Skip to content
Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu

Krieg im Museum

Seit Jah­ren lau­tet der Leit­spruch des Hee­res­ge­schicht­li­chen Muse­ums in Wien »Krie­ge gehö­ren ins Muse­um«. Dazu bekennt sich mit sei­ner neu­en Aus­stel­lung auch das Mili­tär­hi­sto­ri­sche Muse­um der Bun­des­wehr in Dres­den. Die Aus­stel­lung zum 150. Jah­res­tag des Deutsch-Fran­zö­si­schen Krie­ges zeigt den krie­ge­ri­schen Weg, der zur Grün­dung des Deut­schen Kai­ser­rei­ches unter der Füh­rung Preu­ßens führ­te. Mit ein­be­zo­gen in die krie­ge­ri­sche Geschichts­auf­ar­bei­tung sind die Krie­ge Preu­ßens und Öster­reichs gegen Däne­mark 1864, zwei Jah­re spä­ter der Krieg Preu­ßen gegen Öster­reich, in der Schlacht bei König­grätz siegt Preu­ßen, Schles­wig-Hol­stein wird eine preu­ßi­sche Provinz.

Die Aus­stel­lung zeigt den krie­ge­ri­schen Weg Deutsch­lands zur Reichs­grün­dung am 18. Janu­ar 1871 im Spie­gel­saal des Schlos­ses Ver­sailles, hier wur­de der preu­ßi­sche König Wil­helm I. zum Deut­schen Kai­ser pro­kla­miert. Im Aus­stel­lungs­ka­ta­log heißt es: »Im Juli vor 150 Jah­ren begann der Deutsch-Fran­zö­si­sche Krieg. 2021 kehrt zum 150. Mal der Jah­res­tag der Kai­ser­pro­kla­ma­ti­on wie­der. Zuvor reih­ten sich, wenn auch kaum über­re­gio­nal wahr­ge­nom­men, 2014 Gedenk­ter­mi­ne des zwei­ten Deutsch-Däni­schen Krie­ges und 2016 des Deut­schen Krie­ges anein­an­der. Zeu­gen die­ser Epo­che sind in vie­len Deut­schen prä­sent, doch blei­ben sie für die mei­sten von uns stumm. Das mag selbst für die Ber­li­ner Sie­ges­säu­le oder das gewal­ti­ge Ham­bur­ger Bis­marck­denk­mal gel­ten.« Wei­ter heißt es: »Zahl­lo­se Plät­ze und Stra­ßen wur­den ab 1871 nach Per­sön­lich­kei­ten wie Kai­ser Wil­helm I., Gene­ral­feld­mar­schall Hel­muth von Molt­ke oder Reichs­kanz­ler Otto von Bis­marck benannt, nach Sie­gen wie Metz oder Sedan« und hei­ßen noch immer so. Auch gibt es inzwi­schen gro­ße Beden­ken gegen Bis­marck. War er es doch, der die Kon­go­kon­fe­renz über Afri­ka vom 15. Novem­ber 1884 bis zum 26. Febru­ar 1885 nach Ber­lin ein­be­ru­fen hat­te, bei der der Kon­ti­nent für den Kolo­nia­lis­mus euro­päi­scher Staa­ten auf­ge­teilt wurde.

Es geht auch um das Preu­ßen­bild, das heu­te von Alex­an­der v. Hum­boldt, Karl Fried­rich Schin­kel und Theo­dor Fon­ta­ne geprägt wird. Als Schrift­stel­ler woll­te Theo­dor Fon­ta­ne über den Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg für die Vos­si­sche Zei­tung berich­ten. Fas­zi­niert von Jean­ne d’Arc besuch­te er ihren Geburts­ort in Dom­ré­my-la-Pucel­le und wur­de am 5. Okto­ber 1870 dort als preu­ßi­scher Spi­on ver­haf­tet und auf der Insel Ile d’Oléron am Atlan­tik inhaftiert.

Die Aus­stel­lung beschränkt sich dar­auf, die poli­ti­schen Fol­gen des Krie­ges anzu­deu­ten, der am 19. Juli 1870 mit der Kriegs­er­klä­rung des fran­zö­si­schen Kai­ser­reichs an Preu­ßen begann. Aus die­ser krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung gin­gen Frank­reich und Preu­ßen ver­wan­delt her­vor – Frank­reich wur­de Repu­blik, Preu­ßen Füh­rungs­macht in dem neu gegrün­de­ten Kaiserreich.

Knapp wird berich­tet über die sozia­li­sti­sche Pari­ser Kom­mu­ne, die vom 18. März bis zum 28. Mai 1871 exi­stier­te, dann aber blu­tig nicht nur von Frank­reich, son­dern auch mit Hil­fe von Preu­ßen nie­der­ge­schla­gen wur­de. Am 16. Mai 1871 gab der Befehls­ha­ber der fran­zö­si­schen Regie­rungs­trup­pen, Mar­schall Mac-Mahon, einen Tages­be­fehl: »Sol­da­ten, soeben ist die Säu­le auf der Place Ven­dô­me gefal­len. Die Aus­län­der haben sie respek­tiert. Die Pari­ser Kom­mu­ne hat sie gestürzt. Män­ner, die sich Fran­zo­sen nen­nen, haben es gewagt, unter den Augen der Deut­schen die­ses Zeug­nis des Sie­ges der Sie­ge Eurer Väter über die euro­päi­schen Koali­ti­ons­hee­re zu zerstören.«

Aus­ge­führt hat den Abriss der Ven­dô­me-Säu­le im Auf­trag der Pari­ser Kom­mu­ne der Maler Gust­ave Cour­bet. 147 Kom­mu­nar­den wur­den an der »Mur des Fédé­rés« – der Mau­er der Föde­rier­ten – am 28. Mai 1871 erschossen.

Ich fra­ge mich nur war­um die­se Aus­stel­lung in einem mili­tär­ge­schicht­li­chen Muse­um der Bun­des­wehr stattfindet.

»KRIEGMACHTNATION – Wie das deut­sche Kai­ser­reich ent­stand«, bis zum 31. Janu­ar 2021 im Mili­tär­hi­sto­ri­schen Muse­um der Bun­des­wehr in Dres­den. Der reich illu­strier­te Kata­log der Aus­stel­lung umfasst 432 Sei­ten (48 €).