Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Johan­nes Kahrs, sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Abgän­ger. – Sie haben mit sofor­ti­ger Wir­kung Ihren Rück­tritt aus dem Bun­des­tag und den Ver­zicht auf alle Par­tei­äm­ter erklärt. Der Grund: Die SPD-Frak­ti­on woll­te Sie nicht zum neu­en Wehr­be­auf­trag­ten machen, obwohl Sie dafür doch alle Vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen: Bun­des­wehr-Oberst der Reser­ve, Chef der rechts­so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen »See­hei­mer«, reak­tio­nä­rer Strip­pen­zie­her Ihrer Frak­ti­on. Sie fin­den es uner­träg­lich, dass Ihnen eine fach­frem­de Frau vor­ge­zo­gen wird: Ihre Frak­ti­ons­kol­le­gin Eva Högl. Die näm­lich muss­te belohnt wer­den, weil sie nicht Justiz­mi­ni­ste­rin hat­te wer­den dür­fen. Justiz­mi­ni­ste­rin muss­te damals Chri­sti­ne Lam­brecht wer­den, weil sie nicht Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin wer­den konn­te. Die­ses Amt hat­te Tho­mas Opper­mann bekom­men, als er der dama­li­gen neu­en Par­tei­che­fin Andrea Nah­les sei­nen SPD-Frak­ti­ons­vor­sitz über­las­sen muss­te. Für Sie folgt dar­aus, dass das gan­ze Elend Ihrer Par­tei mit Wei­ber­kram zu erklä­ren ist.

Joseph Mar­tin Fischer, dun­kel­oliv­grün. – In einem Gast­bei­trag für den Tages­spie­gel for­dern Sie anläss­lich des 75. Jah­res­ta­ges der Befrei­ung Deutsch­lands vom Natio­nal­so­zia­lis­mus: »Die Deut­schen müs­sen ihren instink­ti­ven Pazi­fis­mus hin­ter­fra­gen.« Von einem NATO-oliv-grü­nen Ex-Außen­mi­ni­ster wie Ihnen war nichts Bes­se­res zu erwar­ten. Im Bun­des­tag haben Sie vor Jah­ren des­sen Vize­prä­si­den­ten Richard Stück­len ein­mal mit dem Spruch attackiert: »Mit Ver­laub, Herr Prä­si­dent, Sie sind ein Arsch­loch.« Mit Ver­laub, für Sie als Kriegs­het­zer und Anstif­ter zum Über­fall auf Jugo­sla­wi­en wäre ein sol­cher Schimpf zu milde.

Huber­tus Heil, Arbeits­mi­ni­ster. – Sie haben dem Vor­stoß der Kon­ser­va­ti­ven zuge­stimmt, das Arbeits­zeit­ge­setz zu öff­nen und per Ver­ord­nung den 12-Stun­den-Tag und die 60-Stun­den-Woche für Arbeit­neh­mer mit soge­nann­ten system­re­le­van­ten Beru­fen ein­zu­füh­ren. Haupt­säch­lich also für das ohne­hin schon aus­ge­power­te Kran­ken­haus­per­so­nal. Von einer kla­ren Befri­stung die­ses mas­si­ven Ein­griffs in die Rech­te der Werk­tä­ti­gen und ihrer Gewerk­schaf­ten haben Sie abge­se­hen. Davon, die Mehr­ar­beit von Lohn­zu­schlä­gen und Frei­zeit­aus­gleich abhän­gig zu machen, ist eben­falls kei­ne Rede. Als Begrün­dung dient Ihnen die Coro­na-Pan­de­mie, doch wann die für been­det erklärt wird, steht noch in den Ster­nen. Von Ent­la­stung und mate­ri­el­ler Aner­ken­nung kön­nen die Beschäf­tig­ten in den frag­li­chen Beru­fen wei­ter­hin nur träu­men. Liegt die­se drin­gen­de Reform nicht im Zustän­dig­keits­be­reich eines Sozialdemokraten?

Donald Trump, poli­ti­sches Ober­haupt der West­li­chen Wer­te­ge­mein­schaft. – Sie haben Ihren US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­ta­nen emp­foh­len, sich bei even­tu­el­lem Coro­na-Virus-Befall das Des­in­fek­ti­ons­mit­tel Lysol selbst intra­ve­nös zu appli­zie­ren und ergän­zend eine kräf­ti­ge Dosis UV-Strah­lung auf der Son­nen­bank auf­zu­neh­men. Offen­bar haben Sie noch kei­nen Selbst­ver­such die­ser Art unter­nom­men, obwohl Sie kürz­lich den bereits infi­zier­ten bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten Bol­so­na­ro per Hand­schlag begrüß­ten. Vor­schlag: Begin­nen Sie schon mal mit der geball­ten UV-Bestrah­lung. Viel­leicht erleuch­tet die Sie auch.

Hei­ko Maas, SPD, immer noch Außen­mi­ni­ster. – Die Bestre­bun­gen Ihres Par­tei­vor­sit­zen­den Nor­bert Wal­ter-Bor­jans und des SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Rolf Müt­zenich, die auf deut­schen Boden sta­tio­nier­ten US-Atom­bom­ben end­lich los­zu­wer­den, fin­den Sie schäd­lich: »Ein­sei­ti­ge Schrit­te, die Ver­trau­en unter­gra­ben, brin­gen uns dem Ziel einer atom­waf­fen­frei­en Welt nicht näher – sie schwä­chen unse­re Bünd­nis­se. Statt als star­ke Stim­me für Abrü­stung und Rüstungs­kon­trol­le mit­zu­re­den, säße Deutsch­land nicht mehr am Tisch.« Das hät­ten Sie kür­zer fas­sen kön­nen: »Ich will bei den Amis am Tisch sit­zen und des­halb nicht über deren Atom­bom­ben reden.« Ob Sie dort sit­zen oder ob in Chi­ca­go die Wurst anbrennt, ist aller­dings voll­kom­men egal. Dass ein vor­zeit­li­cher kal­ter Krie­ger wie Sie noch in der Regie­rung sitzt, das ist das Problem.