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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Buch über einen Unbeugsamen

Ich muss län­ger nach­den­ken, wann ich zum letz­ten Mal ein Buch in der Hand hat­te, um es von Anbe­ginn bis zum Schluss zu lesen, ohne es zwi­schen­durch weg­zu­le­gen. »Einem Nest­be­schmut­zer zum Geden­ken« ist eine solch fes­seln­de Lek­tü­re. Mit dem Buch ehrt Ossietzky-Autor Kurt Nel­hie­bel (Con­rad Taler) einen Huma­ni­sten, der auch für heu­ti­ge Juri­sten­ge­nera­tio­nen Vor­bild sein soll­te: Fritz Bau­er. Das Den­ken, Wir­ken und Han­deln des Juri­sten ist mit viel mehr ver­bun­den als der gericht­li­chen Fest­stel­lung, dass der Nazi­staat ein Unrechts­staat war, der Ausch­witz-Pro­zess in Frank­furt am Main durch­ge­führt und der Spe­di­teur des Todes Adolf Eich­mann gefasst wer­den konnte.

Nel­hie­bels Ein­tre­ten für die Bewah­rung des Anse­hens und der Wür­de von Fritz Bau­er ist fas­zi­nie­rend und zugleich aner­ken­nens­wert. Vor allem setzt der Autor sich ent­schie­den gegen jeg­li­che Form der Ver­un­glimp­fung, Ent­wür­di­gung oder Demon­ta­ge Fritz Bau­ers ein. Sei­ne dazu geführ­ten kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen – allen vor­an mit dem lang­jäh­ri­gen Lei­ter des Archivs des Fritz-Bau­er-Insti­tuts in Frank­furt am Main sind beein­druckend. Kurt Nel­hie­bel über­zeugt durch Fak­ten und kann dabei auf eige­ne Erleb­nis­se mit Fritz Bau­er und sei­ne Bericht­erstat­tung über den Ausch­witz-Pro­zess zurück­grei­fen. Das macht zugleich deut­lich, wie wich­tig Zeit­zeu­gen sind und wie dank­bar man ihnen sein muss, wenn sie ihr Wis­sen zu Papier brin­gen und damit auch für die Nach­welt erhal­ten. Dies ist immer dann wich­tig, wenn ande­re Schrif­ten einem ver­meint­li­chen Main­stream fol­gen, der oft beglei­tet ist von Geschichtsklitterung.

Sol­che Erschei­nun­gen machen Nel­hie­bel zu recht wütend, aber auch zugleich nicht brems­bar, um den fal­schen Mut­ma­ßun­gen und Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen mit Deut­lich­keit zu begeg­nen. Dabei macht ihm nie­mand etwas vor. Er pran­gert unter Hin­weis auf Tat­sa­chen an und lässt sich nicht mit halb­her­zi­gen Argu­men­ten abspei­sen. Der Autor han­delt aus inne­rer Über­zeu­gung, was ihn zusätz­lich glaub­wür­dig macht. Beein­druckend ist auch sein Kampf dafür, dass der bedeut­sa­me Doku­men­tar­film »Fritz Bau­er –Tod auf Raten« von Ilo­na Ziok in der ARD gezeigt wird. Das Ziel ist momen­tan noch nicht erreicht, aber Nel­hie­bel macht es den Ver­ant­wort­li­chen nicht leicht, deren faden­schei­ni­ge Absa­gen weder ver­ständ­lich noch akzep­ta­bel sind. Neben der bedeut­sa­men Bau­er-Bio­gra­phie Irm­trud Wojaks ist das Buch von Kurt Nel­hie­bel ohne Zwei­fel die beste Wür­di­gung von Fritz Bau­er, 51 Jah­re nach des­sen noch immer nicht rest­los geklär­tem Tod. Vor allem jun­ge Men­schen und ange­hen­de Juri­sten soll­ten sich von dem Buch ani­mie­ren las­sen, der Mate­rie mehr Auf­merk­sam­keit zu widmen.

Kurt Nel­hie­bel (Con­rad Taler): »Einem Nest­be­schmut­zer zum Geden­ken«, Ossietzky Ver­lag, 120 Sei­ten, 10 € zzgl. 1,50 € Ver­sand­ko­sten, Bezug: ossietzky@interduck.net