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Titel817

Bemerkungen

Gewaltenheilung

Unter der Überschrift »Bundeswehr: Gabriel will Entscheidungen vereinfachen« berichtet die Leipziger Volkszeitung vom Bundesaußenminister: »Außenminister Sigmar Gabriel hat sich für ein Begrenzung des Mitspracherechts des Bundestags bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr ausgesprochen. Die Beteiligung der EU an einem UN-Einsatz dürfe beispielsweise nicht am Einspruch des deutschen Bundestags scheitern …« Das ist staatsmännisch weises Demokratieverständnis. Schließlich kann man nicht zulassen, dass das Parlament etwas anderes will als die Regierung.                        

Günter Krone

 

 

Stinkefinger gegen den Krieg

Nach zwei Jahren Unterbrechung ist sie jetzt wieder da: Die Zeitung gegen den Krieg. 39 Ausgaben erschienen zuvor zwischen 1999 und 2015 jeweils zum Ostermarsch. Auf acht Seiten zeichnen im aktuellen Blatt unter anderem Autorinnen und Autoren wie Joachim Guilliard, Tobias Pflüger, Sevim Dagdelen, Jürgen Wagner oder Anne Rieger die derzeitigen Entwicklungen auf dem Markt der Kriegstreiberei nach. Die Fakten sind erdrückend und können niemanden unberührt lassen. »Nur für ein bisschen Frieden zu sein, reicht nicht«, konstatiert Konstantin Wecker in einem Interview in der Zeitung. Verantwortung zu zeigen, bedeute für ihn: »Man muss dem ganzen Rüstungswahnsinn den Stinkefinger zeigen.« Im Hinblick auf die Bundestagswahl am 24. September und gefragt nach »Prüfsteinen« für Parteien antwortet er gegenüber der Zeitung gegen den Krieg: »Als bekennender Pazifist kann und werde ich keine Partei wählen, die dem kriegerischen Wahnsinn nicht eindeutig Einhalt gebietet.« Da wird die Auswahl überschaubar.

Katrin Kusche

 

Weitere Informationen zu Inhalt und Bezugsmöglichkeiten der Zeitung gegen den Krieg: https://www.zeitung-gegen-den-krieg.de/

 

 

Verkommene Netzwelt

Als in den späten 1990er Jahren der Internet-Boom losbrach, gingen auch viele Linke dieser neuen Art von Technikbegeisterung auf den Leim, schwärmten von der grenzenlosen Freiheit eines unregulierten Netzes, jenseits aller Unternehmensgier und staatlicher Einflussnahme. Inzwischen ist diese Begeisterung längst einer Ernüchterung gewichen. Das Internet ist aber nicht nur zu einer Plattform von Rassisten, Sexisten, religiösen Fanatikern, Militaria-Freaks und Verschwörungstheoretikern verkommen, in dem diese weitgehend ungestört ihre menschenfeindlichen Ideologien verbreiten können. Das Netz ist auch Quelle unbeschreiblichen Reichtums, der im Wesentlichen einer Handvoll global agierender Superreicher zugutekommt.

 

Thomas Wagner, ehemaliger Redakteur und regelmäßiger Autor der Tageszeitung junge Welt ist in seinem jüngsten Buch hart mit der Halbleiterindustrie und den großen Netzkonzernen ins Gericht gegangen, prangert digitale Tagelöhnerei an, unzumutbare Arbeitsbedingen und kaum verbrämten Diebstahl gigantischer Datenmengen.

 

Die digitale Welt ist keine neue Welt geworden, sondern eher eine Fortschreibung der alten, mit all ihren Machtstrukturen und Ausbeutungsverhältnissen. Oder, um es anders auszudrücken: Das Internet ist jetzt ein ganz normaler kapitalistischer Industriezweig, dominiert von einer Handvoll Konzerne, die das große Geld machen, betrieben von Billig- oder gar Umsonst-Arbeitskräften. Und es ist ein extrem deregulierter Industriezweig – Gewerkschaften haben es bisher nur mühsam geschafft, in einigen wenigen Teilbereichen Fuß zu fassen. Hinzu kommt, dass die großen Konzerne mit Geheimdiensten und anderen repressiven staatlichen Institutionen zusammenarbeiten, ihnen Handlangerdienste anbieten und sie mit Informationen versorgen.

 

Was nun dagegen tun? Die Politikerin Sahra Wagenknecht (Die Linke) schlägt im Vorwort des Buches vor, das Netz in eine gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Institution umzuwandeln. Wäre das der richtige Weg aus der Misere?

 

So etwas ginge nur im globalen Maßstab, und eine Weltregierung, die solch ein alternatives Netz verwalten müsste, gibt es nicht. Außerdem ist, wie Thomas Wagner selbst meint, zu bezweifeln, dass die Besitzer der großen Netzkonzerne ihren zusammengerafften Reichtum, der zum großen Teil in der Infrastruktur ihrer Unternehmen steckt, freiwillig wieder herausrücken. Auch kann eine Umwandlung von privatem in gemeinnütziges Eigentum, wenn sie nicht von einer generellen gesellschaftlichen Umwälzung begleitet wird, gewaltsam wieder zurückgedreht werden.

 

Wie eine solche Umwälzung unserer Gesellschaft aussehen könnte, schreibt der Autor freilich nicht. Das würde aber auch die Thematik dieses Buches sprengen.

 

Gerd Bedszent

 

Thomas Wagner »Das Netz in unsere Hand! Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie«, PapyRossa Verlag, 166 Seiten, 13,90 €

 

 

Unsere Zustände

Der geistig Geringe feiert Banalitäten als Höhepunkte.

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Manche Politiker machen anderen weiß, man könne auch mit Hühneraugen sehen.

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Die dicksten Schweine mit den breitesten Hintern beherrschen den Trog und bestimmen, wie gegrunzt wird.

 

Wolfgang Eckert

 

 

Gigantate

Die Sozialdemokraten verehren ihren neuen Vorsitzenden wie gläubige Muslime den Propheten Mohammed. Dieser Übergröße wird auf verschiedene Weise gehuldigt. In einem Artikel der Leipziger Volkszeitung ist zu lesen: »Im offiziellen SPD-Fan-Shop gibt´s T-Shirts mit dem Slogan ›London, New York, Paris, Würselen‹.« Aber dieser Vergleich des Heimatortes des Begnadeten mit den Weltmetropolen ist zu kurz gegriffen. Schließlich wird nicht der Buchladen gewürdigt, sondern der Buchhändler. Da muss schon ein Vergleich mit anderen Persönlichkeiten der Geschichte her. So etwa: Churchill, Lincoln, Napoleon, Bismarck, Schulz.

 

Günter Krone

 

 

Öffentlich-rechtliche Gaffer?

Man will es einfach nicht glauben …, aber wenn es irgendwo einen Verkehrsunfall gibt oder ein Brand ausgebrochen ist, kommt es immer häufiger zum »Unfalltourismus«. Wenn Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst mit Blaulicht und Sirene den Einsatzort erreichen, dann sind sie meist schon zur Stelle: die Schaulustigen. Sie umstellen die Unfallstelle, und dann heißt es gaffen, knipsen, filmen und anschließend posten. Vermehrt behindern diese fotografierenden Gaffer die Einsatz- und Rettungskräfte. Sie wollen beim menschlichen Leid in der ersten Reihe sitzen. Ist es nur pure Neugier, Sensationslust oder Voyeurismus?

 

Es ist eine Respektlosigkeit. Eigentlich soll die Privatsphäre der Unfallopfer wie auch aller anderen Beteiligten geschützt werden, doch besonders Dreiste fordern die Einsatzkräfte sogar auf, zur Seite zu gehen und die aufgespannten Sichtblenden zu entfernen – so könne man »nicht richtig filmen«. Nur um hinterher damit zu protzen: »Ich war dabei.« Fotos und Videos kursieren oft schon Minuten nach dem Unfall im Internet.

 

Nun will die Politik endlich handeln. Eine in den Bundesrat eingebrachte Gesetzesinitiative soll das Fotografieren und Filmen von Unfallopfern unter Strafe stellen. Wer aus Sensationsgier hilflose Unfallopfer fotografiert oder Rettungskräfte behindert, soll künftig leichter bestraft werden können. Doch ich frage: Gilt das auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Neulich beim Morgenkaffee kam die MDR-Nachricht von einem Hausbrand, der eine Familie über Nacht obdachlos gemacht hatte. Abgeschlossen wurde die Meldung durch den Hinweis »Die Bilder dazu sehen Sie auf unserer Webseite.«

 

Manfred Orlick

 

 

Dessau hat Glück

 

»… aber erst hier habe ich wirklich verstanden, wie wichtig das Theater für eine Stadt sein kann.« (die Wiener Schauspielerin und Sängerin Andrea Eckert über Dessau)

 

In Dessau ist die bewegte Geschichte des Bauhauses beheimatet und aufbewahrt, was schon eine Reise in diese Stadt wert ist. Und dann ist da noch Kurt Weill, der weltbekannte Komponist, im März 1900 in Dessau geboren, der dort seine Kindheit verbrachte und Klavier spielen lernte. Die Stadt Dessau widmet ihrem von den Nazis vertriebenen Sohn seit 25 Jahren ein jährliches Theaterfest – ein weiterer guter Grund, die Stadt zu besuchen.

 

Die mit Bertolt Brecht 1927 begonnene Zusammenarbeit setzte Weill angestrengt und erfolgreich in den USA fort. Lotte Lenya, die er 1926 heiratete, war eine der überragenden Interpretinnen der Lieder, die Brecht und er zusammen geschaffen hatten.

 

Das Leben von Lotte Lenya, eine Jahrhundertgeschichte von Frauenemanzipation und populärer Musik im besten Sinne des Wortes: Im Rahmen des diesjährigen Kurt-Weill-Festes gab es einen Abend von und mit Andrea Eckert im wunderschönen Anhaltischen Theater der Stadt – schon allein dieses Theater ist ein Grund für eine Reise nach Dessau. Lotte Lenya, aus ärmlichen Verhältnissen in Wien stammend, hat sich ihren Lebensweg und ihre künstlerische Karriere mit viel Energie und Zähigkeit erarbeitet, nicht verbissen, sondern charmant und auf betörende Art erotisch, wie Andrea Eckart zwischen den Liedern erzählt: »Nein, du bist nicht schön, aber die Männer werden dich mögen.« Die Scheidung von Kurt Weill, der 1933 nach Paris, später in die USA emigrierte, erfolgte auch zu dem Zweck, das Eigentum von Weill vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Beide heirateten 1937 im Exil ein zweites Mal und waren sich sicher: »Ich glaube, wir sind das einzige Ehepaar ohne Probleme«, schrieb Weill 1938 in einem Brief an Lenya.

 

Die Liebe zu Lotte Lenya, zu ihrer großen Interpretationskunst, brachte Andrea Eckert überzeugend auf die Bühne. Die berührenden Geschichten, die sie warmherzig zwischen den Liedern erzählte, sind Zeugnis einer intensiven Beschäftigung mit dieser Frau, ihrem Leben, ihren Erfolgen und ihren Dramen. Aus der Starre, in die sie nach dem Tode von Kurt Weill im April 1950 verfiel, wurde sie von George Davis und ihrer Arbeit befreit. Sie traf Bertolt Brecht in Berlin, Andrea Eckart wusste zu erzählen, dass Brecht sie bat, Nannas Lied ein zweites Mal zu singen – es gäbe wohl nie wieder eine Künstlerin, die mit ihrer Interpretation so dicht an der Idee des Textes sei.

 

Ein genussvoller Abend mit einem Strauß von Liedern, nicht so raumgreifend wie Gisela May, aber intensiv, authentisch und überzeugend in ihrem Versuch, Lotte Lenya ein Denkmal zu setzen. Fein abgestimmt begleitet wurde die Sängerin von Musikern der Anhaltischen Philharmonie Dessau – ein weiterer guter Grund, diese Stadt zu besuchen.

 

Eine Welt ohne Theater? Wie arm wäre die Welt! Dessau sei Dank, dass das Erbe von Kurt Weill, Lotte Lenya und Bertolt Brecht lebendig gehalten wird.

 

Stephan Krull

 

 

Außergewöhnlich

Es ist lange her, dass ich die Lektüre eines Buches unterbrechen musste, weil ich zu erschüttert davon war. Natascha Wodin hat das mit »Sie kam aus Mariupol« geschafft. Ein außergewöhnliches Buch mit biblischen Schicksalen aus dem 20. Jahrhundert. Dabei schildert die Autorin »nur« die Lebenswege von Angehörigen ihrer Familie mütterlicherseits.

 

Sehr spät und fast zufällig findet sie die Spuren von Großeltern, Tanten und Cousinen. Einst waren es reiche Adlige im ukrainischen Mariupol. Die Wendungen der Zeit haben sie allesamt herumgewirbelt: Verbannung, Revolution, Bürgerkrieg, Gulag, Krieg, Rehabilitation, Mord, neuer Reichtum. Alles kommt vor, und es ist nur der gewöhnliche Alltag einer Familie.

 

Den breitesten Raum nehmen Tante Lidia, die Lagerinsassin, und die Mutter ein. Hier wechselt die Autorin den Stil und geht ganz nahe in deren Erlebnisse hinein. Die Mutter kommt 1944 als ukrainische Zwangsarbeiterin nach Deutschland und bleibt mit Mann und zwei Töchtern, in Nachkriegslagern und später einer Ausländersiedlung, mehr dahinvegetierend als lebend. Überfordert von den Verhältnissen und Erlebnissen setzt sie ihrem Leben 1956 ein Ende.

 

Natascha Wodin ist unerbittlich. Immer wieder nachfragend, den Details auf der Spur, und scheinbar leise »schreit« sie förmlich das Elend des vergangenen Jahrhunderts aus sich heraus.

 

Christel Berger

 

Natascha Wodin: »Sie kam aus Mariupol«, Rowohlt Verlag, 360 Seiten, 19,95 €

 

 

Peuckmanns Lebensgedichte

Er hat sich in allerlei literarischen Genres umgetan – und bewährt. Heinrich Peuckmann vom Jahrgang 49, lange Lehrer für Deutsch und Religion in seiner Heimatstadt Bergkamen, schrieb Romane und Krimis, Jugend- und Kinderbücher; auch dem Fußball (natürlich BVB Dortmund) gehört seine literarische Liebe. Gelegentlich veröffentlichte er Gedichte, so zu Bildern von Willi Sitte. Der Vollblut-Lehrer aus westfälischer Bergmanns-Tradition fühlte sich vielleicht von Sittes erdschwerem Pathos angezogen.

 

Im Bändchen »Nicht die Macht der Steine« lässt Peuckmann vor allem Menschen seiner Familie, seines Vertrauens, seiner Gegend auftreten: Porträtgedichte im besten Sinne. Gewiss weiß er als studierter Germanist um poetische Idee, um Metapher, Bild, Binnen- und Endreim. Was er aber vor allem nutzt, sind rhythmisierte Sprache und Enjambement. Meist in vierzeiligen Strophen erzählt er Lebens-Geschichten, fast sind es Balladen, verkürzt, verdichtet, oft anekdotisch. Günter, dem die Nazizeit bis in die Sprache blieb, der sich jetzt der schutzlosen Kreatur, den Fröschen, Lurchen, Igeln, zuwendet. Die Familie, der Vater, der Vetter, der beim Grubenunglück ums Leben kam; Willi, der Kommunist, der uns an Konstantin Weckers Willy denken lässt. Ein Held seiner Kindheit taucht auf, eine seiner Schülerinnen, von heutigen Nazis verfolgt, und der chinesische Dichter Yi Sha. Das Fritz-Henßler-Haus zu Dortmund ist Anlass für Peuckmanns Erinnern an einstige Dichtergruppen-Zeit. »Welches Jahrhundert« heißt ein Text, in dem er dem verfolgten Blogger Ahmed aus Bangladesch und Aron Atabek aus Kasachstan Denk-Zeilen widmet. Landschaft, Natur kommen nur gelegentlich in den Blick, auch wenn auf dem Umschlagfoto Pflanzen sich aus Mauerlücken zwängen. Das Büchlein endet mit einem Herbst, punktlos im vollendet genutzten Enjambement: »Das ist jetzt deine Zeit, Ende / Oktober, der kurze Blick nach / vorn, der lange Blick zurück / noch dies noch das, wenn überhaupt«.

 

Matthias Biskupek

 

Heinrich Peuckmann: »Nicht die Macht der Steine«, Gedichte, Aschendorff Verlag, 71 Seiten, 16,80 €

 

 

Zuschriften an die Lokalpresse

Ein Ausdruck des Wohlstandes und des Wohlbefindens unserer Bürger ist der private Besitz an Kraftfahrzeugen. Das produziert allerdings auch Probleme, denn durch Staus und durch die Suche nach einem Parkplatz werden die Fahrzeiten verlängert und der Schadstoffausstoß erhöht. Das Aufspüren eines Stellplatzes in einem normalen Wohngebiet ist heutzutage wie ein Lotto-Gewinn. So konstatierte eine Bürgerin im Berliner Kurier vom 27. März, dass sie ihr Navi nicht wegen irgendeiner Fahrstrecke brauche, sondern als Hilfsmittel, um ihr weit vom Wohnhaus geparktes Auto wiederzufinden. Wenn man Glück hat, kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gelangen, aber das ist nicht immer so. Deshalb möchte ich vorschlagen, spezielle Smartphone-Apps zu entwickeln, die Parkplätze aufspüren und für ein bestimmtes Fahrzeug sofort blockieren. Das käme vielleicht auch den Intentionen des Berliner Stadtrates Kirchner entgegen, der gegen eine hohe Pauschale und ohne jede Realisierungsgarantie Parkgenehmigungen verschleudern und die Stadtkämmerei sanieren will. – Silke-Hannelore von Hoffmannsthal (34), alleinerziehende Kraftfahrerin, 13059 Berlin-Wartenberg

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Wie die Tagespresse am 4. April berichtete, darf ein Berliner Lehramtsbewerber trotz ursprünglicher Zusage wegen »fehlender charakterlicher Eignung« nun doch nicht in den Schuldienst übernommen werden. Er hatte die S-Bahn mit einem manipulierten Ticket benutzt, wurde zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt und anschließend auf Grund seines Führungszeugnisses zusätzlich mit einem Berufsverbot belegt. Solche »Beförderungserschleichungen« sollen ja in Schülerkreisen noch häufiger vorkommen als bei Pädagogen. Da könnte man doch aus der Not eine Tugend machen. Da der Bildungsbereich nach meiner Information nach wie vor unter Lehrermangel und maroden Schulgebäuden leidet, könnte man dem Problem abhelfen, indem die zuständigen Behörden beim Schwarzfahren von Schülern analog reagieren und sie vom Unterricht zeitweilig oder generell ausschließen. Dadurch würde man, wie der kluge Volksmund spricht, mehrere Klappen mit einer Fliege schlagen, denn das könnte sich auch auf eine zwischenzeitliche PISA-Studie positiv auswirken! – Ottokar Däumling (87), Lehrerveteran, 06628 Schulpforta

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Laut Presse herrschte in Tegel Anfang April für Air-Berlin-Kunden das reine Chaos. Die glücklich gelandeten Passagiere warteten stundenlang auf ihr Reisegepäck, da das zuständige Personal mit dem Ausladen der Koffer überfordert war. Parallel dazu hoben Maschinen erst Stunden später ab, da das Bestücken der Flieger mit dem Gepäck ebenso wenig funktionierte. Zwischen hektischen Krisentreffen zwischen dem Air-Berlin-Management und dem Bodendienstleister Aeroground sickerte durch, dass zu wenig und ungeeignetes Personal eingesetzt war. Die Verantwortlichen versprachen, das Problem bis Ostern zu lösen. Es bleibt zu hoffen, dass beförderte Osterüberraschungen ihren Aggregatzustand in diesem Zeitraum nicht allzu stark verändern. Die Informationen über diese bedauerlichen Vorfälle erinnerten mich an ein Gedicht, das auch mit dem Transportwesen zu tun hat, aber die Situation vor über 100 Jahren schildert. Es beginnt mit der Mitteilung »Der Posthilfsschaffner Säbelbein lädt für Berlin Pakete ein ...« und endet damit, dass der Zug ohne die Pakete abdampfen muss, weil der Kontrollmechanismus aller nur möglichen beamteten Zwischeninstanzen kaum noch öffentliche Hände am Gepäck vor Ort zulässt und damit die Umladung entschleunigt: »So geht es allemal. Weil Mangel ist an Personal.« Ich werde das aus dem Leben des vorigen Jahrhunderts stammende Poem mal heraussuchen und dem zuständigen Management zustellen. – Ulane Ungewiss (43), Ursachenforscherin, 13059 Berlin-Wartenberg             

Wolfgang Helfritsch