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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Spanien geht in die Verlängerung

Am 53. Tag des Coro­na-Aus­nah­me­zu­stan­des ver­län­ger­te Spa­ni­en am 6. Mai zum vier­ten Mal den »Alarm« – wie es dort heißt. Erst kurz vor Beginn der Par­la­ments­de­bat­te zeich­ne­te sich eine knap­pe Mehr­heit für die Ver­län­ge­rung ab. Stimm­ten am 22. April von den 350 Abge­ord­ne­ten noch 269 für die Ver­län­ge­rung, waren es jetzt nur noch 178 Abge­ord­ne­te. Mit Nein stimm­ten 75 Abge­ord­ne­te, 97 ent­hiel­ten sich. Die Par­la­men­ta­ri­er von Parti­do Socia­li­sta Obre­ro Espa­ñol (PSOE), Uni­das Pode­mos und der bür­ger­li­chen Ciu­da­da­nos sowie die bas­ki­schen Natio­na­li­sten der Parti­do Nacio­na­li­sta Vasco (PNV) und eini­ge klei­ne­re Par­tei­en sicher­ten Mini­ster­prä­si­dent Pedro Sán­chez eine Mehr­heit bei der Abstim­mung über die Ver­län­ge­rung des Aus­nah­me­zu­stands bis zum 24. Mai.

Alle kata­la­ni­schen Par­tei­en sowie die lin­ke Bas­ken­par­tei EH Bil­du stimm­ten gegen die Ver­län­ge­rung – sie hat­ten Pedro Sán­chez im Janu­ar zur Wie­der­wahl ver­hol­fen. Bei der ersten Ver­län­ge­rung gab es kei­ne Gegen­stim­me, seit­dem bröckelt die Zustim­mung. Kri­tik gibt es vor allem an Pedro Sán­chez‘ zen­tra­li­sti­scher Krisenbewältigung.

Der Vor­sit­zen­de der Parti­do Popu­lar und Oppo­si­ti­ons­füh­rer sprach von »Ver­fas­sungs­dik­ta­tur«, droh­te mit Ableh­nung, wur­de aber von Madrids Bür­ger­mei­ster José Luis Mar­tí­nez-Almei­da über­zeugt, sich mit der Frak­ti­on der Stim­me zu ent­hal­ten. Der Vor­sit­zen­de der rech­ten VOX-Par­tei, Sant­ia­go Abas­cal, bedau­er­te die Unter­stüt­zung Pedro Sán­chez‘ durch Ciu­da­da­nos und die Ent­hal­tung der PP. Abas­cal kün­dig­te Pro­te­ste gegen die Regie­rung und Rück­tritt an.

Pedro Sán­chez führ­te in sei­ner Begrün­dung an, dass es kei­nen »Plan B« gebe, somit der Aus­nah­me­zu­stand ohne eine Alter­na­ti­ve sei. Die Auf­he­bung wäre ein nicht zu ver­zei­hen­der Feh­ler, der das Land ins Cha­os füh­ren wür­de. Für die Stim­men von Ciu­da­da­nos und der Bas­ken­par­tei PNV mach­te der Mini­ster­prä­si­dent grö­ße­re Zuge­ständ­nis­se. In Abstim­mung mit der Regie­rung in Madrid kön­nen eini­ge Regio­nal­re­gie­run­gen die Beschrän­kun­gen nach einem Stu­fen­plan schnel­ler auf­he­ben, das ist vor allem für den Tou­ris­mus wich­tig. Ciu­da­da­nos ver­sprach Pedro Sán­chez wöchent­li­che Kon­tak­te und einen Dia­log über die künf­ti­gen Maßnahmen.