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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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»Alleine«

Gedich­te im übli­chen Ver­ständ­nis sind es nicht, es gibt weder Rei­me noch klas­si­sches Vers­maß. Als rhyth­mi­sier­te Kurz­pro­to­kol­le wür­de ich sie eher bezeich­nen, die 96 Tex­te des Arz­tes und Dich­ters Jörg M. Pön­nig­haus. Er schil­dert Schick­sa­le von Pati­en­ten auf Coro­na-Sta­tio­nen, und die haben es in sich. »Er hatte/​ nur erst/​ sein Wasch­zeug ausgepackt,/da war er schon tot./ Wie alt er war?/ Es hat­te noch niemand/​ mit ihm geredet.«

Jörg M. Pön­nig­haus war als Arzt lan­ge Jah­re in Afri­ka tätig, ist erfah­ren in der Behand­lung von Seu­chen und nennt nicht unbe­dacht die Coro­na »Pest«. Was beein­druckt, sind die Schick­sa­le und dass es Pön­nig­haus ver­steht, die­se gera­de mit ganz knap­pen Wor­ten wie­der­zu­ge­ben. Fast sprach­los, immer dem Allein­sein und der Fas­sungs­lo­sig­keit nach­spü­rend. »Niemand/​ kann dem Hund erklären,/ wo sein Herr geblie­ben.« Aber nichts, so der mit dem Gesund­heits­we­sen Erfah­re­ne, war und ist unver­meid­lich: »Ja,/die Frau Holle/​könnte ent­las­sen werden,/aber nie­mand will sie/​ kein Heim/​ und kein Pflegedienst/…/ Ganz lieb ist sie/​ und könn­te viel erzählen,/ wenn jemand/​ Zeit für sie hätte.«

Jörg M. Pön­nig­haus: Coro­na – die Rück­kehr der Pest. Gedich­te. Edi­ti­on Frei­berg, 151 S., 12,50 .