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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zuschriften an die Lokalpresse

Der Pul­ver­dampf heiz­te die Die­sel­de­bat­te an, der Rake­ten­schrott ver­gam­mel­te noch tage­lang im Rinn­stein, und die Not­ärz­te konn­ten ihr chir­ur­gi­sches Reper­toire erneut erwei­tern. Es gab – wie immer in der grell­bun­ten Sil­ve­ster­nacht – Schlä­ge­rei­en und pyro­tech­ni­sche Stra­ßen­ge­fech­te. Inzwi­schen sind die sal­bungs­vol­len Bun­des­re­den ver­klun­gen, die Pre­dig­ten zele­briert, und selbst der Papst hat die Heuch­ler in sei­ner Kir­che auf­ge­for­dert, sich bes­ser als Athe­isten zu outen. Und Alex­an­der Gerst hat sich bei der jün­ge­ren Genera­ti­on ent­schul­digt und der pla­ne­ta­ri­schen Mensch­heit eini­ges zu beden­ken gege­ben, bevor er sich aus sei­ner schüt­zen­den inter­pla­ne­ta­ri­schen Kap­sel wie­der auf die ange­brann­te Erde fal­len ließ. Das Fazit: Aus dem ver­que­ren Jahr 2018 sind wir raus, in dem nicht sehr hoff­nungs­vol­len Jahr 2019 sind wir drin. Zeit und Gele­gen­heit, sich über die Neue­run­gen zu infor­mie­ren, die dem Bun­des­bür­ger das Leben erleich­tern wer­den. Dazu gehö­ren eini­ge tarif­li­che Ver­bes­se­run­gen, errun­gen durch Streiks, die einen erheb­li­chen Teil der Flug­gä­ste zu fröh­li­chen War­te­ge­mein­schaf­ten zusam­men­führ­ten; eine wei­te­re Ver­hei­ßung auf dem Wege der for­t­ei­len­den 30-jäh­ri­gen Ren­ten­an­glei­chung und die Ent­schei­dung, dass die Deckel- und Schraub­ver­schlüs­se von Glä­sern und Fla­schen nicht mehr abge­dreht wer­den müs­sen, bevor die aus­ge­dien­ten Behäl­ter in die Con­tai­ner ent­sorgt wer­den. Das kommt uns Rent­nern mit unse­ren gicht­klam­men Fin­gern ent­ge­gen. Auch die bevor­ste­hen­den Beschlüs­se über den Abschuss denk­mal­ge­schütz­ter Wöl­fe geben uns Senio­ren bei Wald­spa­zier­gän­gen grö­ße­re Sicher­heit. Wel­che Licht­blicke ange­sichts der kaum noch über­blick­ba­ren Welt­la­ge, der bri­ti­schen Bre­x­it-Kata­stro­phe, der USA-Gemenge­la­ge zwi­schen Repu­bli­ka­nern und Demo­kra­ten und der bevor­ste­hen­den Wahl­gän­ge in bun­des­deut­schen Lan­den! Unter die­sen Umstän­den sind auch die Erhö­hung der Bestat­tungs­ge­büh­ren und die »boden­na­he Pfle­ge« von Pati­en­ten in der Kli­nik Nie­der­lau­sitz (sie­he BZ vom 3.1.19) zu ver­kraf­ten! Mei­ne Vor­sät­ze für 2019 erge­ben sich vor allem aus den nicht ein­ge­lö­sten des Vor­jah­res. Und noch eine Erin­ne­rung: Als 12-Jäh­ri­gen beein­druck­te mich in der Neu­jahrs­auf­füh­rung mei­nes hei­mat­städ­ti­schen Stadt­thea­ters »Peter­chens Mond­fahrt«. 70 Jah­re spä­ter ist es die chi­ne­si­sche Lan­dung auf der schat­ti­gen Rück­sei­te des Mon­des. Wenn das kein gro­ßer Sprung ist. – Man­fred Möch­te­gern (83), Rent­ner, 16775 Großmutz

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»Der Win­ter kennt kein Erbar­men«, titel­te der Ber­li­ner Kurier am 9. Janu­ar, nach­dem die Wet­ter­pro­gno­sen zuvor nur nie­seln­den Regen und stür­mi­schen Wind ange­kün­digt hat­ten. Aber so ist das nun ein­mal: Die Welt ver­än­dert sich, und auf poli­ti­sche und meteo­ro­lo­gi­sche Erschei­nun­gen muss die Pres­se eben­so reagie­ren wie auf indi­vi­du­el­le Befind­lich­kei­ten. Wenn die Jour­nail­le irgend­et­was Spek­ta­ku­lä­res erfah­ren hat, muss sie sich knall­hart dazu äußern. Des­halb sind in der­sel­ben Aus­ga­be auch die Spei­se­ge­wohn­hei­ten eini­ger Pro­mis dran. So wird offen­ge­legt, dass sich Hum­mer, Gän­se­stopf­le­ber und Spit­zen­wei­ne bei Frau Wagen­knecht, Herrn Stein­brück und Herrn Schulz gro­ßer Beliebt­heit erfreu­en. Man­ne Muster­mann und ande­re soll­ten sich einen Schluck und eine Schei­be davon gön­nen. Ich fin­de das gut und rich­tig, zumal zur­zeit in den Medi­en häu­fig die Bedeu­tung einer gesun­den Ernäh­rung für das Wohl­be­fin­den her­vor­ge­ho­ben wird. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder nur das genie­ßen wür­de, was ihm schmeckt! Gibt es außer die­sen Bei­spie­len noch wei­te­re Emp­feh­lun­gen? Mich inter­es­siert auch, ob die Gour­met-Inter­es­sen für Mit­glie­der ande­rer Par­tei­en eben­falls reprä­sen­ta­tiv sind. Und gibt es grö­ße­re Unter­schie­de zwi­schen den Bun­des­län­dern? Bestehen schon EU-Stan­dards? – Male­di­via Schmatz­ler-Mager­feld (45), Vega­ne­rin, 99441 Vollradisroda-Döbritschen