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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Krisentagebuch

                          22. Febru­ar 2022

Besuch in mei­ner Stamm­knei­pe mit dem schnör­kel­lo­sen Namen »Das Lokal«. Gespräch mit mei­nem alten Freund Kot­te. »Stell Dir vor: In der FAZ steht, dass Rau­cher schlech­te Geld­an­le­ger sind.« »Das liegt doch nicht an uns«, brummt Kot­te, »wie soll man sich auch in der Wirt­schaft aus­ken­nen, wenn man stän­dig zum Rau­chen raus­ge­schickt wird?«

      1. Febru­ar 2022

Ein gro­ßer Tag. Bun­des­kanz­ler Scholz hat 100 Mil­li­ar­den extra für die Bun­des­wehr ange­kün­digt. Bra­vo! Ich habe sofort alle Freun­de ange­ru­fen, mir deren Not­gro­schen gelie­hen und bin zur Bank gerannt. Das gan­ze Geld steckt nun in Rüstungs­ak­ti­en. Ein­mal sofort das Rich­ti­ge tun. Das Ver­nünf­ti­ge. Denn nach­hal­ti­ger kann eine Alters­vor­sor­ge nicht sein. Ich wer­de einen Leser­brief an die FAZ schreiben.

      1. April 2022

Wie­der mal sagen­haft depri­miert. Ideen­los, antriebs­los bis zur Läh­mung. Was soll nur aus der Welt, was soll nur aus mir wer­den? Einer der unzäh­li­gen Tage, die ver­strei­chen, ohne auch nur die klein­ste Spur zu hin­ter­las­sen. Viel­leicht soll­te ich nach Son­nen­un­ter­gang zur Stim­mungs­auf­hel­lung ein wenig rück­wärts­lau­fen? Gut, dass ich nicht in Devon, im US-Bun­des­staat Con­nec­ti­cut woh­ne. Dort gibt es ein aus­drück­li­ches Ver­bot, nach Son­nen­un­ter­gang rück­wärts­zu­lau­fen. Wer es tut, macht sich straf­bar und wird als psy­chisch krank ein­ge­stuft. Dabei ist es nun wirk­lich das Nor­mal­ste von der Welt, nach Son­nen­un­ter­gang rück­wärts­zu­lau­fen. Die mei­sten Poli­ti­ker die­ser Tage machen es sogar schon vor Sonnenuntergang.

      1. April 2022

Als ich eine jun­ge Frau war, war Ita­li­en mein Sehn­suchts­land. Mei­ne Vor­stel­lun­gen von Ita­li­en waren allein durch Fil­me geprägt. In Ita­li­en, so lern­te ich dort, gibt es zahl­lo­se klei­ne enge Stra­ßen mit leicht her­un­ter­ge­kom­me­nen und des­halb beson­ders schö­nen Häu­sern; an den win­zi­gen Bal­ko­nen hängt die fri­sche Wäsche, vor den Haus­tü­ren ste­hen Pla­stik­stüh­le, dort oder an den Fen­stern sit­zen oder ste­hen die Men­schen, reden laut und fröh­lich mit­ein­an­der, alles ist chao­tisch und laut und anar­chisch, Vor­schrif­ten und Geset­ze wer­den augen­zwin­kernd igno­riert. Jeder kennt sei­ne Nach­bar­schaft und die Sor­gen, nie­mand ist dort je allein. Und immer scheint die Son­ne. Das war mein Ita­li­en: Ein Para­dies. Mein ita­lie­ni­scher Thea­ter­held Dario Fo mit sei­nem leben­di­gen poli­ti­schen Thea­ter pass­te dazu. Spä­te­stens als die Ita­lie­ner, was ich ihnen nie­mals zuge­traut hät­te, sich von einem Tag auf den ande­ren und ohne jeden Wider­stand an das Rauch­ver­bot hiel­ten, habe ich mein Bild vom wider­stän­di­gen, anar­chi­sti­schen Ita­li­en begra­ben. Ciao, paradi­so! Trotz­dem hat mich eine Nach­richt aus der FAZ von heu­te doch noch getrof­fen. Aus­ge­rech­net in Ita­li­en, in Bolo­gna, wird gera­de das erste euro­päi­sche Sozi­al­kre­dit­sy­stem ent­wickelt. Unter dem Namen »Smart Citi­zen Wal­let« soll es den Bür­gern vom Herbst an mit­tels einer App auf dem Mobil­te­le­fon das Sam­meln von Tugend­punk­ten erlau­ben. Wer nach­weis­lich den Müll getrennt oder öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel benutzt hat oder wer nie im Park­ver­bot stand, erhält Gut­schrif­ten. Wofür stand nicht in der FAZ. Wahr­schein­lich für eine Rei­se nach Chi­na. Dort ist der staat­li­che Weg, mit Hil­fe der Ver­ga­be oder des Ent­zugs von Sozi­al­punk­ten die tota­le Kon­trol­le über die Bür­ger zu erhal­ten, schon weit fortgeschritten.

      1. Mai 2022

Habe geträumt, ich säße in einem Füh­rungs­kräf­te­se­mi­nar mit Götz Wer­ner, dem Grün­der der DM-Dro­ge­rie-Ket­te. Er sag­te zu mir: »Wer etwas will, der fin­det Wege. Wer etwas nicht will, der fin­det Grün­de.« Und der Semi­nar­lei­ter ergänz­te beflis­sen: »Der Gewin­ner ist immer ein Teil der Lösung, der Ver­lie­rer ist immer ein Teil des Problems.«

Als ich end­lich – schweiß­ge­ba­det - auf­wach­te, saß der Schrift­stel­ler Somer­set Maug­ham auf mei­nem Bett, um mich zu trö­sten: »Nur ein mit­tel­mä­ßi­ger Mensch ist immer in Hochform.«

      1. Mai 2022

Die Durex-Kon­dom-Wer­bung sagt: Alle drei Minu­ten infi­ziert sich ein Mensch mit einer Geschlechts­krank­heit. Die Par­ship-Wer­bung sagt: Alle elf Minu­ten ver­liebt sich ein Sin­gle über Par­ship. Über­le­ge seit Stun­den, ob es da einen Zusam­men­hang gibt.

      1. Juni 2022

Coro­na, Krieg, Hun­ger, Kli­ma, Infla­ti­on – und dann noch die Grü­nen. Wie soll ich alle die­se Kri­sen ver­kraf­ten? GOTT SEI DANK ist die Dom­bu­ch­hand­lung nur drei Minu­ten ent­fernt. Ein Groß­ein­kauf fürs Überleben:

- Mehr als alles hüte dein Herz: In Got­tes Lie­be aufatmen.
- Ich bin bei dir: 366 Lie­bes­brie­fe von Jesus.
- Wenn du für Son­ne betest, lass den Schirm zu Hau­se: Von erhör­ten Gebeten
und ande­ren Wundern.
- Tau­che die Psal­men in Far­be: Ein christ­li­ches Aus­mal­buch für Erwachsene.
- End­zeit­ge­be­te der geist­li­chen Kriegsführung.
So viel trö­sten­des Papier. Der Monat ist gerettet.
(Übri­gens: Alle die­se Bücher sind in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren erschienen.)

      1. Juni 2022

Habe eben ein Video von Ama­zon gese­hen. »Ale­xa«, fragt dort ein klei­ner Jun­ge die vir­tu­el­le Assi­sten­tin, »kann bit­te mei­ne Oma das Mär­chen vor­le­sen?« Nach einer kur­zen Bestä­ti­gung ändert sich die Stim­me von Ale­xa. Sie klingt nun wie die ver­stor­be­ne Groß­mutter des Jun­gen. Behaup­tet in dem Video jeden­falls Ale­xa-For­schungs­chef Robit Prasad. Nur eine 60 Sekun­den lan­ge alte Auf­nah­me der Oma habe aus­ge­reicht, ihre Stim­me zu syn­the­ti­sie­ren und für das Vor­le­sen des Mär­chens authen­tisch klin­gen zu las­sen. Mög­lich sei das mit Hil­fe einer neu­en, von Ama­zon ent­wickel­ten Form der Sprach­syn­the­se. Noch ist die­se Tech­nik in der Ent­wick­lungs­pha­se, aber schon bald sol­len alle Ale­xa-Gerä­te mit der Funk­ti­on Sprach­syn­the­se aus­ge­stat­tet sein. Denn Ama­zon will uns trö­sten. Vie­le Men­schen, so Robit Prasad, hät­ten in der Pan­de­mie Fami­li­en­mit­glie­der oder Freun­de ver­lo­ren. Künst­li­che Intel­li­genz kön­ne den Schmerz des Ver­lu­stes zwar nicht aus der Welt schaf­fen, aber sie kön­ne die Erin­ne­run­gen an die­se Men­schen bewahren.

Wel­che Mög­lich­kei­ten, gera­de in die­sen Zei­ten! Putin spricht Lord Vol­de­mort und Selen­skyj den Ter­mi­na­tor. Gefal­le­ne Sol­da­ten schicken ihren Frau­en und Freun­din­nen noch einen nach­träg­li­chen Gruß, ver­stor­be­ne Kin­der spre­chen Gedich­te zum Mut­ter­tag, Hun­ger­to­te kön­nen Kalo­rien­ta­bel­len vor­le­sen, im Mit­tel­meer ertrun­ke­ne Flücht­lin­ge die Euro­pa­hym­ne anstimmen.

Aber ich will von dem Elend der Welt nichts wis­sen und bin schon auf der Suche nach einer alten Sprach­auf­nah­me mei­nes Vaters. Der hat mir zwar nie Mär­chen vor­ge­le­sen, aber jetzt kann ich ihn zu einem ganz neu­en Vater wer­den las­sen. Und Horst, der mei­ne Ver­liebt­heit nie erwi­dert hat, muss mir in Zukunft täg­lich Lie­bes­ge­dich­te ins Ohr flü­stern. Dan­ke Ama­zon. Dan­ke Alexa.

      1. Juni 2022

Wenn Ret­tungs­schwim­mer einen Men­schen aus dem Meer ret­ten wol­len, neh­men sie nicht den kür­ze­sten Weg, also die Luft­li­nie, son­dern den schnell­sten. Weil sie sich durchs Was­ser nicht so schnell fort­be­we­gen kön­nen wie an Land, lau­fen sie so lan­ge wie mög­lich am Strand, bevor sie sich ins Was­ser stür­zen. Amei­sen, so haben Zoo­lo­gen der Uni­ver­si­tät Regens­burg bei Ver­su­chen mit der Klei­nen Feu­er­amei­se fest­ge­stellt, machen es genau­so. Statt des kür­ze­sten Wegs zur Nah­rungs­quel­le nut­zen sie den schnell­sten, also einen Weg mit mög­lichst weni­gen abbrem­sen­den Ober­flä­chen. Heu­te lese ich in der Zei­tung: Delik­te wie Schmug­gel, Laden­dieb­stäh­le oder Schwarz­fah­ren wer­den in Poli­zei- und Fahn­der-Fach­krei­sen auch Amei­sen­kri­mi­na­li­tät genannt. Tol­les Wort. Und genau auf den Punkt. Laden­die­be und Schwarz­fah­rer soll­ten eben vor allem schnell sein. Ich wün­sche Euch gute Kon­di­ti­on und viel Glück!

      1. Juli 2022

Auch heu­te mit mei­nem Freund Kot­te im »Lokal«. Wie immer will er zunächst von mir wis­sen, was denn heu­te Wich­ti­ges in der Zei­tung stand. »Mei­ne per­sön­li­che Pres­se­schau« nennt er das grin­send. Ich erzäh­le ihm von der blö­den Spie­gel-online-Autorin, die Lügen über Tho­mas Gott­schalk ver­brei­tet hat. Er habe sich, so behaup­tet sie, in einem Inter­view mit der Süd­deut­schen über die jun­ge Gene­ra­ti­on auf­ge­regt, weil sie so weich­ge­kocht und ängst­lich sei und sich nicht mehr traue, Wit­ze auf Kosten ande­rer zu machen. »Aber das stimmt nicht«, rege ich mich auf, »tat­säch­lich hat er gesagt, dass die jun­ge Gene­ra­ti­on heu­te so weich­ge­kocht und so ängst­lich auf Erfolg bedacht sei. Und dass kei­ner etwas falsch machen, etwas ris­kie­ren, lustig sein will.« »Und war­um macht Dich das so wütend?« fragt Kot­te. »Weil Jour­na­lis­mus immer häu­fi­ger nur noch Akti­vis­mus ist. Shits­torm statt Recher­che.« Das fal­sche Gott­schalk-Zitat, erklä­re ich Kot­te, sei ein gutes Bei­spiel dafür, wie man den vor­geb­li­chen Fein­den des poli­tisch Kor­rek­ten ein­fach eine schlech­te Hal­tung unter­stellt, die dann als Beleg für den eige­nen super­mo­ra­li­schen Stand­punkt taugt. »Gott­schalk will angeb­lich Wit­ze auf Kosten ande­rer machen. Was bedeu­tet, so schreibt die Autorin, Wit­ze auf Kosten von Schwä­che­ren. Die The­se und die Schluss­fol­ge­rung sind frei erfun­den. Egal. Bei­des dient der Poin­te: Der Selbst­dar­stel­lung der mora­li­schen Über­le­gen­heit: Die neue bes­se­re jun­ge Gene­ra­ti­on tritt in ihren Wit­zen näm­lich nicht mehr nach unten, son­dern – ich zitie­re – lie­ber nach oben. Zum Bei­spiel gegen alte wei­ße Män­ner. Und das kön­ne ziem­lich lustig sein.«

»Sind denn alte wei­ße Män­ner oben?«, fragt Kot­te. »Schau mich an: Der höch­ste Platz, den ich je ein­ge­nom­men habe, ist die­ser Bar­hocker.« Kot­te bestellt noch ein Bier. Trinkt es in einem Zug aus. »Mich ver­letzt die­se Beschimp­fung als alter wei­ßer Mann. Ja, ich bin alt. Und ich bin weiß. Das ist weder ein Ver­dienst noch ein Fehl­ver­hal­ten. Doch jeder, der alt und weiß ist, darf als Idi­ot beschimpft wer­den? Ist ein Sexist? Ein Ras­sist? Ver­tei­digt nur sei­ne Pfründe?«

»Damit musst Du wohl klar­kom­men«, scher­ze ich bemüht und küs­se Kot­te auf die Wan­ge. Doch nun ist er wütend: »Sind nicht immer die oben, die die Mei­nungs­füh­rer­schaft haben? Die, die den Dis­kurs­raum beherr­schen? Also die, die mich tre­ten? Und zwar von oben nach unten.«

      1. Juli 2022

Für einen Tag sind Coro­na, Krieg und alle ande­ren Kri­sen ver­ges­sen. Die Medi­en haben ein wich­ti­ge­res The­ma. Die pom­pö­se Hoch­zeit von Chri­sti­an Lind­ner mit der RTL-Sprin­ger-Jour­na­li­stin Fran­ca Leh­feldt auf Sylt. Lin­der, so ler­ne ich wäh­rend der Dau­er­be­richt­erstat­tung, besitzt eine deut­sche Renn­li­zenz, den Sport­boot­füh­rer­schein See, den Fische­rei­schein und er hat in Meck­len­burg-Vor­pom­mern die Jäger­prü­fung abge­legt. Groß­zü­gig tei­le ich mein neu erwor­be­nes Wis­sen abends im »Lokal« mit mei­nem Freund Kot­te. »Passt doch«, brummt Kot­te in sein Bier, »die Renn­li­zenz für den Por­sche-Freund, der Sport­boot­füh­rer­schein See für die Über­füh­rung von Flücht­lin­gen in die von ihm gefor­der­ten Flücht­lings­la­ger in Nord­afri­ka, den Fische­rei­schein für die dicken Neben­ein­künf­te und den Jagd­schein für die Hartz-IV-Emp­fän­ger.« Kot­te schweigt nach­denk­lich. Ich bestel­le ihm noch ein Bier. Das bringt ihn wie­der zum Reden: »Der Mann hat es rich­tig gemacht. Das sagt mir mein Arzt auch immer: Ich soll den Sport in mein Leben integrieren.«

      1. Juli 2022

Der Phi­lo­soph Kon­rad Paul Liess­mann behaup­tet: »Wer sich freut, denkt nicht.« Was mei­ne Erfah­rung bestä­tigt: Wer zu viel über den Zustand der Welt nach­denkt, dem kann der Spaß wirk­lich vergehen!

      1. Juli 2022

War­um wach­sen Haa­re eigent­lich nach, Zäh­ne aber nicht?

      1. Juli 2022

Der Cham­pa­gner-Ver­kauf hat 2021 einen neu­en Rekord ver­zeich­net. Welt­weit wur­den 322 Mil­lio­nen Fla­schen ver­kauft und damit 32 Pro­zent mehr als 2020. Der Umsatz betrug 5,5 Mil­li­ar­den Euro. Noch im Janu­ar die­ses Jah­res erwar­te­te der Dach­ver­band der Cham­pa­gner-Pro­du­zen­ten, das »Comi­té Cham­pa­gne«, für 2022 ein wei­te­res Plus. Doch dann ver­bot die EU im März den Ver­kauf von Cham­pa­gner nach Russ­land. Die Cham­pa­gner-Pro­du­zen­ten wer­den sich trotz­dem kei­ne Sor­gen machen müs­sen. Ich bin sicher, dass in den fei­nen Büros der vie­len Rüstungs­kon­zer­ne täg­lich zur Hap­py Hour mit Cham­pa­gner auf den Krieg in der Ukrai­ne ange­sto­ßen wird. Und auf die stei­gen­den Aktienkurse.

      1. Eine Über­schrift vom Janu­ar (!) auf der Home­page von LYNX, einem nie­der­län­di­schen Online-Bro­ker: »Rüstungs­ak­ti­en: Kau­fen, bevor die Kano­nen donnern?«

 

      1. Juli 2022

Wenn ich – wie heu­te - den Boden unter den Füßen ver­lie­re, wenn mir die Welt als schwan­ken­des Floss auf einem mör­de­ri­schen Stru­del erscheint, über­all Kri­sen, über­all Kata­stro­phen, dann lese ich in mei­ner Samm­lung kurio­ser Schlag­zei­len. Beru­hi­gen­de Fund­stücke aus dem wah­ren Leben:

»Säch­si­sche Poli­zei fahn­det nach Schaufensterpuppe.«
»Schaff­ner schmug­gel­te kisten­wei­se Staubsaugerbeutel.«
»Ent­lau­fe­ne Kuh taucht vor McDo­nalds auf.«
»Mann will unbe­dingt zurück ins Gefängnis.«
»Socken und Glüh­bir­nen – Haus­tie­re fres­sen alles.«
»Betrun­ke­ne Coro­na-Infi­zier­te lecken Sit­ze in Poli­zei­wa­gen ab.«

      1. Juli 2022

Gestern gab es im Hin­ter­zim­mer mei­ner Lieb­lings­rau­cher­knei­pe »Das Lokal« einen Wett­be­werb. Die Idee stamm­te von mei­nem Freund Kot­te. Er hat­te mit einem Rub­bel­los einen Gut­schein gewon­nen – für den Work­shop »Resi­li­enz: Der Umgang mit Stress«, der in einem Yoga-Haus irgend­wo in Bran­den­burg statt­fin­den wür­de und laut Beschrei­bung »in Zei­ten der Kri­sen eine lebens­wich­ti­ge Hil­fe« sei. »Den soll jemand bekom­men, der es wirk­lich nötig hat« ver­kün­de­te Kot­te grin­send und dach­te sich bei eini­gen Bier den Wett­be­werb aus. Neu­er Gewin­ner des Work­shops soll­te der­je­ni­ge sein, der am schön­sten das Wort »Welt­un­ter­gang“ vor­tra­gen oder vor­spie­len wür­de. Sin­gend, tan­zend, mit und ohne Play­back, ver­klei­det, mit selbst gemal­ten Transparenten…

Kot­te war Feu­er und Flam­me für sei­ne Idee. Und lief zu unge­wöhn­li­cher Akti­vi­tät auf. Er über­re­de­te sei­nen Freund Gerd, sich zur musi­ka­li­schen Beglei­tung ans Kla­vier zu set­zen; er mie­te­te eine Karao­ke-Anla­ge, er stell­te aus den Stamm­gä­sten des »Lokals« eine fünf­köp­fi­ge Jury zusam­men und kopier­te 500-mal einen Wer­be-Hand­zet­tel, in der er zu einer »Welt­un­ter­gangs­par­ty« ein­lud. Beim Bier erzähl­te er mir vom Halley’schen Kome­ten, der bei sei­ner vor­letz­ten Annä­he­rung an die Erde im Jah­re 1910 eine Art Mas­sen­pa­nik aus­lö­ste. »Die Wis­sen­schaft hat­te angeb­lich her­aus­ge­fun­den, dass der Kome­ten­schweif gif­ti­ge Gase, näm­lich Blau­säu­re, ent­hält. Und natür­lich haben cle­ve­re Geschäfts­leu­te mit die­ser Angst eine Men­ge Geld gemacht. Sie ver­kauf­ten Gas­mas­ken für den Ernst­fall, Fla­schen mit Atem­luft und soge­nann­te Kome­ten­pil­len. Und die Men­schen konn­ten nicht genug davon bekommen.«

Doch nicht alle hat­ten damals Angst – im Gegen­teil. In der jun­gen Gene­ra­ti­on herrsch­te gera­de­zu lust­vol­le Welt­un­ter­gangs­stim­mung. Beson­ders jun­ge Künst­ler lit­ten unter der star­ren und spie­ßi­gen Gesell­schaft des Kai­ser­rei­ches und such­ten den Kick. Die größ­te Nähe des Kome­ten zur Erde und damit der Welt­un­ter­gang waren für den 18. Mai 1910 ange­kün­digt. In Paris gab es Kome­ten­sou­pers, in Madrid pil­ger­ten die Men­schen zu den höchst­ge­le­ge­nen Plät­zen der Stadt, in Rom blie­ben Cafés und Restau­rants rund um die Uhr geöff­net und in Ber­lin gab es Hun­der­te von Welt­un­ter­gangs­par­tys, bei der »Kome­ten­bow­le« mit defor­mier­ten Eis­klum­pen ser­viert wur­de. In die­sen Tagen schrieb der deutsch-jüdi­sche Dich­ter Jakob von Hod­dis sein Gedicht »Welt­ende«, das 1911 in der Ber­li­ner Zeit­schrift Der Demo­krat erst­mals ver­öf­fent­licht wur­de und als eines der ersten Wer­ke des Expres­sio­nis­mus gilt. »Welt­ende«, das es in nur acht Zei­len schafft, auf das bröckeln­de Kai­ser­reich, den ent­glei­sen­den tech­ni­schen Fort­schritt und die Sen­sa­ti­ons­lust der Medi­en hin­zu­wei­sen, wur­de zum Kultgedicht:

Welt­ende
Dem Bür­ger fliegt vom spit­zen Kopf der Hut,
In allen Lüf­ten hallt es wie Geschrei.
Dach­decker stür­zen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
 
Der Sturm ist da, die wil­den Mee­re hupfen
An Land, um dicke Däm­me zu zerdrücken.
Die mei­sten Men­schen haben einen Schnupfen.
Die Eisen­bah­nen fal­len von den Brücken.

Das Welt­un­ter­gangs­fest im »Lokal« war dann ein­fach groß­ar­tig. Bastien­ne trug mit einer pink­far­be­nen Boa um den Hals das Gedicht »Welt­ende« von Else Las­ker-Schü­ler vor: »Es pocht eine Sehn­sucht an die Welt, an der wir ster­ben müs­sen.«. Gerd impro­vi­sier­te dazu am Kla­vier. Uli par­odier­te in einer gelie­he­nen Sol­da­ten­uni­form und mit Hil­fe der Karao­ke-Anla­ge den Schla­ger »Am 30. Mai ist der Welt­un­ter­gang« aus dem Jah­re 1954; Danie­la hat­te auf Dut­zen­de von bun­ten Zet­teln die vie­len neu­en und alten Kri­sen auf­ge­schrie­ben und die­se Zet­tel an ihr lan­ges schwar­zes Kleid gehef­tet: Coro­na­kri­se, Bil­dungs­kri­se, Wirt­schafts­kri­se, Welt­wirt­schafts­kri­se, Brexit, Regie­rungs­kri­se, Kino­kri­se, Thea­ter­kri­se, Medi­en­kri­se, Immo­bi­li­en­kri­se, Finanz­kri­se, Ban­ken­kri­se, Lie­fer­ket­ten­kri­se, Rechts­staats­kri­se, Flücht­lings­kri­se, Kli­ma­kri­se, Hun­ger­kri­se, Ukrai­ne­kri­se… Auf sehr hohen Absät­zen und mit Ziga­ret­ten­spit­ze stol­zier­te sie durch das Lokal und jubel­te immer wie­der büh­nen­reif: »Das haben wir alles über­lebt!«. Wolf­gang hat­te sich eine Art Blau­licht mit Sire­ne auf den Kopf geschnallt und trug ein T-Shirt mit der Auf­schrift »Ach­tung, Welt­un­ter­gang«. Kot­te trug mit leich­ter Iro­nie das Welt­ende-Gedicht von Jakob von Hod­dis vor und zum Schluss des noch viel umfang­rei­che­ren Wett­be­werbs­pro­gramms sang Gerd »The Future« von Leo­nard Cohen: »Ich habe die Zukunft gese­hen. Es ist Mord!«

Neben den übli­chen Geträn­ken gab es ame­ri­ka­ni­schen Bour­bon Whis­ky und rus­si­schen Wod­ka, um das ersehn­te Frie­dens­ab­kom­men her­bei­zu­trin­ken. Spä­ter, betrun­ken und in bester Welt­un­ter­gangs­lau­ne, gröl­ten wir zur Karao­ke-Anla­ge »High­way To Hell« von AC/​DC oder »Sag alles ab« von Tocotronic.

Den Wett­be­werb gewon­nen hat übri­gens Fran­zis­ka, die sich im kur­zen gol­de­nen Kleid als die berühm­te Ber­li­ner Hetä­re Salo­mé Bal­thus aus­gab und die Auf­for­de­rung »Komm zu mir, ich bin Dein Welt­un­ter­gang« mit ihrer rau­chig-ero­ti­scher Stim­me in jedes geneig­te Ohr hauch­te. So schön kann Kri­se sein.

      1. Der Gut­schein für den Work­shop hat übri­gens kei­nen Abneh­mer gefunden.

 

      1. Juli 2022

Ein Tag auf dem Sofa. Der Fern­se­her läuft. Bloß kei­ne Nach­rich­ten, heu­te nicht. Bloß nichts vom Krieg. Auf 3sat läuft die Doku­men­ta­ti­on »Tie­ri­sche Freaks«. Bei den See­pferd­chen bringt der Vater die Jun­gen zur Welt; der Koli­bri ernährt sich von Blü­ten­nek­tar, Insek­ten und Spin­nen; Sai­ga-Anti­lo­pen tra­gen wah­re Rüs­sel im Gesicht; Faul­tie­re fal­len durch extrem lang­sa­me Bewe­gun­gen auf. Mehr kann ich heu­te nicht erzählen.

      1. August 2022

Ich träu­me von einem Tag, an dem alles, wirk­lich alles erle­digt ist.

Wie wäre es, die unan­ge­neh­men Din­ge des Lebens am Stück hin­ter sich zu brin­gen? Im Janu­ar alle Zahn­arzt­be­su­che, im Febru­ar alle Steu­er­erklä­run­gen, im März bei Tag und bei Nacht die gesam­te Trep­pen­haus­rei­ni­gung zwi­schen erster Woh­nung und Alters­heim. Sie ver­ste­hen das Prin­zip? Und im Dezem­ber – bei Spe­ku­la­ti­us, Ker­zen­licht und besinn­li­cher Marsch­mu­sik – alle süß­li­chen Weih­nachts­an­spra­chen, alle heuch­le­ri­schen Sonn­tags­re­den, jedes Gedenk­tag-Erin­ne­rungs­ge­schwätz, jede noch so unauf­rich­ti­ge Frie­dens­re­de. Danach die Sil­ve­ster­b­öl­ler eines gan­zen Lebens – all die Wut, all die Ent­täu­schun­gen, all die poli­ti­schen Lügen mit einem stun­den­lan­gen Feu­er­werk in den Him­mel gejagt! Und dann wäre es end­lich still.

      1. August 2022

Es gibt in die­sen Zei­ten häu­fig Tage, an denen mich die Zei­tungs­lek­tü­re ein­fach nur noch ver­zwei­feln lässt. Heu­te ist es die Süd­deut­sche, die mir Angst macht. Es geht um Shits­torms, in die­sem Fall gegen Pro­mi­nen­te, und nicht jeder Shits­torm, meint die Autorin, sei so ein­fach abzutun.

Zum Bei­spiel der Schrift­stel­ler Dani­el Kehl­mann. Der hat­te sich in der FAZ, wie die Süd­deut­sche Dame es for­mu­liert, »unge­wöhn­lich pole­misch gegen eine erneu­te Mas­ken­pflicht aus­ge­spro­chen«. Doch auf die hef­ti­ge Kri­tik, die Kehl­mann wegen sei­ner Ableh­nung der Mas­ken­pflicht auf Twit­ter ent­ge­gen­schlug, habe er nicht reagiert. Die SZ-Autorin ist der Ansicht, »dass man sich heu­te erklä­ren muss, um sich von einer Ecke zu distan­zie­ren, der man nicht zuge­rech­net wer­den will«. Ich weiß nicht, woher die Autorin ihre Über­zeu­gung nimmt, dass Dani­el Kehl­mann nicht einer bestimm­ten Ecke (gemeint ist sicher die »Querdenker«-Ecke) zuge­rech­net wer­den will. Viel­leicht ist es ihm auch ein­fach egal, was irgend­wer auf Twit­ter pöbelt. In Ihrer For­mu­lie­rung bie­tet die SZ-Dame Dani­el Kehl­mann aber groß­zü­gig noch eine Chan­ce: Distan­zie­re Dich von der fal­schen Ecke und erklä­re, dass Du die Ableh­nung der Mas­ken­pflicht nicht so ernst gemeint hast – und schon bist Du wie­der Teil der Gemeinschaft.

      1. August 2022

Ich drucke, um etwas gegen mei­ne anhal­ten­de see­li­sche Übel­keit zu tun, den Gast­bei­trag von Dani­el Kehl­mann in der FAZ aus und neh­me ihn am Abend mit ins »Lokal«, um ihn mei­nem Freund Kot­te vor­zu­le­sen: »Hör zu, das ist wirk­lich ein guter Text. Kehl­mann fragt, ob wir auf Dau­er die mas­kier­te Gesell­schaft wol­len.« Kot­te braucht erst ein fri­sches Bier, dann lässt er sich vorlesen:

»Der Herbst kommt, und der Deut­sche ver­hüllt sein Gesicht. So sieht die gesell­schafts­po­li­ti­sche Visi­on der Regie­rung aus. Alles, was man einst gegen reli­giö­se oder poli­ti­sche Ver­mum­mung ein­ge­wen­det hat, scheint plötz­lich neben­säch­lich, und der Umstand, dass es in Deutsch­land bereits unzäh­li­ge Kin­der gibt, die das mensch­li­che Gesicht für etwas Obszö­nes hal­ten, das man eben­so wenig ent­blößt her­um­tra­gen soll­te wie Gesäß und Geni­tal, scheint nicht wich­tig gegen­über der Gefahr einer Krank­heit, die zwar jetzt gera­de gebannt sei, aber im Herbst wie­der mit Wucht zu­schlagen werde.

Doch ist das über­haupt so? Die Imp­fung funk­tio­niert schließ­lich im Herbst so gut wie im Som­mer, und wenn man den Viro­lo­gen glau­ben darf, ist es weder mög­lich noch nötig, zu ver­mei­den, dass wir uns alle in den kom­men­den Jah­ren wie­der­holt infi­zie­ren: Die Imp­fung sei gewis­ser­ma­ßen das Auf­sprin­gen auf einen fah­ren­den Zug, so Chri­sti­an Dro­sten in sei­nem Pod­cast; sei man ein­mal auf die­sem Zug, so rol­le er, und das Immun­sy­stem erfah­re immer neue Updates durch die Krank­heit selbst. Mit ande­ren Wor­ten: Wir wer­den uns alle mit Covid infi­zie­ren, und zwar wie­der und wie­der; das ist in kei­ner Wei­se erfreu­lich, aber es ist auch dank der Imp­fung kei­ne Ka­tastrophe mehr. Die Regie­rung gibt das durch­aus zu, und zugleich will sie bald die Mas­ke zurück­brin­gen. Es wer­de jeder Coro­na bekom­men, aber es müs­se unbe­dingt ver­hin­dert wer­den, dass die Leu­te Coro­na bekä­men. Wie löst sich die­ses Para­dox, das in kei­nem ande­ren west­li­chen Land herrscht?«

»Ach, lies selbst«, unter­bre­che ich mei­nen Vor­trag. Ich brau­che jetzt auch erst mal ein Bier.

Ich bin sicher, Dani­el Kehl­mann wird der mora­lin­sauren Auf­for­de­rung der SZ-Autorin zu einer Ent­schul­di­gung nicht nach­kom­men. War­um auch? »Der Mensch gewöhnt sich ver­blüf­fend schnell an zivi­li­sa­to­ri­sche Ein­schnit­te«, hat Dani­el Kehl­mann auch geschrie­ben. Schlim­mer noch. Als begei­ster­ter Anhän­ger staat­li­cher Erzie­hungs­maß­nah­men denun­ziert der um Ori­en­tie­rung fle­hen­de Unter­tan mit Vor­lie­be jene, die nicht stramm­ste­hen wollen.

      1. August 2022

Ich bin immer noch mit der für den Herbst ange­kün­dig­ten Mas­ken­pflicht beschäf­tigt. Die ja wegen der kom­pli­zier­ten Ein­lass­re­gel zum Bei­spiel in der Gastro­no­mie auch noch mit einem sub­ti­len Impf­zwang ver­bun­den wer­den soll. Soll es nie auf­hö­ren mit der Mas­ken­pflicht? Eine erschrecken­de Ant­wort auf die­se Fra­ge kam neu­lich von der Bun­des­tags­prä­si­den­tin. Eine Mas­ken­pflicht vom Herbst bis zum Früh­ling sei ja »auch wegen ande­rer Infek­ti­ons­krank­hei­ten angeraten«.

Ich fra­ge mich, woher wir frü­her den Mut genom­men haben, ohne Mas­ken durch die Welt zu lau­fen und ande­ren Men­schen ohne Mas­ke zu begeg­nen. Das Gesicht war schon immer gefähr­lich, aus Nase und Mund kom­men stän­dig Viren und Bazil­len, Atem und Spei­chel ber­gen die Gefahr von Ansteckung. Ekelhaft.

Ich plä­die­re schon lan­ge für das Ganz­kör­per­kon­dom mit Tau­cher­mas­ke. Ich soll­te einen Ter­min mit Herrn Lau­ter­bach ver­ein­ba­ren. Der wird mich verstehen.

      1. August 2022

Noch ein­mal rei­sen, bevor auch das Kero­sin ratio­niert wird (Ach­tung: Ölkri­se!). Natür­lich eine Bil­dungs­rei­se. Bil­dung, habe ich gera­de gele­sen, formt Men­schen zu wert­vol­len Per­sön­lich­kei­ten in der Gesell­schaft. Mei­ne Rei­se­zie­le: Erst Russ­land und dann die USA. Wert­vol­le Per­sön­lich­kei­ten wer­den an bei­den Orten drin­gend gebraucht.

Die Flü­ge (Ber­lin-Baku-Mos­kau mit Azer­bai­jan Air­lines und Frank­furt-New York mit der Luft­han­sa) sind gebucht. Auch habe ich mir schon die wich­tig­sten Not­fall­sät­ze für bei­de Staa­ten in Rus­sisch bzw. Eng­lisch notiert.

Für Russ­land: Я также не верю в свободу самовыражения.
Ich hal­te auch nichts von Meinungsfreiheit.
У меня нет никаких контактов с гражданами США.
Ich pfle­ge kei­ner­lei Kon­tak­te zu US-Bürgern.
Да, да - конечно, Россия является сверхдержавой.
Doch, doch – natür­lich ist Russ­land eine Supermacht.
Дайте миру шанс!
Gebt dem Frie­den eine Chance!
Für die USA:
I don’t belie­ve in free­dom of speech either.
Ich hal­te auch nichts von Meinungsfreiheit.
I don’t have any cont­acts with Russians.
Ich pfle­ge kei­ner­lei Kon­tak­te zu Russen.
Yes, yes – of cour­se the USA is a superpower.
Doch, doch – natür­lich sind die USA eine Supermacht.
Give peace a chance!
Gebt dem Frie­den eine Chance!
 

      1. August 2022

Stel­le mir oft vor, wie wohl mei­ne letz­ten Stun­den, Minu­ten, Sekun­den auf dem Erden­rund ver­lau­fen. Angeb­lich soll ja das gesam­te Leben noch mal Revue pas­sie­ren. Bloß nicht. Dafür füh­re ich Tage­buch. Was ich auf­ge­schrie­ben habe, ist qua­si ent­sorgt. Mein letz­ten – atem­lo­sen – Gedan­ken auf dem Ster­be­bett wer­den sein: War­um konn­te Hele­ne Fischer nicht vor mir ster­ben? War­um ist Anna­le­na Baer­bock nicht ein­fach Haus­frau und Mut­ter gewor­den? Und noch ein letz­ter Wunsch: Nie mehr die Mei­ster­schaft für Bay­ern Mün­chen. Sonst krie­ge ich die Krise.