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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Der Dieter Bohlen der DDR?

Mit »Tschüss und win­ke, win­ke« ver­ab­schie­de­te sich Mode­ra­tor Heinz Quer­mann im Lau­fe von 36 Jah­ren 1731-mal von den Hörern der »Schla­ger­re­vue«, der »läng­sten Hit­pa­ra­de der Welt«. Quer­mann, das Urge­stein des Rund­funks, Fern­se­hens und der Unter­hal­tung, wäre am 10. Febru­ar 100 Jah­re alt gewor­den. Die Zei­tun­gen erin­ner­ten an den begna­de­ten Redak­teur und Regis­seur, den belieb­ten Con­fé­ren­cier und Ent­decker vie­ler Schla­ger­ta­len­te des Ostens. Die Freie Pres­se in Chem­nitz lob­te ihn am über­schwäng­lich­sten. Sie nann­te ihn den Die­ter Boh­len der DDR. Damit gehört Heinz Quer­mann zu den weni­gen DDR-Per­sön­lich­kei­ten, denen zuge­stan­den wird, fast das For­mat ihrer berühm­te­ren Kol­le­gen aus dem Westen erreicht zu haben. Wie Her­bert Köfer, dem Johan­nes Hee­sters der DEFA oder auch Gustav Adolf (Täve) Schur, dem Rudolf Schar­ping aus Hey­roths­ber­ge, der mit sei­nen zün­den­den Reden in der Volks­kam­mer, dem Ost­ber­li­ner Bon­ner Bun­des­tag, den Genos­sen Erich Miel­ke – gewis­ser­ma­ßen eine Art Horst See­hofer aus dem Wand­litz-Ghet­to – wach­rüt­tel­te und ihm schließ­lich das histo­ri­sche Geständ­nis ent­lock­te: »Ich lie­be Euch doch alle!« Und Frank Schö­bel. Der Dani­el Küb­lböck von Ami­ga hat­te mit sei­nem revo­lu­tio­nä­ren Song »Wir brau­chen kei­ne Lügen mehr« toll­dreist und schmach­tend für die Zone gefor­dert, was dem Westen längst und end­gül­tig gelun­gen war: die Abschaf­fung der Ver­ar­schung des Men­schen durch den Men­schen. Und wie hat­te einst Gün­ter Mit­tag, der Peter Alt­mai­er aus dem engen Pan­kower Macht­zir­kel, gepru­stet und sich auf die Schen­kel geklopft vor Ver­gnü­gen, wenn O.F. Weid­ling, Dres­dens Fips Asmussen, über ihn wit­zel­te. Das war die Zeit, als die Bür­ger des Arbei­ter- und Bau­ern-Staa­tes den Roman »Die Aula« Her­mann Kants lesen muss­ten, des kom­mu­ni­sti­schen Heinz Kon­sa­lik, und als Wölf­chen Thier­se, die ost­deut­sche Mischung aus Obelix und Urban Pri­ol sei­ne Schrip­pen, die Wecken vom Prenzlberg, noch in den köst­li­chen Mug­ge­fugg ditsch­te, den »Nest­le Caro Extra kräf­tig« des SED-Regimes. So weit, so gut. Aber Heinz Quer­mann der Die­ter Boh­len der DDR? Wer ist Die­ter Boh­len? Ist das nicht die 08/​15 – Quer­mann-Kopie von RTL?