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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Aufgabe der Linken: Nicht aufgeben!

Eine Mar­gi­na­li­sie­rung der Links­par­tei durch par­la­men­ta­ri­sche Anbie­de­rungs­ver­su­che gegen­über den trans­at­lan­ti­schen Par­tei­en SPD und Grü­ne oder durch ihre Spal­tung wür­de vie­len alter­na­ti­ven Kräf­ten Mög­lich­kei­ten für Bünd­nis­ar­beit erschwe­ren oder gar neh­men, ange­fan­gen bei einem Rück­gang der Mög­lich­kei­ten der Rosa Luxem­burg Stif­tung, Pro­jek­te zu unterstützen.

Die aktu­el­le Kam­pa­gne gegen Sah­ra Wagen­knecht wird nicht allein von Ange­hö­ri­gen des rech­te­ren Spek­trums in der Links­par­tei geführt, so der »Initia­ti­ve soli­da­ri­sche Lin­ke«, son­dern von einem brei­ten Medi­en­spek­trum von der taz, die ihr AfD-Rhe­to­rik vor­wirft, bis ins kon­ser­va­tiv-bür­ger­li­che Lager. Auch das ARD-Poli­tik-Maga­zin Moni­tor stimmt in die­sen Kanon ein.

Die Kam­pa­gne erin­nert an die »Stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on«, die laut einem Nato-Doku­ment von 2010 ein »ent­schei­den­der Fak­tor für den Kampf gegen kon­kur­rie­ren­de Dar­stel­lun­gen (…) ist«. Auch die Stra­te­gie, Kri­ti­ker zu de-legi­ti­mie­ren (»con­cen­tra­te on degra­ding the credi­bi­li­ty of oppon­ents«) rech­net die Nato zu den Instru­men­ten ihrer »Psy­cho­lo­gi­schen Ope­ra­tio­nen«, mit denen sie die Glaub­wür­dig­keit ihrer Geg­ner, auch derer im eige­nen Land, mit Nach­rich­ten­ma­nage­ment zu unter­gra­ben ver­sucht. Über den weit­hin unbe­kann­ten Ein­fluss von Trans­at­lan­ti­kern infor­mier­te die Sati­re-Sen­dung Die Anstalt Anfang 2015.

Die Stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­zeich­net gro­ße Erfol­ge, wie man dar­an able­sen kann, wie weit sich die Grü­nen von der ursprüng­li­chen Nato-Kri­tik ihrer Grün­der­jah­re ent­fernt haben und wie stark die Nato-Pro­pa­gan­da für Waf­fen­lie­fe­run­gen und gegen Diplo­ma­tie ein­her­geht mit einer Dif­fa­mie­rung der Frie­dens­be­we­gung, etwa unter dem Begriff »Lum­pen-Pazi­fis­mus«.

Die Wir­kun­gen in die Rich­tung einer Auf­wei­chung frie­dens­po­li­ti­scher Posi­tio­nen in der LINKEN zeich­nen sich ab. So haben eher rechts ange­sie­del­te Füh­rungs­kräf­te der Links­par­tei einen Antrags­text ein­ge­bracht, in dem sie die kon­se­quen­te Ein­hal­tung des Völ­ker­rechts auf­zu­wei­chen ver­such­ten: Bei der Abwen­dung von Men­schen­rechts­ver­stö­ßen ste­he das Völ­ker­recht im Wege. Die­se Argu­men­ta­ti­on kommt der Posi­ti­on der Nato ent­ge­gen, die Inter­ven­tio­nen wie­der­holt als huma­ni­tär dar­stellt und ver­tei­digt. Mit die­sem Deck­man­tel hat die Nato auch den völ­ker­rechts­wid­ri­gen Angriffs­krieg gegen Jugo­sla­wi­en gerechtfertigt.

Der genaue Blick auf die mora­lisch ver­kauf­ten Nato-Krie­ge bestä­tigt Egon Bahrs Aus­sa­ge, die er 2013 einer Hei­del­ber­ger Schul­kas­se mit auf den Weg gab: »In der inter­na­tio­na­len Poli­tik geht es nie um Demo­kra­tie oder Men­schen­rech­te. Es geht um die Inter­es­sen von Staa­ten. Mer­ken Sie sich das, egal, was man Ihnen (…) erzählt.«

Die aktu­el­le Kam­pa­gne gegen die Frie­dens­be­we­gung und gegen lin­ke Kräf­te an ihrer Sei­te zeich­net das selbst­ge­rech­te Bild, dem­zu­fol­ge die Nato Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te ver­tei­digt, wäh­rend lin­ke Frie­dens­ak­ti­vi­sten mit ihrer Ableh­nung von Waf­fen­ex­por­ten in Kriegs­ge­bie­te als Putin-Ver­ste­her, mora­lisch ver­kom­men, die Men­schen­rech­te auf­ge­ben und Men­schen dem Unrecht ausliefern.

Die­se Stim­mungs­ma­che geschieht, obwohl die Frie­dens­be­we­gung Krieg unab­hän­gig davon, wel­che Akteu­re ihn eröff­net haben, ver­ur­teilt; sie geht auch davon aus, dass jeder noch so mora­lisch begrün­de­te Krieg zu einem Bruch der selbst-erklär­ten huma­ni­tä­ren Ansprü­che führt, dass der damit ver­bun­den Pro­pa­gan­da-Krieg die Bevöl­ke­rung auf allen Sei­ten mani­pu­liert und miss­braucht. Die Pazi­fi­sten war­nen, dass sich Maß­nah­men der Ver­tei­di­gung in ihr Gegen­teil keh­ren, inso­fern sie Krie­ge eska­lie­ren, statt sie zu been­den, wenn das Ver­tei­di­gen in einen Gegen­an­griff über­geht. Die Frie­dens­be­we­gung ver­ur­teilt neben dem Krieg Russ­lands gegen die Ukrai­ne auch den Waf­fen­gang des EU-Part­ners Aser­bai­dschan gegen Arme­ni­en sowie den des west­li­chen Han­dels­part­ners und Waf­fen­käu­fers Sau­di Ara­bi­en im Nach­bar­land Jemen.

An den dop­pel­ten Stan­dards und Halb­wahr­hei­ten betei­li­gen sich auch Spit­zen­po­li­ti­ker der LINKEN, wenn sie ver­brei­ten, dass es ledig­lich Putin sei, der einen Wirt­schafts­krieg gegen Deutsch­land führt. Und sie kri­ti­sie­ren auf der Basis die­ser Dar­stel­lung Sah­ra Wagen­knecht für ihre Kri­tik dar­an, dass west­li­che Staa­ten Wirt­schafts­krieg gegen Russ­land füh­ren. Wie rich­tig Sah­ra Wagen­knecht mit ihrer Kri­tik liegt, zeigt ein genau­er Blick auf die Jah­re seit dem ille­ga­len Macht­an­tritt einer pro-Nato-Regie­rung in der Ukrai­ne 2014, die zur Krim-Kri­se führ­te und in der Fol­ge zu über 20 Sank­ti­ons­maß­nah­men gegen Russ­land allein auf EU-Ebe­ne. Dies nicht mit in Betracht zu zie­hen, drückt eine Wirk­lich­keits­ver­nei­nung aus, die dar­an anknüpft, dass Spit­zen­per­so­nal der Links­par­tei jene Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten scharf kri­ti­sier­te, die sich gegen den Antrag der Bun­des­re­gie­rung auf ein mili­tä­ri­sches Eva­ku­ie­rungs­man­dat in der Schluss­pha­se des Afgha­ni­stan­krie­ges stell­ten. Die­ser Zwist war ein zen­tra­les Ele­ment der Vor­ge­schich­te dafür, dass die LINKE nicht ein­mal fünf Pro­zent der Wäh­ler­stim­men bei den Bun­des­tags­wah­len erhielt. Koali­ti­ons­nai­vi­tät auf Sei­ten der Kri­ti­ker der Geg­ner die­ses Antrags der Regie­rung führ­te dazu, dass sie über­sa­hen, dass der Text nicht zustim­mungs­fä­hig war, da er in Punkt 7 unter­stell­te, die in Afgha­ni­stan an der Macht befind­li­che Regie­rung hät­te dem Man­dat zuge­stimmt. Die Vor­gän­ger­re­gie­rung, mit der es ent­spre­chen­de Abspra­chen gege­ben hat­te, war aber längst geflo­hen. Der Rea­li­täts­ver­lust der Koali­ti­ons­träu­mer in der Spit­ze der LINKEN mach­te es den spä­te­ren Ampel-Par­tei­en leicht, der Links­par­tei die Regie­rungs­fä­hig­keit abzu­spre­chen, da sie sich schein­bar der Ret­tung verweigerte.

Fast wie eine Ant­wort auf die Anbie­de­rungs­ver­su­che eini­ger Spit­zen­funk­tio­nä­re der Links­par­tei an zwei der drei Ampel-Par­tei­en liest sich, was Karl Marx einst schrieb: »Ande­ren etwas vor­ma­chen und sich dabei selbst etwas vor­ma­chen, das ist die par­la­men­ta­ri­sche Weis­heit im Kern.« Und wie die­sen Brieftext ergän­zend, kri­ti­sier­te er Jah­re spä­ter, dass die lin­ken Par­la­men­ta­ri­er, »statt sich der gan­zen Ver­samm­lung direkt gegen­über­zu­stel­len«, die Hoff­nung nicht auf­ge­ben, »in der Kam­mer und durch die Kam­mer noch zu etwas zu kom­men und eine Majo­ri­tät für die Lin­ke zu erlangen«.

Für Illu­sio­nen und für die Anpas­sung an Kräf­te, die letzt­lich frei­wil­lig oder unbe­wusst den Inter­es­sen der Rüstungs­in­du­strie und ihrer Lob­by in die Hän­de spie­len, hat die Mensch­heit im Zeit­al­ter der glo­ba­len öko­lo­gi­schen, sozia­len und mili­tä­ri­schen Kata­stro­phen weder Zeit noch Kraft­re­ser­ven. Die Frie­dens­be­we­gung hat, so wie die Öko­lo­gie­be­we­gung, poten­te Geg­ner mit hohem Ein­fluss auf Poli­tik und Öffent­lich­keit: »Rhein­me­tall ist (…) im M-Dax seit Ende Febru­ar mit einem Plus von 67 Pro­zent der beste Wert. Im Juni hat­te die Aktie ein neu­es All­zeit­hoch mit fast 225 Euro erreicht. Vor­her lag der Kurs bis Anfang März bei um die 80 Euro. (…) Thys­sen­krupp ist ein deut­scher Stahl­her­stel­ler, wel­cher mit sei­ner Geschäfts­ein­heit Mari­ne Systems rund 5 Pro­zent sei­nes Gesamt­um­sat­zes mit Rüstungs­gü­tern wie U-Boo­ten und Minen­kampf­schif­fe erwirt­schaf­tet. Anfang März konn­ten auch sie ein Plus von unge­fähr 15 Pro­zent ein­fah­ren, nach­dem sie Anfang Febru­ar ursprüng­lich dis­ku­tiert hat­ten, auf­grund des schlech­ten Images der Rüstungs­spar­te Mari­ne Systems zu ver­kau­fen. (…) Der Kurs des welt­weit größ­ten Rüstungs­kon­zerns Lock­heed Mar­tin konn­te seit Febru­ar um unge­fähr 25 Pro­zent steigen.«

Das Über­le­ben der Mensch­heit hängt mit davon ab, dass die­ses Geschäft mit dem Tod kei­ne Zukunft mehr hat, und die beginnt jeden Augen­blick. Die Aus­sich­ten stei­gen, wenn die Kräf­te für das Über­le­ben zusammenfinden.