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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Virtueller Hausbesuch bei Engels in London

Die Coro­na-Pan­de­mie tan­giert post­hum auch Fried­rich Engels – sind doch die man­nig­fa­chen Ver­an­stal­tun­gen und Aus­stel­lun­gen aus Anlass sei­nes 200. Geburts­ta­ges alle bis auf wei­te­res abge­sagt wor­den und teils ganz aus­ge­fal­len. Die eigent­lich im Juni 2020 in East­bourne vor­ge­se­he­ne inter­na­tio­na­le Engels-Kon­fe­renz der Uni­ver­si­ty of Brighton zum Bei­spiel soll – so heißt es – mög­lichst im Juni 2021 stattfinden.

Covid-19 hat auch das Ver­ei­nig­te König­reich fest im Griff und zig­tau­sen­den Men­schen den Tod gebracht. Wel­che poli­ti­schen Fol­gen die zum Teil hef­ti­ge Kri­tik an den Regie­rungs­maß­nah­men in näch­ster Zeit bewirkt – der Pre­mier und sein Kabi­nett hät­ten den Ernst der Pan­de­miela­ge viel zu spät erkannt und den gro­ßen und tra­gi­schen Man­gel an Per­so­nal, Schutz­aus­rü­stun­gen, Beatmungs­ge­rä­ten und Coro­na-Tests zu ver­ant­wor­ten – bleibt abzu­war­ten. Seit dem 23. März – und damit spä­ter als in vie­len kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Staa­ten – herr­schen auch auf der Insel »shut­down« und »lock­down«, ist den Bri­ten unter Wah­rung des 2-Meter-Abstands der Aus­gang nur noch in drin­gen­den Fäl­len und zum Sport trei­ben erlaubt. Immer­hin über­nimmt der Staat 80 Pro­zent (bezie­hungs­wei­se maxi­mal 2500 Pfund) der Lohn- und Gehalts­fort­zah­lung für Beschäf­tig­te, die in den Zwangs­ur­laub geschickt wor­den sind.

Dass an eine Städ­te­tour in die fast wie aus­ge­stor­ben wir­ken­de Metro­po­le Lon­don der­zeit für nie­man­den zu den­ken ist, ver­steht sich von selbst. Merk­wür­di­ger­wei­se ist Anfang März der Bau einer drit­ten Start- und Lan­de­bahn am Flug­ha­fen Heathrow gericht­lich unter­sagt wor­den, weil er gegen wich­ti­ge Umwelt­auf­la­gen des Pari­ser Kli­ma­ab­kom­mens ver­stößt. In die­sen Tagen gibt es jeden­falls kei­ne Mög­lich­keit, als neu­gie­ri­ger Tou­rist die Regent‘s Park Road im Stadt­teil Prim­ro­se Hill anzu­steu­ern, um das von Fried­rich Engels vom Sep­tem­ber 1870 bis zum Okto­ber 1894 bewohn­te Anwe­sen mit der Num­mer 122 zu betrach­ten, des­sen Außen­fas­sa­de intakt geblie­ben ist. Das vier­ge­schos­si­ge geor­gia­ni­sche Rei­hen­haus hat­te damals im Sou­ter­rain neben eini­gen Kel­ler­räu­men eine gro­ße und klei­ne Küche sowie ein sogar mit einer Wan­ne auf­war­ten­des Bade­zim­mer. Im Erd­ge­schoss befan­den sich ein – durch Flü­gel­tü­ren getrenn­tes – Früh­stücks- und Ess­zim­mer, im ersten Stock hat­te Engels anstatt des übli­chen Salons sein groß­zü­gi­ges Arbeits­zim­mer ein­ge­rich­tet – ver­se­hen mit decken­ho­hen Bücher­schrän­ken und einem ein­drucks­vol­len Kamin. Im zwei­ten und drit­ten Stock lagen die Schlaf- und ein Gäste­zim­mer sowie die Kam­mer für das Dienst­mäd­chen. Eine Jah­res­mie­te von 60 Pfund hat­te Engels zu ent­rich­ten – die­ser Tage wären gut 85.000 Pfund Ster­ling fällig.

Fried­rich Engels war gewiss kein armer Mann. Als er 1869 sei­ne Teil­ha­ber­schaft an der Fir­ma Ermen & Engels in Man­che­ster been­de­te und sich aus­zah­len ließ, war sein Ver­mö­gen hoch genug, um aus­schließ­lich von den Zin­sen und Erträ­gen leben zu kön­nen und dem häu­fig klam­men Freund Karl Marx regel­mä­ßig eine hüb­sche fixe Sum­me aus­zu­be­zah­len. (Engels, der die Sub­stanz sei­nes Ver­mö­gens nicht anta­sten muss­te, hin­ter­ließ den zahl­rei­chen Erben nach Steu­ern gut 20.000 Pfund – umge­rech­net gut zwei­ein­halb Mil­lio­nen Euro.) Sein neu­es Lon­do­ner Heim bezog der auf viel Zeit für wis­sen­schaft­li­che, publi­zi­sti­sche und poli­ti­sche Arbeit hof­fen­de Ren­tier am 20. Sep­tem­ber 1874 nicht allein. Ihm zur Sei­te stan­den sei­ne Lis­sie geru­fe­ne Lebens­part­ne­rin Lydia Burns und – an Kin­des statt – deren Pumps geru­fe­ne Nich­te Mary-Ellen. Auch in Man­che­ster hat­te Fried­rich bereits mit den bei­den Frau­en zusam­men­ge­lebt, wobei er zunächst mit Liz­zi­es Schwe­ster Mary eine Lie­bes­be­zie­hung gepflegt hat­te, bis ihm der Tod die erst 41-Jäh­ri­ge am 7. Janu­ar 1863 ent­ris­sen hatte.

Das neue Heim in dem zu jener Zeit gut­bür­ger­li­chen Vier­tel war Engels von Jen­ny Marx ver­mit­telt wor­den, die mit ihrem Karl und den Töch­tern seit 1864 eini­ge Stra­ßen wei­ter in dem Rei­hen­haus 1, Mode­na Vil­las in der Mait­land Park Road wohn­te. Im ersten Stock ver­füg­te Marx über ein gro­ßes und hel­les Arbeits­zim­mer vol­ler Bücher und Zeit­schrif­ten­sta­pel, in dem er auch die Inter­na­tio­na­li­sten und Freun­de sowie wochen­tags täg­lich Engels emp­fing. Der Weg zu dem Mohr geru­fe­nen Mit­strei­ter führ­te den Gene­ral genann­ten Ren­tier über eine alte Eisen­brücke und dann quer über den mit einem stei­len Anstieg auf­war­ten­den Haver­stock Hill, der die Lon­do­ner City mit Hamp­stead ver­bin­det. Die bei­den tausch­ten sich über Arbei­ten und die The­men aus, die sie gera­de stark beschäf­tig­ten, und gin­gen dabei ste­tig auf und ab – »jeder auf sei­ner Sei­te des Zim­mers, und jeder höhl­te sei­ne beson­de­ren Löcher in sei­nem eige­nen Win­kel aus, wo sie mit einem selt­sa­men Schwung sich auf den Absät­zen umdreh­ten«, berich­te­te Elea­nor Marx. Wenn das Wet­ter gün­stig war, mach­ten sie ihre legen­dä­ren for­schen Fuß­mär­sche nach Hamp­stead Heath und zurück.

Das – von Spit­zeln über­wach­te – Leben in 122, Regent‘s Park Road ver­lief wochen­tags für Fried­rich Engels in den festen Bah­nen sei­nes Arbeits­rhyth­mus, dem Stu­di­um, der schrift­stel­le­ri­schen Arbeit und der Erle­di­gung der Kor­re­spon­denz. Unter­bro­chen vom Gang zu und den Gän­gen mit Marx und dem gemein­sa­men Abend­essen mit Liz­zie und Pumps. Sozia­li­stisch enga­gier­te Besu­cher waren ihm immer will­kom­men, dazu gehör­ten nicht zuletzt Karl Kaut­sky, Wil­helm Lieb­knecht, Wil­liam Mor­ris und Edu­ard Bern­stein, der in den 1880er Jah­ren regel­mä­ßig zu Besuch kam und mit ihm debat­tier­te. Dabei offen­bar­te sich Bern­stein zufol­ge das »stür­mi­sche Engels­sche Tem­pe­ra­ment, hin­ter dem sich ein wahr­haft edles Gemüt und viel Güte barg […], eben­so rück­halt­los wie des gebo­re­nen Rhein­län­ders fröh­li­che Lebensauffassung«.

Sonn­tag­nach­mit­tags führ­ten Fried­rich und Liz­zie ein offe­nes Haus für Sozia­li­sten, Kri­ti­ker und Schrift­stel­ler, berich­te­te August Bebel. Dann wur­den um das Kla­vier her­um Volks­lie­der gesun­gen, gab es Fleisch­spei­sen und Salat, flos­sen reich­lich Wald­mei­ster­bow­le und Pil­se­ner. Ab dem März 1875 führ­te Engels der Weg zu Marx zwar nach wie vor in die Mait­land Park Road, aber fort­an nicht mehr zur Nr. 1, son­dern eini­ge Schrit­te wei­ter zu einem typi­schen vik­to­ria­ni­schen Halb­rund-Rei­hen­haus­kom­plex mit neo­klas­si­zi­sti­schen Säu­len. (Die Gebäu­de wur­den in den 1960er Jah­ren demo­liert, um Platz für vier­stöcki­ge Blöcke des sozia­len Woh­nungs­baus zu machen.) In 41, Mait­land Park Road erleb­te der Autor des »Kapi­tals« sei­ne letz­ten acht Lebens­jah­re, die für ihn ab 1880 lei­der gesund­heit­lich immer schwie­ri­ger wur­den. Als Fried­rich Engels am Nach­mit­tag des 14. März 1883 wie üblich bei sei­nem Mit­strei­ter ein­traf, fand er ihn tot in sei­nem Arm­ses­sel am Kamin vor. Drei Tage spä­ter wur­de Karl Marx auf dem Fried­hof im benach­bar­ten High­ga­te bestat­tet. Engels hielt die Grab­re­de und beton­te (laut dem erhal­te­nen Ent­wurf): »Der Kampf für die Befrei­ung der Klas­se der Lohn­ar­bei­ter von den Fes­seln des moder­nen kapi­ta­li­sti­schen Systems der Pro­duk­ti­on war sei­ne wah­re Beru­fung.« (MEW, Bd. 19, 1973, S. 334f.)

Nach Marx‘ Tod ent­wickel­te sich Engels zu einer Art grau­er Emi­nenz der inter­na­tio­na­len Arbei­ter­be­we­gung und zum Bera­ter der deut­schen und euro­päi­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie, da er die gemein­sam ent­wickel­ten Ideen und per­sön­li­chen Netz­wer­ke wei­ter­führ­te. Vor allem aber nahm er nun eine Auf­ga­be wahr, die alles ande­re zurück­dräng­te: die Erstel­lung des zwei­ten Ban­des des von Marx unvoll­ende­ten Werks »Das Kapi­tal« aus dem Nach­lass sowie die Edi­ti­on des drit­ten Ban­des, von dem nur eini­ge weni­ge Tei­le bereits aus­for­mu­liert waren. Bemer­kens­wer­ter Wei­se ver­fass­te er selbst eine eige­ne wei­ter­füh­ren­de Schrift zur mate­ria­li­sti­schen Theo­rie, die 1884 erschien: »Der Ursprung der Fami­lie, des Pri­vat­ei­gen­tums und des Staats«. Fried­rich Engels‘ enor­me publi­zi­sti­sche und poli­ti­sche Pro­duk­ti­vi­tät in sei­nem letz­ten Lebens­jahr­zehnt kam nicht pro­blem­los zustan­de, denn er litt unter einer chro­ni­schen Augen­krank­heit und ande­ren Beschwer­den, die ihn nicht sel­ten wochen­lang lahmlegten.

In sei­nem Arbeits­zim­mer in 122, Regent‘s Park Road ver­fass­te Fried­rich Engels zwi­schen dem 9. und 11. Novem­ber 1892 einen Arti­kel über die Prä­si­den­ten­wahl in den USA vom 8. Novem­ber 1892, die auch »die Bahn zum Frei­han­del« eröff­ne­te. Da heißt es: »Die alte Welt stand unter der Herr­schaft des Fatums, der Heim­ar­me­ne, des unab­wend­ba­ren geheim­nis­vol­len Schick­sals. So bezeich­ne­ten Grie­chen und Römer jene unfaß­ba­re All­ge­walt, die alles mensch­li­che Wol­len und Stre­ben zunich­te mach­te, alle mensch­li­che Tat zu ganz ande­ren Resul­ta­ten als den beab­sich­tig­ten füh­ren ließ, jene unwi­der­steh­li­che Gewalt, die man seit­dem Vor­se­hung, Gna­den­wahl etc. genannt hat. Die­se myste­riö­se Gewalt hat all­mäh­lich eine faß­ba­re­re Form ange­nom­men, und das ver­dan­ken wir der Herr­schaft der Bour­geoi­sie und des Kapi­tals, der ersten Klas­sen­herr­schaft, die sich über ihre eige­nen Daseins­ur­sa­chen und Bedin­gun­gen klar­zu­wer­den such­te und damit auch die Tür öff­ne­te zur Erkennt­nis der Unab­wend­bar­keit ihres eige­nen bevor­ste­hen­den Unter­gan­ges. Das Schick­sal, die Vor­se­hung – das wis­sen wir jetzt – sind die wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen, unter denen pro­du­ziert und aus­ge­tauscht wird, und die­se fas­sen sich heu­te zusam­men im Welt­markt.« (MEW, Bd. 22, 1972, S. 334)

Zum gegen­wär­ti­gen, von der Glo­ba­li­sie­rung gepräg­ten Welt­markt gehö­ren auch die viel­fäl­ti­gen gesell­schaft­li­chen, gesund­heit­li­chen, kul­tu­rel­len und wirt­schaft­li­chen Aus­wüch­se der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie. Wenn nicht alles täuscht, trat das SARS-Coro­na­vi­rus 2 zunächst in Chi­na auf; wann, wo und auf wel­chem Weg der Erre­ger auf den Men­schen über­tra­gen wur­de, ist noch unklar. Inzwi­schen hat er sich durch rei­sen­de Infi­zier­te fast in aller Welt aus­ge­brei­tet. Nicht zuletzt im Ver­ei­nig­ten König­reich, das inzwi­schen zu den mit am stärk­sten betrof­fe­nen Län­dern in Euro­pa gehört. Was Wun­der, dass sich Köni­gin Eli­sa­beth II., die sonst nur Weih­nach­ten Wor­te an die Bevöl­ke­rung rich­tet, am 5. April gezwun­gen sah, ihren Lands­leu­ten im Fern­se­hen bes­se­re Tage in Aus­sicht zu stel­len: »Ich hof­fe, dass wir der­einst stolz dar­auf sein kön­nen, wie wir auf die­se Her­aus­for­de­rung reagiert haben. Und dass die, die nach uns kom­men, sagen wer­den, dass die­se Genera­ti­on der Bri­ten so stark war wie jede zuvor, und dass Eigen­schaf­ten wie Selbst­be­herr­schung, mit Humor gepaar­te Ent­schlos­sen­heit und Gemein­schafts­sinn die­ses Land noch immer cha­rak­te­ri­sie­ren.« (eige­ne Übersetzung)

Was das König­reich gegen­wär­tig aller­dings auch cha­rak­te­ri­siert ist die Zer­ris­sen­heit in Sachen Bre­x­it und die damit ein­her­ge­hen­de tie­fe Frem­den­feind­lich­keit und EU-Skep­sis wei­ter Krei­se. Die öffent­lich­keits­wirk­sam agie­ren­den Bre­x­i­teers, die wie­der­um uner­müd­lich auf die Zer­ris­sen­heit der EU und die über­bor­den­den natio­na­len Ego­is­men der 27 EU-Mit­glieds­staa­ten hin­wei­sen, sind mehr als zufrie­den über die Fort­set­zung mög­lichst vor­teils­ha­schen­der Ver­hand­lun­gen über die künf­ti­gen Han­dels­be­zie­hun­gen. Die drei jeweils ein­wö­chi­gen Video­kon­fe­renz­run­den der Teams der bei­den Ver­hand­lungs­füh­rer David Frost und Michel Bar­nier began­nen am 20. April und gehen am 11. Mai und 1. Juni wei­ter. Im Juni sol­len erste hand­fe­ste Ergeb­nis­se vor­lie­gen. Über­strahlt wer­den die Ver­hand­lun­gen von der Coro­na-Kri­se, die offen­ge­legt hat, wie rück­sichts­los und zukunfts­blind die unter dem Tory David Came­ron und des­sen Schatz­kanz­ler Geor­ge Osbor­ne nach der Finanz­kri­se instal­lier­te Austeri­täts­po­li­tik gewe­sen ist. Das seit mehr als einem Jahr­zehnt mas­siv unter­fi­nan­zier­te natio­na­le Gesund­heits­sy­stem NHS bie­tet alles ande­re als die vom zustän­di­gen Mini­ster Matt Han­cock behaup­te­te »Welt­klas­se-Ver­sor­gung«, wobei Boris John­son bereits in der unsäg­li­chen Bre­x­it-Kam­pa­gne den Mythos, der das NHS nach wie vor umrankt, für sei­ne Zwecke zu instru­men­ta­li­sie­ren wuss­te und wei­ter­hin das Blaue vom Him­mel ver­spre­chen wird, um als ver­meint­li­cher Ret­ter des staat­li­chen Gesund­heits­diensts zu punk­ten. Fakt ist: Seit dem Bre­x­it-Refe­ren­dum 2016 haben mehr als 10.000 Ärz­te und Kran­ken­pfle­ger aus EU-Län­dern das König­reich ver­las­sen, kön­nen der­zeit mehr als 40.000 Stel­len im NHS nicht besetzt wer­den. Ganz zu schwei­gen von den ersten Pri­va­ti­sie­rungs­an­sät­zen durch die Aus­la­ge­rung von Auf­ga­ben an pri­va­te Anbieter.

Für die Oppo­si­ti­on, vor allem für die einst von Engels befeu­er­ten Sozi­al­de­mo­kra­ten, bie­ten sich der­zeit wahr­lich gute Chan­cen, die ver­fehl­te Poli­tik der Tories und die Ver­säum­nis­se der neu­en »Volks­re­gie­rung« unter Boris John­son anzu­pran­gern und auf Inve­sti­ti­ons­pa­ke­te, den Aus­bau sozi­al­staat­li­cher Lei­stun­gen und nicht zuletzt auf das Aus­han­deln eines für bei­de Sei­ten sinn­vol­len Abkom­mens mit der EU zu drän­gen. Nun hat Labour seit dem ersten April­wo­chen­en­de mit dem ein­sti­gen Men­schen­rechts­an­walt Keir Star­mer einen neu­en Par­tei­chef, der betont nüch­tern auf­tritt und bei den prouni­ons­eu­ro­päi­schen Links­li­be­ra­len einen Stein im Brett hat. Der 57 Jah­re alte Bre­x­it-Exper­te konn­te sich bei der Wahl mit 56 Pro­zent der Stim­men gegen die Mit­be­wer­be­rin­nen Lisa Nan­dy und, als Favo­ri­tin des Cor­byn-Flü­gels, Rebec­ca Long-Bai­ly durch­set­zen. Nach sei­ner Wahl kri­ti­sier­te er zwar die Regie­rung, beton­te aber zugleich, er wol­le, dass sie »erfolg­reich ist, um Leben zu ret­ten und den Lebens­un­ter­halt der Bür­ger zu sichern«. Schließ­lich sei das »eine natio­na­le Anstren­gung«, bei der sich »alle fra­gen soll­ten«, was sie »zusätz­lich bei­tra­gen kön­nen«. Ob Keir Star­mer die Labour Par­ty wie­der zu neu­en Höhen füh­ren und womög­lich den unter Cor­byn ver­ab­schie­de­ten »Green New Deal« mit Leben fül­len kann, ist die gro­ße Fra­ge. Ein erneu­ter Ein­tritt in die EU steht für ihn »in abseh­ba­rer Zukunft« zwei­fel­los »nicht auf der Tagesordnung«.

 

Die gro­ße Aus­stel­lung »Fried­rich Engels – ein Gespenst geht um in Euro­pa« im Wup­per­ta­ler Engels-Haus muss geschlos­sen blei­ben. Erschie­nen ist gera­de der bild­rei­che und infor­ma­ti­ve Kata­log, für den auch Johann-Gün­ther König einen Bei­trag ver­fasst hat. Lars Blu­ma (Hg.): »Fried­rich Engels. Ein Gespenst geht um in Euro­pa«, Histo­ri­sches Zen­trum Wup­per­tal, 24 €.