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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zuschriften an die Lokalpresse

Ich kann dem Ber­li­ner Kurier nur immer wie­der dafür dan­ken, dass er sich neben den täg­li­chen Coro­na-Cha­os-Infor­ma­tio­nen auch Berich­ten über »nor­ma­le« Gescheh­nis­se wid­met. Jeden Mor­gen, wenn ich mei­ne Tages­blät­ter aus dem Brief­ka­sten gefischt habe und nach der Fahr­stuhl­fahrt noch­mal aus dem unaus­ge­schla­fe­nen Bade­man­tel unter die Decke geschlüpft bin, las­se ich mei­nen Quer­blick über das noch feuch­te Gedruck­te schwei­fen und sto­ße dabei auf man­che inter­es­san­te Neu­heit. Zum Bei­spiel wer­den am heu­ti­gen 16. März 21 auf der letz­ten Sei­te »die Rei­manns« geprie­sen, deren Abspeck-Ver­su­che nach ihrem Umzug in die USA zu einem Minus von 30 Kilo geführt haben. Abge­se­hen davon, dass man der­ar­ti­ge Rekor­de in einem Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten gera­de­zu erwar­tet, wird auch dar­ge­legt, »wie sie das Unglaub­li­che geschafft haben«. Unter ande­rem wer­den sie »von einem Hahn und ins­ge­samt sie­ben Hüh­nern mit fri­schen Eiern ver­sorgt. Der Rest wird mit den Nach­barn getauscht« (S. 28). Nun möch­te ich gern von Rei­manns und der Redak­ti­on wis­sen, wie es gelun­gen ist, dem Hahn das Eier­le­gen bei­zu­brin­gen und wel­che Reste Manu und Kon­ny mit den Nach­barn tau­schen. Ich bin gespannt auf die ange­kün­dig­ten Dreh­ar­bei­ten »für neue Epi­so­den« der Sen­dung. – Wil­li­bald Wundertäter(58), Inva­li­den­rent­ner, 02739 Eibau-Neueibau.

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Sicher, auch ich gehö­re zu jenen, denen die täg­li­che Coro­na-The­ma­tik in den Medi­en zum Hal­se her­aus­hängt. Die weni­gen Abwechs­lun­gen in den Pro­duk­tio­nen bie­ten Talk­shows, in denen es eben­falls vor­ran­gig um die Pan­de­mie und die Impf­ka­la­mi­tä­ten drum­her­um geht. Das Gan­ze ent­wickelt sich gegen­wär­tig mehr und mehr zu einer mit dem Wahl­kampf der Par­tei­en ver­knüpf­ten Bes­ser­wis­se­rei. In die­sem Zusam­men­hang woll­te ich schon immer mal vor­schla­gen, unser gram­ma­ti­ka­li­sches Füll­horn zu ergän­zen und die geläu­fi­gen Kasi inklu­si­ve des Voka­tivs noch um den Pap­per­la­tiv zu erwei­tern. Auf dem zwei­ten Sen­de­platz lie­gen nach mei­nem Ein­druck die Quiz-Run­den, die täg­lich meh­re­re Stun­den in Anspruch neh­men und Geheim­nis­se ver­mit­teln, die kei­ner braucht. Egal, ob die Mode­ra­to­ren Pillawa oder Bom­mes oder Pflau­me oder sonst­wie hei­ßen. Dazu gesel­len sich die Küchen­sen­dun­gen, die die Ster­ne­kö­che oft auf eine Ebe­ne mit Fuß­ball­trai­nern heben. Aller­dings wer­den erste sel­te­ner aus­ge­wech­selt, selbst wenn Rares gegen Bares aus­ge­han­delt wer­den muss. Nun fra­ge ich mich, was pas­sie­ren wür­de, wenn selbst Mode­ra­to­ren die­ser Dau­er­bren­ner der Pan­de­mie wegen aus­fie­len. Soll­te man sie des­halb – unab­hän­gig vom Alter – bes­ser gleich den Risi­ko­be­haf­te­ten zuord­nen und pro­phy­lak­tisch absprit­zen? Um die Sen­de­zei­ten abzu­si­chern? Wer weiß denn sowas? – Ray­mun­de Vor­schlä­ger (40), Azu­bi, 18334 Bad Sülze.