuletzt alle zwei Monate) ein Heft mit Beiträgen zur zeitgenössischen deutschen Literatur! Gut ausgewählt, sachkundig kommentiert, alle Genres behandelnd, kaum einen Autor des Landes DDR auslassend, aber auch beharrlich über die Grenze schauend. Jetzt liegt die Chronik der NDL vor, geschrieben von Achim Roscher, der der Zeitschrift am längsten von allen dort arbeitenden Redakteuren gedient hat. So sachlich und genau er alle Fakten, Vorfälle, Wendungen, Abmahnungen und Erfolge auflistet, so viel Liebe steckt in dem Unternehmen, das mit Auszügen aus Briefen und mit Fotos rund um die Zeitschrift aufwartet. Da fehlen weder Thomas Mann noch Anna Seghers, Günter Grass oder die sonst kaum beachteten Debütanten in der Literatur. Roscher verschweigt nicht die Schwierigkeiten, die zu DDR-Zeiten in der Gängelei und später im fehlenden Geld lagen, aber er verweist auch auf die große kulturelle Leistung im »Spannungsfeld zwischen Kunstwillen und Gesellschaftsanspruch«. Das Buch ist eine große Fundgrube!

Christel Berger

Achim Roscher: »In den Heften und zwischen den Zeilen. ›Neue Deutsche Literatur‹ – eine Zeitschrift im deutsch-deutschen Geschichtsfeld 1953 – 2003«, Edition Schwarzdruck Gransee, 283 Seiten, 25 €


Walter Kaufmanns Lektüre
Es war gut, dass Gerhard Wolf dieses Buch einer Freundschaft angeregt und eingeleitet hat. Schon hier ist viel vom Schriftstellerleben in der DDR zu erfahren, vom Leben der Brigitte Reimann und der Christa Wolf – und erst durch die Briefe, die sie einander schrieben, durch die Auszüge aus ihren Tagebüchern! Es berührt sehr, wie sich Brigitte Reimann am Ende mit ihrer Krankheit zu quälen hatte, dieser Geißel der Menschheit, genannt Krebs, und auch mit ihrer Ehe aus dieser Zeit, und immer mit dem Roman »Franziska Linkerhand«, der unvollendet blieb. Christa Wolfs Anteilnahme an der Arbeit ist bewundernswert, und wie sie der Freundin beistand und immer wieder zum Leben und zum Schreiben Mut machte ... Und weil sich Brigitte Reimann ihren Kummer von der Seele schrieb, öffnete sich auch Christa Wolf. Was Briefe entstehen ließ, die bleiben und nie altern werden. Unvergesslich bildhaft, ja erschütternd hat Christa Wolf ihren letzten Besuch bei der todkranken Freundin beschrieben.

W. K.

Brigitte Reimann/Christa Wolf: »Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen und Tagebüchern«, Aufbau Verlag, 270 Seiten, 21,95 €


Hotel Mama
Man will es einfach nicht glauben …, aber laut Statistischem Bundesamt lebte 2014 rund die Hälfte aller 23-jährigen Männer noch im Elternhaus, mit 30 Jahren noch 15 Prozent und mit 40 Jahren immerhin noch fünf Prozent – quasi als »lediges Kind« von Mama und Papa. Dabei ist jeder fünfte dieser »Nesthocker« ein »Wiedereinzieher«, der schiffbrüchig ins Elternhaus zurückkehrte.


Mama kocht, putzt und wäscht für ihren erwachsenen Sprössling und in den meisten Fällen sogar kostenlos. Spitzenküche, super Zimmerservice und stets gebügelte Hemden machen das »Hotel Mama« mit all inclusive so beliebt. Die Folge ist, die verhätschelten Muttersöhnchen verlassen das elterliche Haus überhaupt nicht. Irgendwie klappt die Abnabelung von der Mama nicht.


Und wenn so ein »Nesthocker« dann doch mal auszieht, holt ihn die Realität rasch ein. Die tägliche Ration Dosenravioli hängt ihm bald zum Halse heraus. Und dann der Haushalt – was sich früher in Muttis Märchenland scheinbar von selbst erledigte, muss man plötzlich ganz allein auf die Reihe kriegen. Doch wie kocht man eigentlich Pellkartoffeln? Wie putzt man Fenster streifenfrei? Und wie zum Teufel werden jeansverfärbte Unterhosen wieder weiß? Da merkt so ein erwachsenes Schoßkind schnell: Nirgends ist es billiger und bequemer als bei Muttern zu Hause.


Es ist anscheinend ein aktueller gesellschaftlicher Trend, dass Junggesellen mit dreißig immer noch bei den Eltern wohnen, statt sich hinaus ins Leben zu wagen. Aber mal ehrlich: Der Kerl muss raus!

Manfred Orlick


Muhtig
Zwei Kühe werden gemolken. Als der Melker die gefüllten Kannen davontragen will, kritisiert die eine Kuh unter dem Beifall der anderen: »Das ist eine Zumutung. Mit unserer Milch machen Sie Ihre Geschäfte.« »Nicht doch«, erwidert der Melker, »Ihr bestimmt schließlich, womit ich meine Geschäfte mache.«

Günter Krone


Zuschriften an die Lokalpresse
Da soll noch mal einer sagen, die Berliner Tageszeitungen würden alle gleich über Vor- oder Runterfälle berichten! Da ist doch schon zum dritten Male innerhalb weniger Wochen jemand von der Warschauer Brücke auf die Schienen gestürzt. Einig waren sich das neue deutschland und der Berliner Kurier am im Februar allein darin, dass eine Windböe den Unglücksraben über das Geländer geweht habe. Während der Kurier mitteilte, der Herabgeblasene sei im Vollrausch gewesen, habe sich nach acht Metern Sturzflug locker von den Gleisen erhoben und wollte sofort weiterfeiern, berichtete das nd von »schweren Verletzungen«. Ich wünsche dem Verunfallten selbstverständlich die günstigere Variante, frage mich aber, wie die Presse zu solch stark voneinander abweichenden Berichterstattungen kommen kann. Bei politischen Bewertungen kann ich das ja noch verstehen, aber bei so eindeutigen Abstürzen … – Nana Nadelstich (32), Nahverkehrs-Disponentin, 07768 Zweifelbach

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Da soll noch mal einer sagen, die Berliner Schrippen stünden nicht hoch im Kurs! Neuerdings werden sie sogar, wie die Bild und andere Zeitungen im März berichteten, mitsamt Lieferwagen geklaut! Und die Schrippenkutscher werden niedergeschlagen und leben also nicht weniger gefährlich als die Fahrer von Geldtransportern – es ist eben alles eine Frage des Geschmacks!


Ist daran gedacht, die Fahrer künftig nur noch paarweise und bewaffnet auf ihre gefährliche Tour zu schicken oder von einem SEK-Schrippen-Einsatz-Kommando abschirmen zu lassen? Und werden noch Semmel-Fans für die Absicherung der Backwarentransporte benötigt? – Berni Breitkreuz (37), Wachschützer, 01665 Semmelsberg

Wolfgang Helfritsch