Am 30. Juni präsentierten die Zeitungen der Essener Funke-Medien-Gruppe stark hervorgehoben ein kurzes Zitat des norwegischen Politikers Jens Stoltenberg: »Die Verteidigung der USA beginnt an der europäisch-russischen Grenze.« Der Minister und Ex-Nato-Generalsekretär wollten die USA wohl damit zur aktiven Nato-Kumpanei ermahnen. Was ist aber eine »europäisch-russische Grenze«? Wo verläuft sie? Liegt Russland jenseits Europas? Stoltenberg meint vermutlich die EU, wenn er Europa sagt. Das ist die übliche Lüge. Russland ist Teil Europas und die Ostgrenze Europas verläuft auf dem Kamm des Uralgebirges, also mitten durch Russland. Norwegen hat eine Grenze zu Russland, ist jedoch nicht Teil der EU. Vom »europäisch-russischen« Widerspruch sollte auch ein Norweger nicht reden. Worum geht es?
Offenbar sollten die USA an ihr strategisches Ziel erinnert werden, die einzige Weltmacht zu bleiben und somit den Kampf um die Vorherrschaft für die USA zu entscheiden. Sollen dazu die EU und alle Nato-Staaten als Gehilfen angeboten werden?
Diese Strategie wurde von Zbigniew Brzeziński 1997 in seiner Abhandlung »Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft« entworfen und durch die US-Politik realisiert. Sie wird nun von Donald Trump in besonders aggressiver, faschistoider Weise verfolgt – ob im Krieg gegen den Iran, ob bei der Unterstützung Israels beim Krieg in Gaza, ob in Venezuela, ob mit der Strangulierungspolitik gegen Kuba, den offenen Drohungen gegen Grönland oder anderen Erpressungsversuchen, so die Zollpolitik. Der Hauptgegner im Kampf des Imperiums, die einzige Weltmacht zu bleiben, ist heute die Volksrepublik China. Wollen die Stoltenbergs, Pistorius, Merz und Co. sich nun auch noch als militärische Gegner Chinas anbieten und vorher noch Russland aus Europa vertreiben?
Auch die Pläne der CDU/CSU und der AfD, Deutschland zur militärischen Führungsmacht zu machen, versprechen nichts Gutes. Nach MAGA nun MaGeGA, make Germany great again?
Warum nicht zu einer Politik des GHE, des Gemeinsamen Hauses Europa zurückkehren? Einst hat die Charta von Paris die Grundlage für ein »Gemeinsames Haus Europa« geschaffen. Noch im Jahr 2001 bekam Putin im Bundestag stehenden Applaus, als er seine Perspektiven für ein neues Europa skizzierte. Doch die damals ausgestreckten Hände wurden nicht angenommen. Stattdessen kam es zur stetigen Erweiterung der westlichen Einflusssphäre und zur militärischen Antwort Russlands. Die ständigen Bemühungen, Trump wieder zum Anführer der Nato-Politik auch in Europa zu machen, bergen die Gefahr eines Atomkrieges in sich.
Bernhard Trautvetter ist zuzustimmen, der in Osietzky kürzlich schrieb: »Die Militärlobby wirbt für Kriegstüchtigkeit und für eine Strategie, die sehenden Auges auf das Ende zumindest der europäischen Zivilisation hinausläuft. Sicherheit aber gibt es nicht in der Konfrontation der Großmächte, sondern nur in einem gemeinsamen Haus Europa, nein auch der Erde von Lissabon über Wladiwostok bis New York und Dover. Nur in Kooperation und nicht in Konfrontation kann die Menschheit die Herausforderungen des Atomzeitalters überleben.«