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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Das Leben, ein Reiseabenteuer

Wei­te Ozea­ne und frem­de Fan­ta­sie­wel­ten muss der Jun­ge Vagus durch­que­ren, um das Mäd­chen Artis hin­ter den sie­ben Mee­ren und den sie­ben Ber­gen zu fin­den. Zahl­rei­che Aben­teu­er muss er bestehen, um die Gefahr zu ban­nen, die von dem schwar­zen Dra­chen aus­geht, der die Welt mit sei­nem Feu­er zu ver­nich­ten droht.

Fabel­we­sen, Rit­ter und Pira­ten, wil­de Tie­re, Trol­le und Kobol­de tum­meln sich auf statt­li­chen 200 Buch­sei­ten, und Tho­mas Bach­mann gelingt es mit sei­nem mär­chen­haf­ten Erzähl­duk­tus, die Neu­gier des Lesers zu wecken und wach zu hal­ten. Mag kom­men, was will.

Ein poe­ti­sches, ein viel­schich­ti­ges, unter­halt­sa­mes, opti­mi­sti­sches Mär­chen also, anre­gend und nach­denk­lich stim­mend. Den­noch ist Vagus und der schwar­ze Dra­che kein nor­ma­les, kein gewöhn­li­ches, erst recht kein all­täg­li­ches Kin­der­buch. Kriegs­waf­fen aus einer mit­tel­al­ter­li­chen Rüst­kam­mer zeigt der Umschlag. Bach­manns Buch kommt im übli­chen, soli­den Gewand des Ber­li­ner Ver­lags Am Park daher, unter­schei­det sich beim ersten Blick auf das Cover kaum von den Schla­fen­den Hun­den, den Gedicht­samm­lun­gen, bei denen das Leip­zi­ger All­round-Talent bereits seit vie­len Jah­ren als Her­aus­ge­ber fungiert.

Auf Alters­emp­feh­lun­gen ver­zich­tet Tho­mas Bach­mann in sei­nem neue­sten Werk zu Recht, auch jung­ge­blie­be­ne Älte­re lesen Vagus und der schwar­ze Dra­che mit Gewinn – oder ver­mit­teln es der nach­fol­gen­den Genera­ti­on. Ein wun­der­ba­res Buch zum Schmö­kern, eben­so gut geeig­net für kapi­tel- oder sei­ten­wei­ses Vor­le­sen für die Jüng­sten, deren Fan­ta­sie noch nicht ver­schüt­tet, viel­mehr ent­wick­lungs­fä­hig ist und nur wach­ge­hal­ten wer­den muss.

Tho­mas Bach­mann schafft es, den Leser mit­zu­neh­men auf eine mär­chen­haf­te Aben­teu­er- und Lebens­rei­se, die man durch­aus auch poli­tisch inter­pre­tie­ren darf. Hand­lung und Figu­ren las­sen dabei im Kopf bekann­te und gän­gi­ge, zugleich aber eige­ne, unver­brauch­te und zeit­los gül­ti­ge Bil­der ent­ste­hen, denen sich jün­ge­re und älte­re Leser getrost anver­trau­en dür­fen. Auf die­se Wei­se beflü­gelt der Autor die Fan­ta­sie, erzeugt Span­nung, macht Mut und mündig.

Unauf­dring­li­che, spar­sam ver­teil­te, farb­lich zar­te Illu­stra­tio­nen run­den das Buch ab, las­sen Raum für Fan­ta­sie und ergän­zen den Text auf ihre Art. Tho­mas Bach­manns ist eben nicht nur Musi­ker, Kom­po­nist, bemer­kens­wer­ter Lyri­ker und neben­bei auch Gra­fi­ker. In die­sem Fall erweist er sich dar­über hin­aus als fan­ta­sie­rei­cher Fabu­lie­rer und unauf­ge­reg­ter Erzäh­ler, der sei­ne Geschich­te strin­gent und facet­ten­reich vor­an­bringt, dabei treff­lich zu nuan­cie­ren ver­mag und fei­ne Stim­mun­gen und Schwin­gun­gen erzeugt. Bach­manns jüng­stes Werk macht nach­denk­lich, gera­de in die­ser Zeit der Krie­ge und Kri­sen, der Gefähr­dun­gen, Ver­lu­ste und gro­ßen Verwerfungen.

Dass es auch Hoff­nung macht, belegt fol­gen­des klei­nes Zitat: So ist das wohl, wenn man eine Gefahr über­stan­den hat. Dann scheint die Son­ne beson­ders hell, das Gras ist beson­ders grün und der Him­mel beson­ders blau. Und die Som­mer­spros­sen natür­lich, die tan­zen an einem sol­chen Mor­gen ganz beson­ders auf den Nasen her­um, es kann einem wirk­lich schwind­lig davon wer­den. Aber wenn man es genau bedenkt, so sind es natür­lich nicht die Som­mer­spros­sen selbst, es ist die Lie­be, die sie tan­zen lässt.

Ohne Durch­hal­te­ver­mö­gen, ohne Lie­be und ohne ver­läss­li­che Freun­de und Ver­bün­de­te, lau­tet eine Bach­mann­sche Ein­sicht, lässt sich das Aben­teu­er Leben nicht bestehen. Gleich­zei­tig macht Vagus und der schwar­ze Dra­che auch jede Men­ge Spaß: ein berüh­ren­des, fan­ta­sie­rei­ches, zugleich ehr­li­ches und muti­ges Buch – nicht nur für Kinderhände.

 Tho­mas Bach­mann: Vagus und der schwar­ze Dra­che, Eine Aben­teu­er­ge­schich­te für Kin­der; Ver­lag am Park, Ber­lin, 18 €.