Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Ange­la Mer­kel, nach­denk­lich auf der Brücke. – Am letz­ten Tag Ihrer jüng­sten Chi­na-Rei­se besuch­ten Sie die Mil­lio­nen­stadt Wuhan. Auf der gro­ßen Brücke über den Chang Jiang (frü­her: Jang­t­se­kiang) lie­ßen Sie Ihre Wagen­ko­lon­ne anhal­ten, um den Fluss zu betrach­ten. Sie woll­ten die Stel­le sehen, an der am 16. Juli 1967 der chi­ne­si­sche Revo­lu­ti­ons­füh­rer Mao Zedong den 15 Kilo­me­ter brei­ten Fluss durch­schwom­men hat, um der Öffent­lich­keit zu zei­gen, dass er kei­nes­wegs von Krank­heit geschwächt, son­dern im Voll­be­sitz sei­ner kör­per­li­chen und gei­sti­gen Kräf­te und nicht gewillt war, die poli­ti­sche Füh­rung abzu­ge­ben. Haben Sie sich beim Blick von der Brücke einen Moment lang gefragt, ob Sie es ihm nach­tun soll­ten? Die Ant­wort auf die Fra­ge ken­nen nur Sie selbst.

Ursu­la Theu­retz­ba­cher, »welt­weit aner­kann­te, unab­hän­gi­ge Anti­bio­ti­ka­ex­per­tin« (Pan­ora­ma, 12.9.2019). – Jedes Jahr ster­ben in den Staa­ten der EU und des Euro­päi­schen Wirt­schafts­raums (EU/​EAA) mehr als 33.000 Men­schen an den Fol­gen von Infek­tio­nen mit resi­sten­ten Kei­men, schätzt die Euro­päi­sche Seu­chen­schutz­be­hör­de (ECDC) in Stock­holm. Ten­denz: stei­gend. Nach­dem fast alle gro­ßen Phar­ma­kon­zer­ne aus der Anti­bio­ti­ka­for­schung aus­ge­stie­gen sind, weil mit Ent­wick­lung, Pro­duk­ti­on und Ver­trieb drin­gend benö­tig­ter neu­er Sub­stan­zen auf kur­ze Sicht kei­ne aus­rei­chen­den Pro­fi­te zu erzie­len sind, for­der­ten Sie, der Staat müs­se ein­grei­fen: »Ich glau­be, dass der Markt das Bedürf­nis nach neu­en Anti­bio­ti­ka nicht lösen kann, weil der pro­fit­ori­en­tier­te Zugang nicht funk­tio­niert. Und immer dann, wenn der Markt nicht funk­tio­niert und kei­ne Lösung anbie­tet, dann muss der Staat ein­grei­fen, das heißt die Poli­tik ist gefragt.« Alles was Pro­fit bringt, in pri­va­te Hän­de, alles was kostet, auf die Schul­tern der Steu­er­zah­ler – das ist kei­ne ori­gi­nel­le Idee. Aber mit einem haben Sie recht: Wo Pro­fit das Maß aller Din­ge ist, blei­ben exi­sten­ti­el­le Pro­ble­me der Mensch­heit ungelöst.

Anton Hof­rei­ter, Talk­show-taug­lich. – Bei Ill­ner im ZDF haben Sie wacker für die prin­zi­pi­ell auto­freie Innen­stadt gefoch­ten. Beson­ders den Eig­nern über­schwe­rer SUV-Dreck­schleu­dern gal­ten Ihre Abscheu und Ver­ach­tung. Der SUV ist in der Tat ein eben­so taug­li­ches wie Ihnen offen­bar hoch­will­kom­me­nes Debat­ten­ob­jekt, seit sich her­um­ge­spro­chen hat, dass die Abge­ord­ne­ten Ihrer Par­tei den Rekord in Viel­flie­ge­rei halten.