Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Ursu­la von der Ley­en, kalt lächeln­de Prä­si­den­tin der EU-Kom­mis­si­on. – Seit dem ver­hee­ren­den Brand des Flücht­lings­la­gers Moria auf der grie­chi­schen Insel Les­bos am 8. Sep­tem­ber leben die 12.000 dort gestran­de­ten Mit­men­schen unter frei­em Him­mel. Ohne flie­ßen­des Was­ser, ohne sani­tä­re Anla­gen, auf nack­ter Erde, in schie­rem Elend. Das hat Sie nicht ver­an­lasst, sich auf die Insel zu bewe­gen und Sofort­hil­fe zu orga­ni­sie­ren. Sie schick­ten nur Ihren für Migra­ti­ons­fra­gen zustän­di­gen Vize Mar­ga­ri­tis Schi­nas, einen Grie­chen. Der­weil die Flücht­lin­ge wei­ter dar­ben und sich die explo­si­ve Lage auf Les­bos stünd­lich ver­schlim­mert, will der gute Mann »bis Ende Sep­tem­ber« einen Plan vor­le­gen, was die EU viel­leicht unter­neh­men könn­te. Schi­nas’ schö­ner offi­zi­el­ler Titel, zu Amts­an­tritt Ihres Gre­mi­ums fest­ge­legt: »Kom­mis­sar für die För­de­rung des euro­päi­schen Lebens­stils«. Jetzt wis­sen wir end­lich, was damit gemeint war.

Gre­gor Gysi, nach­weis­lich »regie­rungs­fä­hig«. – Gegen­über ver­schie­de­nen Medi­en mach­ten Sie deut­lich, dass Sie nicht mehr an den Buch­sta­ben des Erfur­ter Grund­satz­pro­gramms der Lin­ken hän­gen, trotz so heh­rer Bekennt­nis­se wie die­sem: kei­ne Betei­li­gung an einer Regie­rung, die Kampf­ein­sät­ze der Bun­des­wehr führt; Auf­lö­sung der NATO, statt ihrer ein kol­lek­ti­ves Sicher­heits­sy­stem unter Ein­schluss Russ­lands. Als eif­ri­ger Ver­fech­ter einer Regie­rungs­be­tei­li­gung Ihrer Par­tei erklär­ten Sie, beim The­ma »Aus­lands­ein­sät­ze« kön­ne man sich »ver­stän­di­gen«; die Lin­ke ste­he grund­sätz­lich zu den Bünd­nis­ver­pflich­tun­gen der NATO. Falls Sie die Lin­ke über­flüs­sig machen wol­len, weil im Bun­des­tag kei­ne Par­tei mehr Deutsch­lands Kriegs- und Rüstungs­geg­ner reprä­sen­tiert, sind Sie auf bestem Wege.

Maria Anna Wil­ler, Autorin. – Sie haben die Lebens­ge­schich­te von Peter Höl­len­rei­ner auf­ge­schrie­ben (Der Jun­ge aus Ausch­witz … eine Begeg­nung, epu­bli 2015). Nach Lek­tü­re des Nach­rufs in Ossietzky 16/​2020 schrie­ben Sie uns, dass Peter Höl­len­rei­ner Ihnen gegen­über nie gesagt habe, er sei »gläu­bi­ger Katho­lik«. Sie schick­ten uns auch ein Foto, das eine Text­ta­fel über ihn als Teil einer Aus­stel­lung des Amud Aish Memo­ri­al Muse­ums zeigt. Das Muse­um ist in Brook­lyn, NY, USA behei­ma­tet und cha­rak­te­ri­siert sich selbst als das »ein­zi­ge Holo­caust-Muse­um mit Fokus auf der Rol­le von Glau­ben und Iden­ti­tät im brei­te­ren Kon­text der Aus­lö­schung des euro­päi­schen Juden­tums« (Web­site des Muse­ums, eige­ne Über­set­zung). Die Aus­stel­lung sei 2019 erstellt wor­den und im Ein­gangs­be­reich der KZ-Gedenk­stät­te Ausch­witz-Bir­ken­au zu sehen, teil­ten Sie uns mit. Auf der Tafel wird Höl­len­rei­ner als »Sin­ti Free Chri­sti­an« vor­ge­stellt. Nach Aus­kunft von Freun­den des Ver­stor­be­nen war er vor weni­gen Jah­ren von der katho­li­schen Kir­che zu den Frei­en Chri­sten kon­ver­tiert. Ob vor­her oder nach­her: Die Begeg­nung mit Papst Fran­zis­kus in Ausch­witz war zwei­fel­los ein High­light für ihn. Für Ihre Hin­wei­se dan­ken wir Ihnen.

Mar­tin Schulz, einst SPD-Vor­mann, jetzt Stif­tungs­aspi­rant. – Nach der Plei­te, die Sie als Kanz­ler­kan­di­dat Ihrer Par­tei bei der Bun­des­tags­wahl 2017 ein­fuh­ren – mit 20,5 Pro­zent der Stim­men das bis­her schlech­te­ste SPD-Ergeb­nis – wur­de es ruhig um Sie. Doch jetzt sorgt die Par­tei für ein Trost­pfla­ster: Dem­nächst sol­len Sie Vor­sit­zen­der der par­tei­na­hen Fried­rich-Ebert-Stif­tung wer­den. Das aus Steu­er­mit­teln finan­zier­te Insti­tut erzielt einen Jah­res­um­satz von fast 200 Mil­lio­nen Euro. Der der­zei­ti­ge Vor­sit­zen­de, Kurt Beck, schei­det nach acht Jah­ren aus Alter­grün­den aus dem Amt und schlägt Sie als Nach­fol­ger vor. Bei der SPD fal­len Ver­lie­rer nicht durchs Posten­rost. Da macht die Par­tei ihrem sozia­len Anspruch alle Ehre.