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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Immer der Lenin

»Mutig attackiert er die Nazis, die ihm schon 1929 mit dem Tod dro­hen. 1940 stirbt er im KZ Buchen­wald. – Wer war’s?« fragt der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche vor­wärts in Aus­ga­be 1/​2020 in sei­ner Rät­sel­ko­lum­ne zur Geschich­te. Es folgt ein Abriss des Lebens­laufs des Gesuch­ten, den ich hier noch ein­mal stark aus­dün­ne: 1881 in Ber­lin gebo­ren, ein Cou­sin des Schrift­stel­lers Erich Müh­sam, 1909 Chef­re­dak­teur der Chem­nit­zer Volks­stim­me. Von die­sem Jahr springt der vor­wärts gleicht ins Jahr 1919, als der Gesuch­te sich für einen Sitz in der Preu­ßi­schen Lan­des­ver­samm­lung bewirbt, dem spä­te­ren Land­tag. Ihm gehört er bis zur Zer­schla­gung durch die Nazis an. Über die dazwi­schen lie­gen­den zehn Jah­re aber hat der vor­wärts den wei­ten Man­tel des Schwei­gens gedeckt. Nur dass Lenin ihn 1917 »einen extrem deut­schen Chau­vi­ni­sten« genannt hat, erscheint aus die­ser Zeit erwäh­nens­wert. Aber war­um wohl? Es ist schon eini­ge Jahr­zehn­te her, dass ich als Lokal­re­dak­teur einen Volon­tär unter mei­ne Fit­ti­che nahm, der nach sei­nem Wehr­dienst frisch aus einer (Ost-)Propagandaeinheit der Bun­des­wehr zu uns gesto­ßen war und der uns mit mar­ki­gen Sprü­chen ver­blüff­te. Einer ging so: »Gegen unse­re Fein­de hilft uns nur eins: Den Dau­men aufs Auge und die Knie auf die Brust.« Ernst Heil­mann hat das geschrie­ben, am 30. Juli 1915 in der Volks­stim­me. Das Rät­sel ist gelöst, er ist der Gesuch­te: ein ent­schie­de­ner Burg­fried­ler. Kur­ze Zeit nach der Ver­öf­fent­li­chung mel­de­te er sich zum Mili­tär. Ein Jahr spä­ter kehr­te er schwer ver­wun­det von der Front zurück. Auf einem Auge blind.