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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zuschriften an die Lokalpresse

Unse­re Medi­en berich­ten nicht nur täg­lich über die uns bewe­gen­den poli­ti­schen Pro­ble­me und exi­sten­ti­el­len Gefah­ren, son­dern not­wen­di­ger­wei­se auch über die unse­re Lebens­ver­läu­fe mit­be­stim­men­den bana­len täg­li­chen hygie­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten. So bestimm­ten auch die For­de­run­gen »Fai­res Pin­keln für alle!« und »Kosten­lo­se Pis­soires für Frau­en« Ende Mai 22 den Tenor etli­cher Tages­zei­tun­gen. Bei­spiels­wei­se wur­den die Ber­li­ner und die Gäste der Bun­des­haupt­stadt von der Ber­li­ner Woche unter der Über­schrift »Für die Not­durft im Grü­nen« von der Über­ga­be von »24 wei­te­ren aut­ar­ken Anla­gen« infor­miert, die von der umwelt­freund­li­chen Fir­ma Wall ab dem Früh­jahr 23 nach­hal­tig zur inne­ren Erleich­te­rung der Nut­zer auf­ge­stellt wer­den sol­len. Die­se Ver­hei­ßung wird durch ein Foto illu­striert, das die Über­ga­be eines Musters der attrak­ti­ven Ein­rich­tung durch den Fir­men­chef Möl­ler an die char­man­te Umwelt­se­na­to­rin Bet­ti­na Jarasch zeigt. Bei­de Per­sön­lich­kei­ten ste­hen in Tages­klei­dung vor der super­mo­der­nen Ein­rich­tung und lächeln sich und die Betrach­ter offen­sicht­lich kör­per­lich erleich­tert an.

Als männ­li­ches Bevöl­ke­rungs­mit­glied im vor­ge­rück­ten Alter, das auf Grund uri­na­ler Pro­ble­me zwei­mal jähr­lich den Fach­arzt auf­su­chen und sich mit­un­ter auf selbst ver­ab­scheu­te Wei­se Hil­fe in der frei­en Natur ver­schaf­fen muss, habe ich für gegen­steu­ern­de sani­tä­re Anla­gen gro­ßes Ver­ständ­nis. Des­halb begrü­ße ich die Bereit­stel­lung von 2,6 Mil­lio­nen Euro aus dem »Inno­va­ti­ons­för­der­fonds« für die Erpro­bung die­ser lt. Pres­se »aut­ar­ken Toilettenanlagen«.

Nach Kennt­nis­nah­me des Vor­ha­bens blei­ben für mich aller­dings zwei Fra­gen offen:

  1. Die Voka­bel »aut­ark« erschließt sich für mich nicht im Zusam­men­hang mit Toi­let­ten­an­la­gen. Dies­be­züg­li­che Nach­schlä­ge in der Begriffs­li­te­ra­tur brach­ten mir kei­ne ein­leuch­ten­de Klä­rung. Das Fremd­wör­ter­buch des VERLAGESENZYKLOPÄDIELEIPZIG von 1959, defi­niert den Begriff als »sich selbst ver­sor­gend, unab­hän­gig«. Dem kann ich hier nicht wei­ter nach­ge­hen. Des­halb über­ant­wor­te ich den Rest der Klä­rung gern der Sprach­wis­sen­schaft in Koope­ra­ti­on mit der Fir­ma Wall.
  2. In den Toi­let­ten der Fa. Wall gibt es lt. Bericht »nur Unis­ex­toi­let­ten und kei­ne Uri­na­le für Frau­en« (s. Ber­lin aktu­ell, S. 11). Das war lt. Pres­se­infor­ma­ti­on »im Toi­let­ten­ver­trag nicht erwünscht«. Im Inter­es­se der Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit erscheint mir dazu eine Erklä­rung drin­gend erfor­der­lich. Joa­chim Bedürf­tig (85), ver­be­am­te­ter Rent­ner, 13587 Berlin-Hakenfelde