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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zuschriften an die Lokalpresse

Nach wie vor impo­nie­ren mir die fast allen Tagen des Jah­res offi­zi­ell bei­gege­be­nen Emp­feh­lun­gen wie »Tag des Lächelns« oder »Tag der Viel­falt«. Dage­gen waren die Ver­su­che aus DDR-Zei­ten wie »Tag des Eisen­bah­ners«, »Tag des Frie­dens«, »Tag des Akti­vi­sten« (der übri­gens mit dem Geburts­tag mei­ner Mut­ter zusam­men­fiel), »Tag des Leh­rers«, »Tag des Kin­des«, »Tag der Werk­tä­ti­gen des Berei­ches der haus- und kom­mu­nal­wirt­schaft­li­chen Dienst­lei­stun­gen« kläg­li­che Ver­su­che. Wenn ich mich rich­tig erin­ne­re, blieb da noch man­che Lücke zu fül­len. Das ist heut­zu­ta­ge anders, da fal­len manch­mal meh­re­re Denk­wür­dig­kei­ten auf den­sel­ben Ter­min, und es drängt sich die Über­le­gung auf, ob man den Tag viel­leicht zwei­tei­len soll­te, um alles Wür­di­gen­s­wer­te unter­zu­brin­gen. Und dann kommt noch etwas dazu: Manch­mal ist es schwie­rig, die histo­ri­schen oder per­so­nel­len Umstän­de des Zustan­de­kom­mens einer Tages­eh­rung zu ermit­teln. Umso erfreu­li­cher, wenn man sich dar­über bei digi­ta­len Infor­ma­ti­ons­dienst­lei­stern oder in den Medi­en klug machen kann. Manch­mal wird die Neu­gier aller­dings nicht rest­los befrie­digt. So erging es mir neu­lich mit dem »Inter­na­tio­na­len Tag des Hand­tu­ches«. Da fand ich in der Mär­ki­schen All­ge­mei­nen vom 26. Mai auf der havel­län­di­schen Regio­nal­sei­te den Hin­weis, dass der »Towel Day« zu Ehren des bri­ti­schen Schrift­stel­lers Dou­glas Adams ein­ge­führt wur­de, der in sei­ner fünf­tei­li­gen Tri­lo­gie »Per Anhal­ter durch die Gala­xis« das Hand­tuch für das so ziem­lich Nütz­lich­ste bei Rei­sen durch die Gala­xis hält. Wer könn­te mir fol­gen­de offe­ne Fra­gen beant­wor­ten: Erfolg­te die Ent­deckung des Hand­tu­ches gleich­zei­tig mit der Erfin­dung des Toi­let­ten­pa­piers? Ist Hand­tuch­her­stel­ler ein system­re­le­van­ter Beruf? Gibt es in die­ser Bran­che Coro­na-Son­der­zah­lun­gen? Wenn nein, könn­ten sie noch ins Kon­junk­tur­pa­ket auf­ge­nom­men wer­den? Wie vie­le Hand­tü­cher füh­ren Astro­nau­ten der­zeit bei ihren Rei­sen ins All mit? – Fri­de­gund Säu­ber­lich (61), Kalt­mam­sell, 49838 Handrupp

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Nun liegt Pfing­sten schon wie­der ein paar Tage hin­ter uns, und wir het­zen atem­los dem Advent ent­ge­gen. Da die Kon­ver­sa­ti­on infol­ge unse­rer coro­nä­ren Ver­mum­mung dies­mal etwas beschwer­lich war – hin­zu kam bei mir ein alters­be­ding­ter Unter­kie­fer­aus­fall –, habe ich mich inten­si­ver der fei­er­täg­li­chen Lek­tü­re hin­ge­ge­ben. So erfuhr ich aus der Wochen­end­aus­ga­be der Schwe­ri­ner Volks­zei­tung, dass Pfing­sten von der grie­chi­schen Voka­bel »Pen­ta­ko­ste« her­ge­lei­tet wird, was auf den 50. Tag nach Ostern hin­weist. Das hat­te ich glatt ver­ges­sen. Da sol­len laut Bibel die Freun­de von Jesus in Jeru­sa­lem eine Par­ty ver­an­stal­tet haben, als plötz­lich ein Sturm auf­kam und ein wun­der­sa­mes Feu­er ent­fach­te, das alle Anwe­sen­den stan­te pede befä­hig­te, sich plötz­lich in allen Spra­chen zu ver­stän­di­gen! Welch Hoff­nungs­schim­mer! Die­se Viel­falt wäre an den dies­jäh­ri­gen Pfingst­ta­gen aller­dings kaum ein­ge­tre­ten, denn bei uns spre­chen alle sowie­so mit eng­li­schem Sound, was durch den dämp­fen­den Mund­schutz noch etwas unver­ständ­li­cher gewor­den wäre. Außer­dem hät­ten die Qua­ran­tä­ne­auf­la­gen eine sol­che Mas­sen­an­samm­lung noch nicht wie­der zugelassen.

Die Stern­ber­ger Regio­nal­pres­se ver­kün­de­te noch wei­te­re span­nen­de Neu­ig­kei­ten. So warn­te der Mime Kost­ja Ull­mann, der aus­ge­rech­net Pfing­sten sein 36. Wie­gen­fest abfei­er­te, die Wochen­end­ur­lau­ber davor, im Auto Sex zu betrei­ben. Er habe es selbst aus­pro­biert. Es war »kalt und unglaub­lich unbe­quem«, ver­kün­de­te er auf der Titel­sei­te. Wahr­schein­lich hat­te er sich dazu einen Tra­bi aus­ge­lie­hen, weil er die Erhö­hung der För­de­rung für Elek­tro­au­tos nicht abwar­ten konn­te. Im »Fami­li­en-Maga­zin« der­sel­ben Aus­ga­be wur­de berich­tet, dass Model und Mode­ra­to­rin Syl­vie Meis in der Talk­show »Mit den Waf­feln einer Frau« erklärt habe, nie wie­der den Nach­na­men eines Man­nes anzu­neh­men. Recht so, Meis­je! Man darf die Eman­zi­pa­ti­on auch nicht unter­trei­ben! Span­nend fand ich auch die Nach­richt in der Aus­ga­be, dass die Poli­zei in Dor­sten eine Woh­nung stürm­te und den falsch aus­ge­mach­ten Täter fixier­te. Die­ser war gera­de dabei, sei­ner zwei­ein­halb­jäh­ri­gen Toch­ter eine Was­ser­me­lo­ne mund­ge­recht auf­zu­schnei­den, wor­auf sich die Beam­ten für die Stö­rung aller­dings ent­schul­dig­ten. Da hat er noch­mal Glück gehabt! – Wolf­gang Hel­fritsch, Rent­ner und tra­di­tio­nel­ler Zei­tungs­le­ser, 10365 Berlin