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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Engel der Zuversicht

Weih­nach­ten – Fest der Lie­be, des Frie­dens, der Gerech­tig­keit. Glit­zer, Glanz, Träu­me, Weih­nachts­bäu­me und Weih­nachts­en­gel – trotz aller Unge­wiss­hei­ten und Sor­gen am Jah­res­en­de 2021.

Advent und Weih­nachts­zeit sind Anlass für besinn­li­che Stun­den, für’s Nach­den­ken über den Zei­ten­lauf. Dabei ist es gera­de zu Weih­nach­ten nicht ver­wun­der­lich, dass uns auf unse­ren Wegen viel­ge­stal­ti­ge Engels­fi­gu­ren begeg­nen. Engel, männ­li­chen und weib­li­chen Geschlechts, mit wal­len­der Haar­pracht und gewal­ti­gen Flü­geln auf Schmuck­kar­ten und Scho­ko­büch­sen. Aber auch Engels­fi­gu­ren mit gehalt­vol­ler Aus­sa­ge: Paul Klee’s »Ange­lus Novus« (1920) hat vie­le klu­ge Gei­ster zu geschichts­träch­ti­gen Erkennt­nis­sen ange­regt, von Wal­ter Ben­ja­min, HAP Gries­ha­ber, Wim Wen­ders bis Hei­ner Mül­ler. Und, wie kaum ein ande­res von Men­schen­hand geschaf­fe­nes Kunst­werk, regt »Der Schwe­ben­de« von Ernst Bar­lach (1927) zum Nach­den­ken über Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft an.

Ber­tolt Brecht hat 1952 notiert: »Dass der Engel des Güstrower Ehren­mals mich über­wäl­tigt, ist nicht ver­wun­der­lich. Er hat das Gesicht der unver­gess­li­chen Käthe Koll­witz. Sol­che Engel gefal­len mir. Und obwohl man weder einen Engel noch einen Mann je hat flie­gen sehen, so ist doch das Flie­gen glo­ri­os dar­ge­stellt« (zit. nach Elmar Jan­sen, Ernst Bar­lach, Werk und Wir­kung, Ber­lin 1975, S. 498) 

Ich kann es nicht anders sagen: Die­se erha­be­ne, ganz ein­fach sach­lich-nüch­ter­ne und zugleich unend­lich schö­ne schwe­ben­de Engels­fi­gur hat auch mein Nach­sin­nen über den Lauf der Welt, über Men­schen­schick­sa­le, über das Gute und den Kampf für die Rech­te der Men­schen tief beeinflusst.

Die Hit­ler­fa­schi­sten hat­ten die­ses dem Frie­den, dem Kampf gegen Krieg und Gewalt gewid­me­te Kunst­werk her­un­ter­ge­ris­sen, zer­trüm­mert. Sie woll­ten es für immer und ewig ver­nich­ten. Der Engel wur­de geret­tet, erneu­ert – als Mahn­mal der Hoff­nung und der Zuver­sicht – auch für schwie­ri­ge Zei­ten. Auch zu Weih­nach­ten 2021.