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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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50 Jahre El País

Über­setzt bedeu­tet El País »Das Land«. Das Land war im Begriff, sich kon­sti­tu­tio­nell neu zu erfin­den, als am 4. Mai 1976 die erste Aus­ga­be der inzwi­schen größ­ten Tages­zei­tung Spa­ni­ens erschien. Es war erst weni­ge Mona­te zuvor sei­nen Dik­ta­tor los­ge­wor­den; Fran­ces­co Fran­co war am 20. Novem­ber 1975 im Alter von 82 Jah­ren in Madrid gestor­ben. Sein Nach­fol­ger wur­de nach dem Wil­len des Dik­ta­tors König Juan Car­los I., Spa­ni­en war zunächst wie­der eine Monarchie.

El País, die ein­zi­ge Neu­grün­dung unter den rele­van­ten Pres­se-Orga­nen des Lan­des, wur­de eine wich­ti­ge Stim­me inner­halb der bald dar­auf begin­nen­den Zeit der Tran­si­ción, des Über­gangs in eine par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie. Die Spa­ni­er hat­ten kei­ne hohe Mei­nung vom neu­en König, den sie als »Zieh­sohn« Fran­cos wahr­nah­men. Aber am 1. Juli 1976 dräng­te der König Mini­ster­prä­si­dent Car­los Ari­as Navar­ro, einen der har­ten Anhän­ger des Fran­qu­is­mus, zum Rück­tritt. Zum Nach­fol­ger ernann­te er Adol­fo Suá­rez, der auch nicht frei war vom Fran­qu­is­mus, den­noch wur­de der Weg in die Zeit der Tran­si­ción leich­ter, in der das fran­quisti­sche Regime abwickelt wur­de. Dazu gehör­te die Selbst­auf­lö­sung des fran­quisti­schen Par­la­ments Cor­tes und sei­ne Ablö­sung durch ein gewähl­tes Zwei­kam­mer­par­la­ment, die Zulas­sung poli­ti­scher Par­tei­en, dar­un­ter auch der kom­mu­ni­sti­schen Part­ido Comu­ni­sta Espa­ñol (PCE), und der Gewerk­schaf­ten. Am 15. Juni 1977 wähl­te Spa­ni­en zum ersten Mal seit 1936 in frei­en Wah­len wie­der ein Parlament.

Bis zur Grün­dung der El País hat­te es nur Zei­tun­gen unter stren­ger staat­li­cher Kon­trol­le mit Vor­zen­sur gege­ben. Dar­un­ter Arri­ba, die Zei­tung der Staats­par­tei Falan­ge, das direk­te Sprach­rohr der Regie­rung der fran­quisti­schen Ideo­lo­gie. Ange­passt hat­ten sich ABC, die tra­di­ti­ons­rei­che katho­lisch-mon­ar­chi­sti­sche-kon­ser­va­ti­ve Zei­tung war lini­en­treu. La Van­guar­dia aus Bar­ce­lo­na war bis Mit­te der 1960 Jah­re dem Fran­co-Regime erge­ben, wur­de dann aber etwas oppo­si­tio­nel­ler. El Tri­unfo (Der Tri­umph) ver­such­te, als lin­kes Maga­zin durch kri­ti­sche Kom­men­ta­re auf­klä­re­risch zu wirken.

El País stand sei­ne Bewäh­rungs­pro­be noch bevor. Die Zei­tung ent­wickel­te sich seit ihrem ersten Erschei­nen zu einer der wich­tig­sten publi­zi­sti­schen Platt­for­men in Spa­ni­en und weit dar­über hin­aus. Bedeu­tend ihre Reak­ti­on auf den Putsch­ver­such unter Füh­rung des Guar­dia-Civil-Oberst­leut­nants Anto­nio Ter­jeo am 23. Febru­ar 1991, als das Par­la­ment besetzt wur­de. Der Putsch dau­er­te über sechs Stun­den, bis sich Juan Car­los I. im Fern­se­hen für die Demo­kra­tie aus­sprach. Die bereits aus­ge­rück­ten Tei­le der Armee und der Guar­dia Civil kehr­ten in ihre Kaser­nen zurück. El País pro­du­zier­te wäh­rend die­ser Stun­den eine Son­der­aus­ga­be zum Putsch mit einem Bekennt­nis zur Demokratie.

El País erscheint an sie­ben Tagen der Woche. Die Zei­tung gehört zur größ­ten Medi­en­grup­pe Spa­ni­ens, der Gru­po Pri­sa. Der Name Pri­sa ist ein Akro­nym für Pro­mo­to­ra de Infor­macio­nes S.A. mit Sitz in Madrid. Sie ist eine bör­sen­no­tier­te, welt­weit füh­ren­de spa­nisch- und por­tu­gie­sisch­spra­chi­ge Medi­en­grup­pe für Bil­dung, Nach­rich­ten, Infor­ma­tio­nen und Unter­hal­tung. Das Unter­neh­men wur­de 1972 vom Medi­en­un­ter­neh­mer Jesus de Pol­an­co und José Orte­ga Spott­or­no gegrün­det, einem Sohn des spa­ni­schen Phi­lo­so­phen José Orte­ga y Gas­set.  Zur Pri­sa-Grup­pe gehö­ren heu­te neben El País die täg­li­che Sport­zei­tung Dia­rio As, die Wirt­schafts­zei­tung Cin­co Dias, der meist­ge­hör­te Sen­der Cade­na SER sowie die Musik­sen­der Los 40 Prin­ci­pa­les, M80, Cade­na Dial, Máxi­ma FM und Radio Olé.

Im Jahr 2010 stieg der Unter­neh­mer Nico­las Berg­gruen mit 900 Mil­lio­nen US-Dol­lar bei Pri­sa ein, er hält seit­dem die Mehr­heit am Kapi­tal. Sein Vater Heinz Berg­gruen (1914-2007) war der berühm­te Kunst­samm­ler und Gale­rist; sei­ne Samm­lung ist heu­te Teil des nach ihm benann­ten Ber­li­ner Muse­ums. Der Mehr­heits­ei­gen­tü­mer bis dahin, die Pol­an­co-Grup­pe, redu­zier­te dar­auf ihren Anteil auf 30 Prozent.

El País hat­te bei ihrem Start eine Auf­la­ge von täg­lich rund 43500 Exem­pla­ren, heu­te liegt die Print­auf­la­ge bei über 74000 Exem­pla­ren. Beson­ders in der der digi­ta­len Welt wächst die Bedeu­tung der Zei­tung; inzwi­schen erreicht El País als füh­ren­de spa­nisch­spra­chi­ge Zei­tung im Inter­net und zum Bei­spiel auf der Platt­form X vie­le Mil­lio­nen Lese­rin­nen und Leser, vie­le davon auch in der Bund­e­re­pu­blik. Für Latein­ame­ri­ka gibt es eine eige­ne digi­ta­le Ausgabe.

Poli­tisch gilt El País als links­li­be­ral, steht der Par­tei Part­ido Socia­li­sta Obre­ro Espa­ñol (PSOE), nahe, ver­steht sich selbst aber nicht als sozia­li­stisch oder sozi­al­de­mo­kra­tisch. Nicht zu unter­schät­zen ist auch ihre kul­tu­rel­le Bedeu­tung, die sich einer einer­seits dem Insti­tut des Libro de esti­lo ver­dankt, eine Art Stil­fi­bel, ein Hand­buch des erwünsch­ten Sprach­ge­brauchs und ande­rer­seits pro­mi­nen­ten Gast­au­toren wie den Schrift­stel­lern – in der Ver­gan­gen­heit – Mario Var­gas Llosa oder – in der Gegen­wart – Anto­nio Muñoz Moli­na und Juan José Mil­lás. El Roto zeich­net die Car­toons für das Blatt.