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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Notwendige Einsparungen

Glaubt man dem Spie­gel, sol­len bei den bei­den Stutt­gar­ter Zei­tun­gen (StZ und StN) 20 Pro­zent der Redak­teu­re ein­ge­spart wer­den. Dage­gen spricht eigent­lich wenig, da wir bei der Coro­na-Bericht­erstat­tung gese­hen haben, dass die PR von Pfi­zer und Co. bzw. von deren Exper­ten und Freun­den in und unter unse­ren Regie­run­gen (Bund und Län­der) völ­lig aus­reicht. Die ein biss­chen umzu­schrei­ben, lokal anzu­pas­sen, dafür reicht die Volontärin.

Anzu­rei­chern sind die­se Berich­te durch die schö­nen Bil­der mit den Her­ren Kret­sch­mann, Pal­mer und Özde­mir und fer­tig. Ab und an noch eine Home­sto­ry, die etwas betrof­fen macht (Kran­ken­haus­ge­schich­ten sind sehr beliebt).

Nicht feh­len dür­fen die Poli­zei­be­rich­te über frei wedeln­den Exhi­bi­tio­ni­sten, die sich gro­ßer Beliebt­heit erfreu­en. Dazu noch die Ver­kehrs­un­fäl­le – und fer­tig ist das Qua­li­täts­me­di­um, das kei­ne Kon­kur­renz zu fürch­ten hat, weil es kei­ne mehr gibt.

Auch für die Süd­deut­sche schla­ge ich eine Redak­teurs­re­duk­ti­on vor. Zur Coro­na-Bericht­erstat­tung gab es dort bis­lang nur Big Phar­ma und Big Data. Wie wäre es ein­mal mit einer Mel­dung zu den Imp­fop­fern – und zum Aus­gleich dann ein schö­ner Text zum Noce­bo-Effekt: »Nach der Imp­fung tot – alles Einbildung?«*

Doch ich bin unge­recht, es gibt ganz sel­ten auch nütz­li­che Tex­te dort. Ich mei­ne nun kei­nen zur Fra­ge, ob man Spi­nat zwei­mal warm machen darf, son­dern: »Kir­chen­aus­tritt in Deutsch­land. So tritt man aus der Kir­che aus« (StZ). Gro­ßes Lob!

Wenn man uns nun auch noch erklärt, wie man den Bei­trag für den öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk ein­spa­ren kann, fällt uns der Abschied von die­sen Zei­tun­gen und Medi­en doch nicht ganz so leicht.

* Der Effekt gilt natür­lich nur für die ein­ge­bil­de­ten Fol­gen der Imp­fung, nicht für »Long-Covid«. Beson­ders pein­lich: In Stutt­gart wer­den nun Foto­gra­fien von Long-Covid-Pati­en­ten in der Stadt ver­teilt auf­ge­hängt. Den Leu­ten graut vor gar nichts. 

 PS: Die Post nutzt auch die Coro­na-Kri­se – sie schließt im Stutt­gar­ter Osten, kein klei­ner Stadt­teil in Stutt­gart, ihre Schal­ter an zen­tra­ler Stel­le. Soll­te es eine Anti-Digi­ta­li­sie­rungs­par­tei geben – die Ent­wick­lun­gen bei der Post, der Deut­schen Bahn oder mei­ner Bank sind schmerz­li­che Bewei­se, dass es so eine Par­tei braucht –, will ich dort auch mit­ma­chen. Das mag für einen undog­ma­ti­schen Mar­xi­sten selt­sam erschei­nen, aber ich erin­ne­re an Ador­no: Der Welt­geist hat die Front gewechselt …