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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Was für ein Sommer?!

Was für ein Sommer?!
Die kal­te Jah­res­zeit war vorbei.
Ferienzeit!
Der Krieg geht weiter.
Was für ein Sommer?!

Was für ein schö­ner Sommer!
Laue Sommerabende,
zir­pen­den Grillen,
wir sit­zen in einer Open Air Bar, trin­ken Cocktails,
genie­ßen das Leben, wie schön!
Was für ein schö­ner Sommer!

Ein schö­ner Sommer?
Laue Sommerabende,
das Dröh­nen der Hub­schrau­ber, Maschinengewehrsalven,
Bom­ben­ein­schlä­ge, wir lie­gen im Schützengraben.
Letz­tes Jahr, bevor ich zum Krieg zwangs­ver­pflich­tet wurde,
saß ich noch bei einem Cock­tail in einer Open Air Bar.
Näch­stes Jahr? Wahr­schein­lich bin ich dann tot,
wie vie­le mei­ner Freun­de, die kämp­fen woll­ten, oder nicht,
aber es muss­ten, für andere.
Ein schö­ner Sommer?

Was für ein schö­ner Sommer!
Am Strand lie­gen, den Sand zwi­schen den Zehen spüren,
ein Buch lesen, Möwen und Boo­te beobachten,
schwim­men, in den Wel­len herumspringen.
Freu­di­ge Kin­der spie­len miteinander,
Sand­bur­gen wer­den gebaut, Muscheln gesammelt.
Über­all sind glück­li­che Menschen.
Was für ein schö­ner Sommer!

Ein schö­ner Sommer?
Am Strand lie­gen, den Sand wie­der zwi­schen den Zehen spüren.
Das Schiff ist untergegangen.
Nach­dem es beschos­sen wurde.
Wir sind zurück­ge­schwemmt wor­den an den Beginn unse­rer Reise.
Was heißt wir? Wahr­schein­lich sind die mei­sten ertrun­ken, es waren vie­le Kin­der dabei.
Wir woll­ten flüch­ten, weil wir zu Hau­se nicht mehr leben konnten.
Nach dem Krieg, den ande­re Län­der zu uns brachten,
die uns Bom­ben schick­ten, um unse­re Roh­stof­fe zu bekommen.
Ein schö­ner Sommer?

Was für ein schö­ner Sommer!
Rei­sen, Aben­teu­er, eine neue Stadt erkunden
durch unbe­kann­te Stra­ßen ziehen,
der Geruch von Neu­em, exo­ti­sche Speisen,
ver­zau­bern­de Klän­ge, Musik in den Gassen,
Spra­chen, die unbe­kannt und doch so schön erklingen,
frem­de Men­schen, die wir ken­nen­ler­nen und die zu Freun­den werden.
Was für ein schö­ner Sommer!

Ein schö­ner Sommer?
Zwangs­ver­trie­ben in eine neue Stadt,
zwi­schen zer­bomb­ten Straßen,
zu den tau­sen­den Zel­ten, in denen wir nun leben sollen.
Leben? Das ist kein wah­res Wort für das Jetzt.
Überleben!
Der Geruch von Ver­we­sung, ver­gam­mel­te Spei­sen, immer viel zu wenig.
Das Wei­nen und Schrei­en der hung­ri­gen Kinder,
Lärm, Schüs­se auf der Stra­ße, an einer der weni­gen Versorgungsstellen.
Lei­chen, über­all Leichen.
Frem­de Men­schen, die auf uns schie­ßen, uns töten wollen.
Ein schö­ner Sommer?

Was für ein Sommer?!
Ein letz­tes Mal in Frieden?
Ein letz­tes Mal am Strand?
Ein letz­tes Mal im Krieg?
Ein letz­tes Mal auf der Flucht?
Ein letz­tes Mal im Hunger?
Ein letz­tes Mal im Lager?
Ein letz­tes oder ein erstes Mal?
Las­sen wir Poli­ti­ker, Regie­run­gen, Religionsführer,
Tech­no­kra­ten, Medi­en­kon­zer­ne, Mil­li­ar­dä­re und Angst­ma­cher entscheiden,
wie der näch­ste Som­mer wird,
dass ihre Macht und ihr Besitz wachsen
und es für alle Ande­ren schlech­ter und schlech­ter wird?

Oder erin­nern wir uns dar­an, dass wir Alle, alle Men­schen zusammengehören,
dass Nie­mand bes­ser oder böser als der Ande­re ist.
Wenn wir Krie­ge füh­ren, kom­men die Krie­ge zu uns.
Wenn wir Gewalt schü­ren, kommt die Gewalt zu uns zurück.
Wenn wir Gutes tun, wird Gutes zu uns kommen.

Wenn wir, die Mil­li­ar­den Menschen,
den tau­sen­den Füh­rern nicht mehr folgen,
NEIN sagen. wenn es an der Zeit ist,
die Waf­fen nie­der­le­gen, der Gewalt abschwören,
der Ver­trei­bung, dem Krie­ge, dem Hass ein Ende setzen,
wie mag dann der näch­ste Som­mer werden?

Was für ein Sommer?
Ein schö­ner Sommer?
 
Der Autor ist Erzäh­ler, DJ, Schrei­ben­der, Peace-Dance-Ver­an­stal­ter und Frie­dens­ak­ti­vist aus Leip­zig. Als Dj ver­öf­fent­lich­te er unter dem Namen Andi­ji im Juli 2025 sein 96. Dj-Mix­tape: Sum­mer of Peace.