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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Frank-Wal­ter Stein­mei­er, Bun­des­prä­si­dent: »Olle Kamel­len«?Dass Murat Kur­naz Ihnen zur Wie­der­wahl ins höch­ste Staats­amt die­ser Repu­blik gra­tu­lie­ren wür­de, wer­den Sie nun nicht wirk­lich erwar­tet haben. Womög­lich erin­nern Sie sich auch schon längst nicht mehr an jenen Bre­mer Mit­bür­ger, der am 29. Okto­ber 2002 Gegen­stand einer Bespre­chung im Bun­des­kanz­ler­amt war, das Sie unter Ger­hard Schrö­der damals lei­te­ten. In Ihrer Funk­ti­on als Lei­ter der soge­nann­ten »Prä­si­den­ten­la­ge«, zu der sich all­wö­chent­lich die Chefs von BKA, BND, BfV und diver­se Mini­ste­ri­al­bü­ro­kra­ten ver­sam­mel­ten, haben Sie jenen Geheim­zir­kel eis­kalt und men­schen­ver­ach­tend dazu bewo­gen, den Men­schen Murat Kur­naz fünf lan­ge Jah­re in der Fol­ter­höl­le von Guan­ta­na­mo ver­rot­ten zu las­sen. Obwohl die US-ame­ri­ka­ni­schen Fol­ter­knech­te bereits des­sen Unschuld fest­ge­stellt und ange­bo­ten hat­ten, ihn zurück in sei­ne deut­sche Hei­mat zu über­stel­len. Völ­lig ent­fal­len sein muss­te Ihnen und Ihren Spieß­ge­sel­len bei die­sem Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit die schlecht­hin zen­tra­le Ver­fas­sungs­norm unse­rer Repu­blik, die da lau­tet: »Die Wür­de des Men­schen ist unan­tast­bar. Sie zu ach­ten und zu schüt­zen ist Ver­pflich­tung aller staat­li­chen Gewalt.« Die Wür­de des Men­schen heißt es wohl­ge­merkt, nicht: die Wür­de des Deut­schen. Viel­leicht aber war es genau die­ses Schur­ken­stück, mit dem Sie sich für Ihre wei­te­ren Staats­äm­ter emp­foh­len haben. Zusätz­li­che Kar­rie­rebau­stei­ne dürf­ten Ihre Ver­strickung in die Vor­be­rei­tung des Angriffs­kriegs der Nato gegen Jugo­sla­wi­en 1999, die deut­sche Betei­li­gung am Ein­marsch der USA in Afgha­ni­stan 2001 und die umfas­sen­de Unter­stüt­zung des anglo­ame­ri­ka­ni­schen Völ­ker­rechts­ver­bre­chens gegen den Irak 2003 gebil­det haben. Eigent­lich gehö­ren Sie nicht ins Schloss Bel­le­vue, son­dern vor den Inter­na­tio-nalen Straf­ge­richts­hof in Den Haag.

 

Wla­di­mir Putin, Kriegs­herr: Heim ins Reich? – Wer­ter Herr Prä­si­dent, Sie haben gute Grün­de, besorgt, ja, ver­är­gert, gar böse zu sein. Aber bei allem Ver­ständ­nis für die rus­si­sche Situa­ti­on und Ihre berech­tig­ten Sicher­heits­in­ter­es­sen, ein Ver­ständ­nis, das wir auch in die­sem Heft erneut zum Aus­druck brin­gen, und trotz jeder berech­tig­ten Kri­tik an der Nato, die die­se Eska­la­ti­on in unver­ant­wort­li­cher Wei­se her­auf­be­schwo­ren hat, kön­nen wir Ihren Angriff auf die Ukrai­ne nur zutiefst ver­ur­tei­len. Kei­ner der von Ihnen vor­ge­brach­ten Grün­de – am aller­we­nig­sten die Behaup­tung einer histo­risch »ver­bürg­ten« Zusam­men­ge­hö­rig­keit bei­der Län­der – wiegt das Leid auf, das Sie durch Ihren Marsch­be­fehl verursachen.