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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Erster Kriegshaushalt

Am 27. Mai kün­dig­te der in Lon­don erschei­nen­de Eco­no­mist unter der Über­schrift »Zah­len für das neue Wett­rü­sten« ein »Ende der Frie­dens­di­vi­den­de« an. Das im Lager der Herr­schen­den dies­seits und jen­seits des Atlan­tiks ein­fluss­rei­che Blatt wirbt schon län­ger dafür, sich auf einen lang­an­hal­ten­den öko­no­mi­schen und mili­tä­ri­schen Krieg des Westens gegen Russ­land und Chi­na ein­zu­stel­len. Eine neue »war tax« sei unver­meid­lich und schon inner­halb eines Jah­res wür­den die Mili­tär­auf­wen­dun­gen welt­weit um rund 10 bis 30 Pro­zent stei­gen. Ver­ant­wort­lich dafür sei­en nicht die west­li­chen Staa­ten, die die­se Stei­ge­rung beson­ders vor­an­trie­ben, son­dern »Russ­lands Inva­si­on in die Ukrai­ne und Chi­nas Säbel­ras­seln gegen­über Tai­wan«. Las­sen wir die­se poli­ti­sche Bewer­tung eines Säbel­ras­selns eines Lan­des gegen einen Teil von sich selbst mal bei­sei­te und kon­zen­trie­ren wir uns auf das Stich­wort »war tax« – Kriegssteuer.

Es besteht näm­lich ein inne­rer Zusam­men­hang zwi­schen die­ser Umsteue­rung auf ein neu­es Wett­rü­sten und den in die­sem Jahr ganz unge­wöhn­li­chen Haus­halts­ver­hand­lun­gen in Deutsch­land. Nor­ma­ler­wei­se läge im Juni schon ein Haus­halts­ent­wurf des Bun­des­ka­bi­netts auf dem Tisch. Das tut er nicht. Nor­ma­ler­wei­se sitzt der Finanz­mi­ni­ster in den Mai-Wochen mit den Mini­stern bei Kaf­fee und Gebäck zusam­men, um die Fach­res­sort-Wün­sche mit den Haus­halts­eck­da­ten in Ein­klang zu brin­gen. Auch das ist die­ses Jahr anders:

In die­ses im par­la­men­ta­ri­schen Raum so bezeich­ne­te »Beicht­stuhl­ver­fah­ren« mischt sich nun erst­mals seit Jahr­zehn­ten der Kanz­ler per­sön­lich ein.

Der Grund hängt damit zusam­men, was der Eco­no­mist geschrie­ben hat. Der jetzt gül­ti­ge Bun­des­haus­halt wur­de 2022 so vor­be­rei­tet, dass ange­sichts des aus­ge­ru­fe­nen Krie­ges gegen Russ­land 100 Mil­li­ar­den außer­halb des Haus­hal­tes bereit­ge­stellt wur­den, um der Bun­des­wehr einen Schub zu geben. Der offi­zi­el­le Haus­halt blieb in der Kon­ti­nui­tät der Jah­re vor­her. Auf Dau­er funk­tio­niert das nicht und über­steigt die finan­zi­el­len Res­sour­cen auch eines Lan­des wie das (noch) rei­che Deutschland.

Bis zum Redak­ti­ons­schluss lag der Haus­halts­ent­wurf noch nicht vor. Wir wagen aber die Pro­gno­se: Es wird an sei­nem Zah­len­werk ables­bar der erste nun auch »ordent­li­che« Kriegs­haus­halt Deutsch­lands sein. Denn eines zeich­ne­te sich bereits in den weni­gen Ver­laut­ba­run­gen ab, die nach drau­ßen dran­gen: Herr Pisto­ri­us muss­te nicht in den Beicht­stuhl – sein Haus­halt wird als ein­zi­ger von kei­nen Ein­spar­maß­nah­men betrof­fen sein. Der Rest wird blu­ten – für den Ruin Russ­lands und die wei­te­re unbe­schränk­te Auf­rü­stung der Ukrai­ne gegen Russland.