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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Francos zweite Bestattung

Pünkt­lich um 10:40 Uhr wur­de am 24. Okto­ber in Gegen­wart von einem Gerichts­me­di­zi­ner und fünf Arbei­tern die ein­ein­halb Ton­nen schwe­re Grab­plat­te der Ruhe­stät­te des Dik­ta­tors Fran­cis­co Fran­co in der Basi­li­ka des »Val­le de los Caí­dos« (Tal der Gefal­le­nen) zur Sei­te gescho­ben, um sei­ne Über­re­ste zu ent­neh­men. Unter den drei­ßig Anwe­sen­den, die bei der Grab­öff­nung erlaubt waren, Fran­cos Enkel. Von den Ange­hö­ri­gen wur­den die sterb­li­chen Über­re­ste im Sarg zu einem grau­en Lei­chen­wa­gen getra­gen. Per Hub­schrau­ber erreich­te der Dik­ta­tor dann im wei­te­ren Ver­lauf sei­ne letz­te Ruhe­stät­te im Fami­li­en-Mau­so­le­um. Auf dem Fried­hof El Par­do-Mingor­ru­bio hat­ten sich zahl­rei­che spa­ni­sche Alt­fa­schi­sten mit Rot-Gelb-Rot-Fah­nen ein­ge­fun­den und beglei­te­ten mit erho­be­ner rech­ter Hand und »Franco«-Rufen die zwei­te Franco-Bestattung.

Mit dem Bau des »Val­le de los Caí­dos« war nach Ende des spa­ni­schen Bür­ger­kriegs begon­nen wor­den. Die Bau­ar­bei­ter waren repu­bli­ka­ni­sche Gefan­ge­ne – zahl­rei­che Zwangs­ar­bei­ter wur­den von her­ab­stür­zen­den Fel­sen getö­tet. Zum 20. Jah­res­tag des Fran­co-Sie­ges über die Repu­blik im März 1959 wur­de das Bau­werk geweiht. Nicolás Sán­chez-Albor­noz, Jahr­gang 1926 und einer der letz­ten Über­le­ben­den der Zwangs­ar­bei­ter, sag­te: »Fran­cos Exhu­mie­rung ist für mich nach Jahr­zehn­ten ein bit­ter­sü­ßer Moment.«

Was pas­siert aber mit den 33.833 ande­ren Toten wie mit José Anto­nio Pri­mo de Rive­ra, der 1959 hier bei­gesetzt wur­de? Auch die wei­te­re Ver­wen­dung des Mau­so­le­ums ist bis heu­te nicht geklärt. Die Kosten des Val­le tra­gen bis­her die spa­ni­schen Steu­er­zah­ler. Was im Land fehlt, ist ein Mahn­mal für die Opfer des spa­ni­schen Bür­ger­kriegs, der vom 17. Juni 1936 bis zum 1. April 1939 dau­er­te. Bis heu­te ruhen noch immer über 200.000 nicht bestat­te­te Opfer des Bür­ger­krie­ges in der Erde Spaniens.