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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Demokratie in Gefahr?

Ein außer­or­dent­lich ambi­tio­nier­tes Pro­jekt gegen Gewalt und Ver­ges­sen stellt das Stutt­gar­ter Bür­ger­pro­jekt Die AnStif­ter vor. »Plä­doy­ers für die Repu­blik« nann­te es Peter Groh­mann, der die Rei­he mit einem ehren­amt­lich arbei­ten­den Team koor­di­niert. Im Rah­men des Pro­jekts wer­den inzwi­schen mehr als 150 Ver­an­stal­tun­gen ange­bo­ten – und es kom­men täg­lich neue hin­zu: Kon­zer­te und Lesun­gen, Vor­trä­ge, Work­shops, Aus­stel­lun­gen, Thea­ter­auf­füh­run­gen, Stadt­wan­de­run­gen oder Gedenk­ver­an­stal­tun­gen. Die »Akti­on für Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te«, an der sich inzwi­schen mehr als 250 Ein­rich­tun­gen vor allem aus der Stutt­gar­ter Regi­on betei­li­gen, beginnt am 27.10. und endet mit der Frie­dens­Ga­la am 4.12. und der Ver­lei­hung des Stutt­gar­ter Frie­dens­prei­ses an Repor­ter ohne Gren­zen sowie des Jugend­prei­ses an das Pro­jekt Schu­le gegen Ras­sis­mus am Fried­rich-Eugen-Gym­na­si­um Stutt­gart. Die Ver­an­stal­ter woll­ten den Fokus aber bewusst auch auf sozia­le Ver­wer­fun­gen heu­te rich­ten: »Armut ist die Ver­wei­ge­rung aller Men­schen­rech­te«, so die Initia­to­ren. Das Pro­jekt ist in die­ser Form ein­ma­lig, aber offen­bar noch nicht »aus den roten Zah­len«: Im Etat in Höhe von rund 60 000 € sei noch Luft nach oben. Die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart betei­ligt sich mit 10 000 €, 3000 € trägt die GLS-Bank bei, in deren Räu­men auch Ver­an­stal­tun­gen ange­bo­ten wer­den. Der grö­ße­re Teil kommt aus Mit­teln der AnStif­ter, die auf wei­te­re Spen­den oder Gel­der aus Stif­tun­gen ange­wie­sen sind.

Die Rei­he beginnt mit einer Gedenk­ver­an­stal­tung am 27.10. im Hospi­tal­hof an die soge­nann­te »Polen­ak­ti­on«, die ersten Mas­sen­de­por­ta­tio­nen 1938. Mit Musik von Theo­do­ra­kis erin­nert die Dresd­ner Grup­pe Shu­ria­ki am 1.11.2022 im Thea­ter­haus an den grie­chi­schen Kom­po­ni­sten und die Ermor­dung 1000 grie­chi­scher Zwangs­ar­bei­ter in Hail­fin­gen-Tail­fin­gen. Bereits am näch­sten Tag (2.11.) wird über die Not­wen­dig­keit eines Boy­kotts der Fuß­ball-WM in Katar dis­ku­tiert. Zu einer Lesung von »Namen der Toten« am Mahn­mal für die Opfer der NS-Dik­ta­tur lädt das Thea­ter am Olgaeck am 9.11. ein und In der Katho­li­schen Aka­de­mie in Hohen­heim wird die Asyl­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung hin­ter­fragt (10.11.), und am 20. Novem­ber wirbt z. B. das Wortkino/​Dein Thea­ter für »Dein Euro­pa« als ein­zig­ar­ti­ge Kulturlandschaft.

Das Spek­trum der The­men führt von Gewalt und Ras­sis­mus über den Ukrai­ne-Krieg bis zu Uto­pien für über­mor­gen. Die gemein­sa­me Sor­ge sei die »nicht nur bei uns« fest­stell­ba­re Zunah­me popu­li­sti­scher Strö­mun­gen, ver­bun­den mit einem gro­ßen Ver­trau­ens­ver­lust in Demo­kra­tie und Rechts­staat – und die Fra­ge, wie man dem begeg­nen könne.

Zur Rei­he erschien eine umfang­rei­che Zei­tung, die die teil­neh­men­den Ein­rich­tun­gen (https://30tageimnovember.de/) ver­linkt. Die gedruck­te Aus­ga­be kann form­los kosten­frei über kontakt@die-anstifter.de bestellt werden.