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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Erneuerbar

Es han­delt sich hier um ein angeb­lich nicht stei­ger­ba­res Adjek­tiv. Man bezeich­net damit nach­wach­sen­de, sich erneu­ern­de Roh­stof­fe oder unbe­grenzt nutz­ba­re Energiequellen.

Sind also Was­ser­kraft, Wind­rad, Solar­zel­len, Poli­tik, ja, das jet­zi­ge Gesell­schafts­sy­stem mit die­sem »nicht stei­ger­ba­ren« Adjek­tiv zu bezeich­nen, oder ist die­se Wort­schöp­fung, wie so vie­le ande­re, etwa »Kern­kraft«, auf dem Mist jener gewach­sen, die auf dem besten Wege sind, die­ses Volk, das meint, es sei »eines«, in die Tie­fen der Poli­tik­ver­dros­sen­heit samt Kri­tik­ver­lust zu führen?

Die Karls­ru­her Ver­fas­sungs­rich­ter haben die bis­he­ri­gen »Umwelt­schüt­ze­rei­en« der Poli­tik ver­wor­fen. Zen­tra­ler Kri­tik­punkt der Rich­ter an dem Regel­werk: Unzu­rei­chen­de Vor­ga­ben für die Min­de­rung der Emis­sio­nen ab dem Jahr 2031. Die Ver­fas­sungs­rich­ter for­dern des­halb den Gesetz­ge­ber auf, bis Ende 2022 die Reduk­ti­ons­zie­le für die Treib­haus­gas-Emis­sio­nen nach 2030 näher zu regeln. Der­zeit wür­den hohe Emis­si­ons­min­de­rungs­la­sten ledig­lich »unum­kehr­bar auf Zeit­räu­me nach 2030« verschoben.

Nach die­sem Urteil hat man einen der umwelt­feind­lich­sten Beschlüs­se im Par­la­ment gefasst und der Bun­des­wehr 100 Mil­li­ar­den zur Ver­fü­gung gestellt, mit denen Umwelt zer­stö­ren­de und Men­schen töten­de Gerä­te her­ge­stellt wer­den sol­len. DAS ist die Erneu­er­bar­bar­ba­rei. Ver­ant­wort­lich dafür ist die Fir­ma Augen­aus­wi­sche­rei GmbH & Co KG, und neben dem Erneu­er­bar­ge­schäfts­be­reich gibt es auch noch den Nach­hal­tig­keits­be­reich, der seit Jah­ren erfolg­reich für die Kri­ti­kun­fä­hig­keit brei­ter Bevöl­ke­rungs­schich­ten sorgt. Im Geschäfts­be­reich Wachs­tum ist die Abtei­lung Armuts­ver­dop­pe­lung beson­ders erfolgreich.

Die »erneu­er­ba­ren« Ener­gie­er­zeu­ger, ob nun Was­ser­kraft, Solar­pa­nels oder Wind­rä­der funk­tio­nie­ren seit lan­ger Zeit und hät­ten längst welt­weit für eine Strom­erzeu­gung sor­gen kön­nen, die kei­ne Abhän­gig­keit von Koh­le, Atom und Gas zuge­las­sen hätte.

Wie­so nun ein Wind­rad, vom österr. Alpen­ver­ein, der mit sei­nen Gip­fel­kreu­zen die gan­ze Alpen­land­schaft ver­schan­delt, als land­schaft­schän­de­risch ein­ge­stuft wird, Schnee­ka­no­nen, Seil­bah­nen, Schlepp­lif­te aber nicht, ist eines der uner­gründ­li­chen Rät­sel. Die braucht man zum »Schi­fo­an«! Die­se Gerät­schaf­ten, die viel Ener­gie ver­brau­chen und vor allem in Bay­ern und den öster­rei­chi­schen Alpen ein­ge­setzt wer­den, damit das Lied »zwoa Breddl a gführi­ga Schnee – jucheeh« sei­ner Leben- und Land­schafts­zer­stö­ren­den Wir­kung gerecht wird, erneu­ern nichts. Sie sor­gen höch­stens dafür, den Wirt­schafts­zweig »Frem­den­ver­kehr in der Win­ter­sai­son« pro­fi­ta­bel zu gestal­ten. Lawi­nen im Win­ter, Muren im Som­mer zer­stö­ren, und dar­an ist Putin nicht schuld, die idyl­li­sche Land­schaft. Dazu macht sich immer mehr der Was­ser­man­gel bemerk­bar. Der Neu­sied­ler­see schrumpft, der Zick­see, eben­falls im öster­rei­chi­schen Bur­gend­land ist kom­plett ver­schwun­den. Trotz­dem rückt die Win­ter­sai­son näher. Und da der »Natur­schnee« aus­bleibt, geht es an die »Grund­be­schnei­ung«. Will man in den österr. Ski­re­gio­nen eine Schnee­hö­he von 30 cm errei­chen, wer­den bis zu 1,5 Mil­lio­nen Liter Was­ser und 21 000 Kwh Strom pro Hekt­ar ver­braucht. Pri­vat­haus­hal­te wer­den ange­hal­ten zu spa­ren. Frie­ren für die Ski­pi­sten und jene Rei­chen die noch rei­cher wer­den, die dann run­ter­bret­tern ins Tal? Die bis­he­ri­gen Umwelt­kat­stro­phen durch Stark­re­gen, die zahl­rei­che Alpen­tä­ler unbe­wohn­bar machen, die spie­len kei­ne Rol­le. Ver­ant­wor­tungs­lo­se Medi­en Öster­reichs ver­kün­den schon jetzt, dass die Win­ter­sai­son »geret­tet« wer­den muss.

DER SPIEGEL, das Zen­tral­or­gan des jour­na­li­sti­schen Selbst- und Kopf­schus­ses, sin­ken­des media­les Ret­tungs­boot des Mit­tel­stan­des, schreibt per Autor Phil­ip Beth­ge in sei­ner Aus­ga­be Nr. 32, (23.7.2022) unter dem Titel »Die Strom­bau­ern«: »Die Bun­des­re­gie­rung macht den Weg frei für Solar­an­la­gen über Äcker und Fel­dern. Das Poten­ti­al ist enorm. Auf nur vier Pro­zent der land­wirt­schaft­li­chen Flä­che könn­te der Strom­be­darf ganz Deutsch­lands gedeckt wer­den – und man­che Pflan­zen wach­sen sogar besser.«

Dem Mei­nungs­zwang der mei­sten deutsch­spra­chi­gen Medi­en aus­ge­setzt, damit schon längst der Ver­wir­rung und Ver­ir­rung anheim­ge­fal­len drängt sich mir seit Tagen immer mehr die Fra­ge auf: Wenn das Gas knapp wird – wie­so ist dann Koh­le und Atom gefragt? Strom lie­fern doch Putin & Co nicht, oder?

Seit vie­len Jah­ren ist bekannt, dass Strom umwelt­freund­lich her­ge­stellt wer­den kann. War­um wird nun von der, wie immer, unfä­hi­gen an der Macht befind­li­chen Ampelei, die sich mehr und mehr der »Affe­rei« (nix hören, nix sehen, nix den­ken und schon gar nichts Not­wen­di­ges machen) annä­hert, umwelt­feind­li­che Strom­erzeu­ger wie Koh­le­Atom wie­der ange­wor­fen? Wie­so wird nicht end­lich in einer Groß­an­stren­gung eine umwelt­freund­li­che Strom­erzeu­gung vorangetrieben?

Für die Bun­des­wehr gibt es 100 Mil­li­ar­den »Son­der­ver­mö­gen«, und Bür­ge­rin­Bür­ger soll für Ener­gie mehr zah­len, frie­ren und Strom­aus­fäl­le in Kauf neh­men, weil die Inter­es­sens­ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter, aus­ge­stat­tet mit dem Just­In­Ti­me­Hirn, eine Mör­der­ge­rä­te­in­du­strie noch pro­fi­ta­bler wer­den las­sen, anstatt end­lich nicht nur zu war­nen (»Es wird kalt in Deutsch­land, frie­ren wird erste Bür­ger­pflicht«), son­dern Zukunfts­per­spek­ti­ven zu ent­wickeln. Die not­wen­di­ge mit­tel- und lang­fri­sti­ge Pla­nung fin­det lei­der nicht statt. Koh­le und Atom samt Gas sind die Lösungs­vor­schlä­ge, erdacht in jenen Denkap­pa­ra­ten die, durch­lüf­tet durch tem­po­li­mit­frei­es Fahen, »frei­e­Fahrt­fürFreie Bür­ge­rin­bür­ger« stam­meln. Eine Erkennt­nis – das Frie­ren der Bevöl­ke­rung samt Bun­des­wehr – dürf­te die »mili­tä­ri­sche Schutz­funk­ti­on« stark ein­schrän­ken, wenn Soldatin/​Soldat friert und an die nie­der­schmet­tern­de Geschich­te des letz­ten Russ­land­feld­zugs Deutsch­lands erin­nert wird! Dazu gei­stert durch die Medi­en­land­schaft das Wort »Ent­la­stungs­pa­ket«. Ob da nicht bald dar­aus Ende und Last wird für jene, denen bald »Kriegs- und Demo­kra­tie­mü­dig­keit« vor­ge­wor­fen wird?