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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Erinnerung an Hans Grundig

Der 19. Febru­ar 2021 war der 120. Geburts­tag von Hans Grun­dig. Bekannt wur­de die­ser zu Unrecht in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne Künst­ler vor allem durch sei­ne Gemäl­de »Den Opfern des Faschis­mus« und sein Tri­pty­chon »Das Tau­send­jäh­ri­ge Reich«. Bei­de befin­den sich in den Kunst­samm­lun­gen in Dres­den und Leip­zig. Grun­dig war Grün­dungs­mit­glied der ASSO (Asso­zia­ti­on der revo­lu­tio­nä­ren bil­den­den Künst­ler) in Dres­den. Nach sei­ner Hei­rat mit der Jüdin Lea Lan­ger galt er als »jüdisch ver­sippt«; hin­zu kam sein kon­se­quen­tes Ein­tre­ten gegen den Faschis­mus. Da waren sein Aus­schluss aus der »Reichs­kul­tur­kam­mer«, ein Berufs­ver­bot und der Ent­zug jeg­li­cher Unter­stüt­zung die logi­sche Kon­se­quenz. Es folg­ten Haus­durch­su­chun­gen, Ver­haf­tun­gen und das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen. »Aber am eige­nen Leib das Aus­ge­sto­ßen­sein, die Feme, die Acht zu spü­ren, glaubt mir, ist unend­lich schwer und für ein Men­schen­herz kaum zu ertra­gen«, gesteht er in sei­nem Roman »Zwi­schen Kar­ne­val und Ascher­mitt­woch«. Eini­gen sei­ner Freun­de gelang die Flucht, ande­re zogen sich zurück – wie Otto Dix und Kurt Querner. Es ist ein Wun­der, dass Robert Lieb­knecht, der Sohn von Karl Lieb­knecht, nach dem Krieg bei sei­ner Rei­se aus Paris in die Schweiz in einem Ver­lag in Zürich eine Kiste mit Radier­plat­ten von Lea und Hans Grun­dig fand. Die Plat­ten kamen 1965 nach Dres­den; nun waren Nach­drucke möglich.

Um an Hans Grun­dig zu erin­nern, wird es vom 1. April bis zum 22. Mai 2021 in der Gale­rie Mit­te in Dres­den eine Aus­stel­lung mit dem Titel »Tie­re und Men­schen« geben. Die Wer­ke stam­men aus der Samm­lung der Dres­de­ner Ärz­tin Maria Hei­ner, die den Nach­lass der Grun­digs vor­bild­lich bewahrt und sich zur Auf­ga­be gemacht hat, das Werk die­ser bei­den Künst­ler einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich zu machen. In der Aus­stel­lung wer­den 49 Blät­ter aus dem Zyklus Hans Grun­digs »Tie­re und Men­schen« und zwei Radie­run­gen von Lea Grun­dig zu sehen sein. Zu Hans Grun­digs Werk schrieb der Kunst­wis­sen­schaft­ler Boris Röhrl: »Der Umfang und die emo­tio­na­le Inten­si­tät die­ser druck­gra­fi­schen Serie ist selbst im euro­päi­schen Kon­text außer­ge­wöhn­lich. Es han­delt sich um ein Haupt­werk der bil­den­den Kunst des 20. Jahr­hun­derts.« Die Blät­ter zei­gen das Leben in den 1930er Jah­ren, etwa im Blatt »SA beherrscht die Stra­ße (Brau­ner Ter­ror)«. Bru­ta­le, hab­gie­ri­ge Wöl­fe ste­hen in die­ser Radie­rung für den Faschis­mus, die Gejag­ten wer­den durch ein Pferd sym­bo­li­siert. Zur Aus­stel­lung wird ein vor­bild­lich gestal­te­ter, von Maria Hei­ner erar­bei­te­ter Kata­log ange­bo­ten, in dem u. a. Pas­sa­gen aus Hans Grun­digs Roman »Zwi­schen Kar­ne­val und Asche­mitt­woch« und aus Lea Grun­digs Buch »Gesich­te und Geschich­te« ein­zel­nen Radie­run­gen zuge­ord­net sind. Hof­fen wir, dass Coro­na die­se sehens­wer­te Aus­stel­lung mög­lich macht.

Hans Grun­dig »Tie­re und Men­schen«, eine Aus­stel­lung der Gale­rie Mit­te Dres­den, 1. April bis 22. Mai 2021, Strie­se­ner Stra­ße 49, 01307 Dres­den, www.galerie-mitte.de.