Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Crazy, Donald! Verrückt …

Mister Pre­si­dent setzt vie­le Twit­ter-Nach­rich­ten in die Welt. Eine der jüng­sten ver­hieß den Abzug von 9500 GIs aus Old Ger­ma­ny. Stra­fe muss unter Freun­den sein. Die­se Krauts erdrei­sten sich, mit Russ­land zu koope­rie­ren, Nord Stream 2 zu ver­le­gen und den Mos­ko­wi­tern für deren Gas gute Euros zuzu­schu­stern. Und so frag­te Donald Trump, wie es sei­ne Art ist: »War­um zahlt Deutsch­land Russ­land Mil­li­ar­den Dol­lar für Ener­gie, und dann sol­len wir Deutsch­land vor Russ­land schüt­zen? Wie soll das funk­tio­nie­ren? Es funk­tio­niert nicht.« (nach https://www.tagesschau.de/ausland/us-truppenabzug-105.html)

Deutsch­land soll also, das wünscht sich Trump, mehr Geld in die Auf­rü­stung stecken. Gre­gor Gysi, außen­po­li­ti­scher Spre­cher der Links­par­tei im Bun­des­tag, sag­te dazu, Deutsch­land sei von Freun­den umge­ben. Das Steu­er­geld sol­le nicht für Waf­fen aus­ge­ge­ben wer­den, son­dern für Bil­dung, Gesund­heit und Infrastruktur.

Bun­des­kanz­le­rin und Außen­mi­ni­ster sag­ten nichts. Aus den ande­ren Par­tei­en wohl­fei­le nichts­sa­gen­de Wor­te. Kei­ne Trau­te, Klar­text mit dem Glo­bal Cop Nr. 1 zu reden: Okay Donald, end­lich eine gute Idee, die exakt dem 2+4-Vertrag ent­spricht und 30 Jah­re nach des­sen Unter­zeich­nung Rea­li­tät wird.

Nach­zu­le­sen in Arti­kel 2 des genann­ten Ver­tra­ges. Dar­in bekräf­tig­ten die Regie­run­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik ihre Erklä­run­gen, »daß von deut­schem Boden nur Frie­den aus­ge­hen wird. Nach der Ver­fas­sung [die es lei­der immer noch nicht gibt; H.-J. N.] des ver­ein­ten Deutsch­land sind Hand­lun­gen, die geeig­net sind und in der Absicht vor­ge­nom­men wer­den, das fried­li­che Zusam­men­le­ben der Völ­ker zu stö­ren, ins­be­son­de­re die Füh­rung eines Angriffs­krie­ges vor­zu­be­rei­ten, ver­fas­sungs­wid­rig und straf­bar. Die Regie­run­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik erklä­ren, daß das ver­ein­te Deutsch­land kei­ne sei­ner Waf­fen jemals ein­set­zen wird, es sei denn in Über­ein­stim­mung mit sei­ner Ver­fas­sung und der Char­ta der Ver­ein­ten Nationen.«

In Arti­kel 3 des 2+4-Vertrages bekräf­tig­ten bei­de Staa­ten »ihren Ver­zicht auf Her­stel­lung und Besitz von und auf Ver­fü­gungs­ge­walt über ato­ma­re, bio­lo­gi­sche und che­mi­sche Waf­fen«. Sie erklär­ten, »daß auch das ver­ein­te Deutsch­land sich an die­se Ver­pflich­tun­gen hal­ten wird. Ins­be­son­de­re gel­ten die Rech­te und Ver­pflich­tun­gen aus dem Ver­trag über die Nicht­ver­brei­tung von Kern­waf­fen vom 1. Juli 1968 für das ver­ein­te Deutsch­land fort.«

Ver­mut­lich ist die­se Pas­sa­ge weder im Ber­li­ner Regie­rungs­vier­tel noch im Saar­land bei Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er bis heu­te ange­kom­men. Deutsch­land ist nach Japan das Land, in dem sich welt­weit die größ­ten Kon­tin­gen­te des US-Mili­tärs auf­hal­ten. Grund­ge­setz­lich zuläs­sig, ver­fas­sungs­recht­lich – da kei­ne Ver­fas­sung nach der soge­nann­ten Wie­der­ver­ei­ni­gung exi­stent – nicht nach dem erwähn­ten Arti­kel 2 als ver­trags­wid­rig einzustufen.

Es wäre zu begrü­ßen, wenn Mister Trump die Zen­tra­le des US Euro­pean Com­mand (EUCOM) in Stutt­gart auf­lö­sen wür­de. Sie ist die zen­tra­le Koor­di­nie­rungs­stel­le für alle ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te in 51 über­wie­gend euro­päi­schen Län­dern. Auf­ga­be des EUCOM ist es, die USA zu schüt­zen und zu ver­tei­di­gen. Die­sem Kom­man­do unter­ste­hen die US Army Euro­pe, die US Air For­ces in Euro­pa und die US Mari­ne Corps For­ces Euro­pe, die alle über Nie­der­las­sun­gen in Deutsch­land ver­fü­gen. Auch das US Mari­ne Corps of Euro­pe and Afri­ca hat sich in Böb­lin­gen ein­quar­tiert. Über Ram­stein, die Atom­bom­ben in Büchel und ande­re US-Bedro­hun­gen wie den von Deutsch­land aus gesteu­er­ten welt­wei­ten Droh­nen­krieg müs­sen wir gar nicht erst reden.

Wir, das Wahl­volk Bun­des­bür­ge­rin­nen und -bür­ger, wären um eine Lebens­furcht ärmer, und unser aller Leben wäre sicherer.

Übri­gens: Alle Gar­ni­so­nen sind »litt­le Ame­ri­ca«, mit eige­nen Ein­kaufs­zen­tren, Schu­len, Post­dien­sten und Poli­zei. Der US-Dol­lar ist das wesent­li­che gesetz­li­che Zahlungsmittel.

In den letz­ten sie­ben Jah­ren spen­dier­te die Bun­des­re­pu­blik rund 243 Mil­lio­nen Euro für die US-Trup­pen hier­zu­lan­de. Die Sum­me umfasst Ren­ten­zah­lun­gen für ehe­ma­li­ge Arbeits­kräf­te eben­so wie Aus­ga­ben für die Instand­hal­tung von Gebäu­den und Grund­stücken auf den US Faci­li­ties im Gebiet der ehe­ma­li­gen US-Besat­zungs­zo­ne in Deutsch­land. Fer­ner stell­te die Bun­des­re­gie­rung wei­te­re 480 Mil­lio­nen Euro zur Deckung NATO-bezo­ge­ner Bau­ko­sten in Deutsch­land bereit.

Die Kosten-Nut­zen-Rech­nung Trumps wur­de ohne den Wirt gemacht. Cra­zy eben, ver­rückt. Die Art und Wei­se eines Twit­ter-Welt­mei­sters.