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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zuschriften an die Lokalpresse

Wenn man die Pres­se oder die Fern­seh­in­for­ma­tio­nen die­ser trü­ben Herbst­ta­ge ver­folgt, kann man eine fett­ge­druck­te Titel­fest­stel­lung des Ber­li­ner Kurier vom 22. Sep­tem­ber lei­der nur abnicken: »Coro­na macht Ber­lin aggro.« Poli­ti­ker erhal­ten Todes­dro­hun­gen, Kin­der wer­den miss­braucht, vor »Spä­tis« wird geprü­gelt, Fahr­zeu­ge wer­den abge­fackelt, Auto­rennen in Geschäfts­zen­tren aus­ge­tra­gen, Bus­fah­rer bespuckt, Frau­en nachts von der Stra­ße weg­ge­fan­gen und in Autos ver­ge­wal­tigt und Rum­mel­platz­be­trei­bern die Zäh­ne aus­ge­schla­gen (sie­he unter ande­rem neu­es deutsch­land, Ber­li­ner Kurier, Bild, Bran­den­bur­ger Wochen­blatt – Bra­wo). Ärger nicht nur in Ber­lin: Auch für Wahl­ham­bur­ger und Ulk­nu­del Otto Waal­kes ist Schluss mit lustig, denn die Ehe­frau sei­nes lang­jäh­ri­gen Mana­gers Hans Otto Mer­tens hat Kla­ge ein­ge­reicht. Es gehe um 176.000 Euro Pro­vi­sio­nen, berich­tet Focus online. Da kann man nur Tuchol­skys »Wir leben in einer merk­wür­di­gen Zei­tung« zitie­ren. Und man freut sich echt, dass man­che Tages­zei­tung trotz aller Gräu­el­nach­rich­ten noch den Mut auf­bringt, ande­re auf­rüt­teln­de The­men anzu­spre­chen, zum Bei­spiel »Wie kann man in Wasch­an­la­gen Krat­zer an Neu­wa­gen ver­mei­den?« (Bra­wo, 20.9.) oder »Wel­che Kaf­fee­ma­schi­ne passt am besten zu mir?« (Ber­li­ner Kurier, 21.9.) und »Wo erzie­le ich den höch­sten Auf­kauf­preis für Gold und Schmuck?« (Bra­wo, 20.9.). Ich fin­de, die Medi­en tun gut dar­an, gera­de in schwie­ri­gen Coro­na­zei­ten auf die Viel­falt unse­res Lebens zu set­zen, und dafür möch­te ich mich ganz herz­lich bedan­ken. – Corin­na Schmidt (48), Ange­stell­te in Kurz­ar­beit, 14480 Potsdam-Drewitz

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Mir impo­niert, wie sich die Bran­den­bur­ger Lan­des­re­gie­rung dar­um bemüht, in der mär­ki­schen Hei­de mit der Pan­de­mie klar­zu­kom­men. So hat sich der Mini­ster­prä­si­dent in einen Kran­ken­trans­por­ter pro­be­ge­legt, und Frau Non­ne­ma­cher hielt ihren ent­blöß­ten Gesund­heits­mi­ni­ste­rin­nen-Arm in die Kame­ra und ließ sich publi­kums­wirk­sam imp­fen. Das schafft Ver­trau­en! Umso erstaun­li­cher, dass über ande­re Bei­spie­le mit Zurück­hal­tung berich­tet wird. So besuch­te Herr Woid­ke im Rah­men einer Som­mer­rei­se die havel­län­di­sche Regi­on und führ­te mit Land­rat Lewan­dow­ski in Rib­beck ein »Vier-Augen-Gespräch« (Bra­wo, 20.9.20). Lie­ge ich mit mei­ner Ver­mu­tung rich­tig, dass es dabei um die dies­jäh­ri­ge Bir­nen­ern­te ging, als es in dem histo­ri­schen Ort »mit­tags vom Tur­me scholl«? Da hät­te man doch gut Fon­ta­nes Vor­schlä­ge für den Gesund­heits­schutz und die Kin­der­be­treu­ung offen ins Spiel brin­gen kön­nen! – Manue­la Brau­se­wet­ter (37), Ernäh­rungs­be­ra­te­rin, 57612 Birnbach