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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Spanien im Wahlmodus

Mit einer Son­der­sen­dung unter­brach am 18. Sep­tem­ber das spa­ni­sche Fern­se­hen TV1 sein lau­fen­des Abend­pro­gramm und ver­kün­de­te, dass am 10. Novem­ber Neu­wah­len für das Par­la­ment in Madrid statt­fin­den. Etwas spä­ter erklär­te König Feli­pe VI. schrift­lich, dass er kei­nen Kan­di­da­ten für das Amt des spa­ni­schen Mini­ster­prä­si­den­ten gefun­den habe. Der amtie­ren­de Mini­ster­prä­si­dent Pedro Sán­chez beteu­er­te: »Ich habe alles ver­sucht, aber sie haben es mir unmög­lich gemacht«, damit mein­te er vor allem Uni­dos Pode­mos, aber auch Ciu­da­da­nos und die Parti­do Popu­lar (PP). Trotz zahl­rei­cher Ver­hand­lun­gen konn­ten die Dif­fe­ren­zen nicht über­wun­den werden.

In sei­nem Amts­sitz im Mon­cloa-Palast emp­fahl sich der Vor­sit­zen­de der Parti­do Socia­li­sta Obre­ro Espa­ñol (PSOE), Pedro Sán­chez, vor Jour­na­li­sten den­noch erneut als Vor­kämp­fer für eine sta­bi­le und fort­schritt­li­che Regie­rung. Auch bat er die Spa­ni­er, ihm bei der Wahl am 10. Novem­ber eine Mehr­heit zu ver­schaf­fen. Die PSOE war bei der Wahl am 28. April zwar stärk­ste Par­tei gewor­den, hat­te aber zum Regie­ren kei­ne Mehr­heit erlangt.

In Wahl­gän­gen am 23. und 25. Juli war Sán­chez im Par­la­ment geschei­tert. Hät­te er sich bis zum 23. Sep­tem­ber erneut als Mini­ster­prä­si­dent zur Wahl gestellt, wäre Ähn­li­ches pas­siert wie im Juli. Das Pro­blem in Spa­ni­en ist bis dato, dass Regie­rungs­bünd­nis­se wie in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land oder in ande­ren west­eu­ro­päi­schen Län­dern nur in den Regio­nal­par­la­men­ten bekannt sind, nicht aber in Madrid. Inner­halb weni­ger Jah­re hat sich das ehe­ma­li­ge Zwei­par­tei­en­par­la­ment in Madrid jedoch zu einem Mehr­par­tei­en­par­la­ment gewan­delt. Trotz­dem möch­ten PSOE und PP allein regieren.

Kurz vor dem 23. Sep­tem­ber bekam Sán­chez von sei­nem Wunsch­part­ner, der rechts­li­be­ra­len Ciu­da­da­nos-Par­tei, noch ein zwei­fel­haf­tes Ange­bot: Der Ciu­da­da­nos-Vor­sit­zen­de Albert Rive­ra woll­te mit dem Vor­sit­zen­den der PP, Pablo Casa­do, bei Sán­chez‘ Wie­der­wahl durch Ent­hal­tung bei­der Par­tei­en hel­fen. Dafür soll­te die PSOE unter ande­rem dar­auf ein­wir­ken, bei den im Okto­ber zu erwar­ten­den Urtei­len gegen die Kata­la­nen eine Begna­di­gung zu ver­hin­dern. Wohl kein seriö­ses Ange­bot der bür­ger­li­chen Par­tei­en für eine Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Partei.

Aktu­el­le Umfra­gen zei­gen, dass auch die Wahl am 10. Novem­ber die Blocka­de im spa­ni­schen Par­la­ment nicht been­den wird. Zwar kön­nen PSOE und PP zule­gen, wäh­rend Uni­dos Pode­mos, Ciu­da­da­nos und der rechts­po­pu­li­sti­schen VOX-Par­tei Ein­bu­ßen dro­hen, aber weder für ein lin­kes noch für ein rech­tes Par­tei­en­la­ger zeich­net sich eine Mehr­heit zum Regie­ren ab.